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Entweder nutzlos oder giftig
 
Die Gefahr, sich durch einen Mückenstich eine gefährliche Krankheit zuzuziehen, ist in den letzten Jahren wieder gestiegen. Der beste Schutz gegen Dengue-Fieber und Malaria ist nach wie vor der Schutz vorm Stich. Doch die meisten Mittel halten nicht, was sie versprechen. Viele chemische Präparate wirken schlecht oder rufen Allergien hervor. Und auch die Tipps aus Großmutters Trickkiste beeindrucken die Quälgeister zumeist nicht.

Sie sind wahre Plagegeister, und das nicht nur an warmen Sommerabenden in der Heimat: Mücken. Besonders auf Fernreisen können die kleinen Quälgeister für Ärger sorgen. West-Nil-Virus, Dengue-Fieber und Malaria sind Krankheiten, die von Stechmücken - genauer bekannt als Anopheles, Aedes, Culex, Culicoides und Simulium - übertragen werden. Wer sich auf Reisen gegen das blutsaugende Geschwader schützen will, der greift häufig zur Chemo-Keule und trägt schlecht verträgliche oder gar unwirksame Mittel auf die Haut auf. Der Blick in Großmutters Trickkiste verrät, dass wirkliche Alternativen rar sind. Wer allerdings etwas Kreativität mitbringt, der kann sich auch ohne chemische Hämmer vor der Mückenplage schützen.

Hautreizung, Rötung, Schwellungen und schwere allergische Reaktionen: Die Liste der Nebenwirkungen chemischer Anti-Mückenpräparate ist lang. Ärzte raten deshalb vor allem Kindern, Allergikern und Frauen in der Schwangerschaft vom Gebrauch dieser Substanzen ab - oder empfehlen, ihn zu minimieren. Mancher Reisende greift deshalb auf herkömmliche Mittel zurück. Die einen schwören auf Apfelessig als Hautlotion, andere wollen Mücken durch den Verzehr von rohem Knoblauch vertreiben. Dritte vertrauen auf die abschreckende Wirkung von Gin mit dem Inhaltsstoff Chinin.

Aber: Die klassischen Hausmittel sind zwar weit verbreitet, helfen allerdings nicht. "Apfelessig hat, wenn überhaupt, nur eine sehr geringe Schutzwirkung, Knoblauch vertreibt bestenfalls den Tischnachbarn", sagt Dr. med. Johannes Wantzen, Facharzt für Tropenmedizin in Klein-Winternheim bei Mainz. Auch Gin wird vom Fachmann schnell als wirkungslos entlarvt: "Wegen des Alkohols spürt man vielleicht den Juckreiz nicht, gestochen wird man trotzdem." Selbst das von vielen als Wundermittel beschworene Vitamin B, das so mancher Urlauber in rauen Mengen zu sich nimmt, verfehlt seine Wirkung.

Auch wenn die klassischen Hausmittel versagen, so gibt es doch einige andere natürliche Substanzen, die lästige Stechtiere fernhalten. So hilft zum Beispiel Zitronengrasöl, das in vielen pflanzlichen Mückenschutzmitteln enthalten ist, die Attacken abzuwehren. Eine ähnliche Wirkung wird Lavendelöl und Sandelholz zugeschrieben. "Einige pflanzliche Mittel schützen tatsächlich", sagt Dr. Wantzen. "Allerdings ist die Wirkungsdauer um ein Vielfaches geringer als bei chemischen Substanzen." Während Chemo-Präparate im Idealfall bis zu mehrere Stunden wirken, müssen natürliche Repellents schon nach kurzer Zeit erneut auf die Haut aufgetragen werden. Geduld ist also gefragt.

Nicht alle Mückenschutzmittel sind zum Einreiben. Viele Globetrotter schwören auf so genannte Elektroverdampfer und Mückenspiralen. Allerdings gilt auch hier: Sie sind zwar sehr wirkungsvoll, aber giftig. Vor allem in geschlossenen Räumen sollten sie nicht angewendet werden, ohne vorher gut gelüftet zu haben. Überhaupt keine Wirkung zeigen so genannte Mückenpiepser, die Insekten per Ultraschall vertreiben sollen.

Nach Ansicht vieler Tropenärzte sind die klassischen Tricks zur Mückenabwehr ohnehin am wirkungsvollsten. "Die beste Möglichkeit, sich zu schützen, ist es immer noch, gar nicht erst gestochen zu werden. Am einfachsten erreicht man dies durch lange, helle Kleidung. Stechmücken landen lieber auf dunklem Untergrund", sagt der Facharzt. "Nachts gehört außerdem ein Moskitonetz über das Bett, das mit mückenabweisendem Mittel eingesprüht wird. Sehr effektiv ist es auch, die Klimaanlage einzuschalten, da Mücken in kühlen Räumen schlechter fliegen können." Dass Parfüm die penetranten Angreifer abhält, ist dagegen ein Ammenmärchen. "Im Gegenteil, sie fühlen sich davon sogar angezogen."

Weitere Informationen:
Chemische Repellents: Die beiden am weitesten verbreiteten Wirkstoffe DEET (Diethyltoluamid) und Bayrepel wirken gut, können allerdings allergische Reaktionen hervorrufen. Tipp: Verpackungsbeilage genau studieren und nur auf nicht bedeckte Hautpartien auftragen. Nicht aufs Gesicht schmieren, bei kleinen Kindern auch nicht auf Hände und Füße, da sie oft in den Mund genommen werden.

Sprühflaschen für Kleidung: Enthalten giftige Pyrethroide, wirken aber gut. Auch für das Moskitonetz geeignet. Vorsicht: Einige Mittel hinterlassen Flecken auf der Kleidung und lösen sogar Plastik auf (Uhrenarmband).

Mückenspiralen und Elektroverdampfer: Wirksam, aber giftig, da sie ebenfalls Pyrethroide enthalten. Nicht in geschlossenen Räumen und in Anwesenheit von Säuglingen und Kindern verwenden. Warnhinweise beachten!

Ätherische Öle: Einige Wirkstoffe wie Zitronengrasöl, Lavendelöl und Sandelholz helfen, allerdings müssen sie nach kurzer Zeit erneut auf die Haut aufgetragen werden. Was kaum jemand weiß: Auch ätherische Öle können Allergien auslösen und bei gleichzeitiger Sonneneinstrahlung zu Pigmentstörungen führen.

UV-Lichtgeräte und Mückenpiepser: unwirksam.
Luftbefeuchter: Locken Mücken durch CO2, Feuchtigkeit, Wärme und bestimmte Geruchsstoffe an. Sollen gut wirken, sind bislang aber nur im Internet erhältlich (www.megacatch.com). Außerdem sind sie eher für den Langzeitgebrauch gedacht, da sehr sperrig.

Tipp: Mückenschutz auf jeden Fall noch in Deutschland kaufen. Im Ausland sind in vielen Mitteln andere, gefährliche Substanzen enthalten, die hierzulande verboten sind.

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