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Das Tigernest-Kloster klebt an einer Felswand hoch über dem Paro-Tal

Das Tigernest-Kloster klebt an einer Felswand hoch über dem Paro-Tal

KÖNIGREICH BHUTAN

»Bruttosozialglück« ist in der Verfassung verankert

Das Wichtigste im kleinen buddhistischen Himalaja-Königreich Bhutan ist nicht das Geld und nicht die Macht – es ist das Glück. Das »Bruttosozialglück« ist als Ziel in der Verfassung verankert. Und der junge König kommt regelmäßig nach gucken, ob sein Volk auch glücklich genug ist…

Pema ergreift einen Knauf der mannshohen Gebetsmühle und zieht daran, so dass die knallrote Trommel in eine Rotation gerät. Die 28-jährige Bhutanerin umrundet sie im Uhrzeigersinn und betrachtet dabei die buddhistischen Zeichen, die in goldenen Lettern darauf prangen. Dann zeigt sie hinauf in die Berge und sagt: »Ich pilgere zum Tigernest-Kloster. Für uns Buddhisten ist es der heiligste Ort. Und die Lage ist einfach traumhaft!« Tatsächlich thront Taktshang Lakhang auf über 3.000 Metern Höhe in den Bergen des Himalajas – wie an die Felswand geklebt. Wer es besuchen will, muss wandern. Wir kraxeln drei Stunden durch den Wald eine Piste hinauf, rechts der Fels, links der Abgrund. Vorbei geht‘s an der einen oder anderen Gebetsmühle und an manchem atemberaubenden Aussichtspunkt. Höhengeplagte verschnaufen auf halber Strecke an einer Cafeteria. Ansonsten gibt es nichts als Natur. Pinienwald bedeckt die Berge mit einem grünen Schleier. Moose hängen wie Lametta von den Zweigen, zwischen den Stämmen wehen Gebetsfahnen. Himmelblaue Schmetterlinge flattern durch die Luft, manchmal krächzt ein Gelbschnabelkitta. »Der Name Tigernest entstammt einer Legende«, erzählt Pema. »Guru Rinpoche soll vor rund einem Jahrtausend auf dem Rücken eines Tigers dorthin gelangt sein, um zu meditieren. Damals gab es nur ein paar Höhlen. Unglaublich, wie man dann vor mehr als 300 Jahren in solcher Lage ein Kloster bauen konnte«, Pema zupft ihr knöchellanges Wickelkleid, die Kira-Tracht, zurecht und setzt den Weg fort.

Das Königreich Bhutan, das seine Tore dem Tourismus vor 40 Jahren öffnete, verbindet auf vorbildliche Weise Natur und Tradition. Noch immer besteht das Land, das nur etwas größer ist als Baden- Württemberg, zu 85 Prozent aus Wald. Zehn Nationalparks und Naturschutzgebiete geben Berggazellen, Languren, Wildbären und dem Nationaltier Takin, einer Gnuziege, Schutz. Dazu laden unzählige buddhistische Klöster und Festungen zum Träumen ein. Als Prinz Tenzin Rabgye das Tigernest- Kloster im 17. Jh. vor die heiligen Höhlen bauen ließ, schuf er eine der faszinierendsten Klosteranlagen der Welt.

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