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Eine typische Szene in Monti, im Hintergrund die Kuppel der Kirche Santa Maria Maggiore

Eine typische Szene in Monti, im Hintergrund die Kuppel der Kirche Santa Maria Maggiore

CITYGUIDE ROM

Die ewige Stadt macht sich jugendlich

Das Kolosseum frisch geputzt, Trevi-Brunnen und Spanische Treppe restauriert – Rom macht sich schön für seine Bürger und die Gäste, die jedes Jahr in Scharen kommen. Höchste Zeit, der Città Eterna mal wieder einen Besuch abzustatten.

Vielleicht sollte man die Treppe nachts schließen, damit nicht wieder die Vandalen einfallen!«, sagt eine edel gekleidete, schon etwas ältere römische Signora zu ihrer kaum weniger nobel ausgestatteten Freundin beim Anblick der gerade wieder eröffneten und herrlich strahlenden Scalinata di Spagna. Roms weltberühmte Spanische Treppe – Treffpunkt der Jugend dieser Welt, und nicht selten auch Ort des ausgelassenen Fei-erns, wobei der ein oder andere historische Stein schon unaufhaltsam ins Bröckeln geriet. Ein Wahrzeichen müsse aber leben, entgegnet die andere, und zur Not eben auch mal etwas aushalten, wir wohnen ja schließlich nicht in einem Museum.

Bewahren oder erneuern scheint das ewige Spannungsfeld zu sein, in dem Rom sich befindet. Von der Città Eterna hieß es ja immer, sie sei unbeweglich, gar rückwärtsgewandt und alles andere als innovativ. Das römische Centro storico mag vielen wie ein bestens besuchtes Freilichtmuseum vorkommen, durch das sich alljährlich an die 20 Millionen Menschen drängen. Denn ohne einen Blick auf die strahlenden Wahrzeichen – Kolosseum und Forum, Pantheon und Piazza Navona, Trevibrunnen und eben Spanische Treppe – ist eine Romreise in der Tat unvollständig.

Doch die Stadt ist mehr als nur Altstadt und Trastevere, Vatikan und Via dei Condotti. Natürlich lieben auch die Römer ihre Traditionsadressen, gehen auf einen Caffè ins »Tazza d'Oro« am Pantheon (Via degli Orfani 84) oder holen sich ein Gelato im berühmten »Giolitti« am Parlament (Via degli Uffici del Vicario 40). Aber eben nicht nur. Heute verbringt man die gemeinsame Mittagspause nicht mehr nur beim 3-Gänge- Menü, sondern auch beim vegetarischen Buffet z. B. im »Il Margutta« (Via Margutta 118). Und Rom dehnt sich aus, raus aus der Altstadt: Um die Via Ostiense im Süden hat sich ein sehenswertes Zentrum der Street Art gebildet, haben Künstler wie z. B. Blu, Sten Lex, Gaia und Roa großflächige Werke geschaffen (TIPP die englischsprachige App Streetart Roma mit Standorten); ganz normale Wohnviertel beherbergen heute moderne Museen mit teils Aufsehen erregender Architektur. Kurzum: Das Spannungsfeld von Alt und Neu beflügelt die Ewige Stadt.


Monti – Streifzug durch das älteste Stadtviertel

Wenn im Frühling die ersten warmen Abende zum Draußensitzen animieren, gibt es kaum einen schöneren Ort als den Piazza della Madonna dei Monti. Scharen von – überwiegend jungen – Leuten sitzen dann auf den Treppen des Brunnens auf dem Piazza, essen das erste Gelato des Jahres oder genießen im Café am Platz einen Aperitivo. Ums Eck weist die Straßenflucht direkt aufs Kolosseum, das von hier aber gefühlt Lichtjahre entfernt scheint. Monti – das Gebiet an den antiken Hügeln (daher auch der Name) Esquilin, Viminal und Quirinal, war 2000 Jahre lang ein volkstümliches Viertel, seit etwa einem Jahrzehnt erlebt die Gegend zwischen Via Nazionale und Kolosseum einen enormen Aufschwung. Angesagte Modeläden findet man z. B. in der Via del Boschetto, Lokale eröffnen quasi im Monatstakt, zuletzt in der malerischen Via della Madonna dei Monti und in der Via Urbana (hier auch die Metrostation).

TIPP Auf ein Glas Wein und Häppchen geht man am besten in die Enoteca »Ai 3 Scalini« in dem efeubewachsenen Haus in der Via Panisperna 251. Eine verlässliche Adresse für beste römische Küche ist die Trattoria »Asino d'Oro« in der Via del Boschetto 73 (mittags tägl. wechselndes 2-Gänge-Menü für € 16).

Testaccio - Nightlife im Ex-Schlachthofviertel

Tagsüber wirkt das alte Arbeiterviertel mit seinen graubraunen Mietskasernen überaus ruhig, fast ein wenig verschlafen und erst auf den zweiten Blick anziehend. Wenn man beispielsweise am beschaulichen Piazza Testaccio auf einer Parkbank dem nachbarschaftlichen Treiben beiwohnen kann. Oder der kleine Hunger in den Nuovo Mercato di Testaccio lockt, in die lichtdurchflutete neue Markthalle mit ihrem wunderbaren kulinarischen Angebot (z. B. die Panini bei Mordi & Vai, Box 15). Das »Caffè Linari« gegenüber der Kirche S. Maria Liberatrice ist eine Institution: Cappuccino und Cornetto zum Frühstück, Snacks zum Mittag (€ 8). Am Abend bietet das Viertel um den längst stillgelegten und zum zeitgenössischen Museum umfunktionierten Schlachthof ein völlig anderes Bild. Dann kurven unzählige Smarts auf Parkplatzsuche durch die Straßen, steht man bestens gestylt Schlange vor der angesagten Pizzeria oder der besten Trattoria. Eines der besten Lokale in Testaccio ist das »Bucatino«, hier sollten Sie unbedingt die römischen Klassiker probieren (z. B. das Pastagericht Bucatini alla Amatriciana für € 10, Via Luca della Robbia 84).

Nach dem Essen geht es dann zum Monte Testaccio, dem antiken Scherbenhaufen: Hier, wo einst die alten Römer ihre kaputten Amphoren entsorgten, schlagen sich heute die jungen Römer die Nächte um die Ohren, in den vielen Bars, Clubs und Discos, die in den »Berg« gegraben wurden. Z. B. im »Charro Café« (Via del Monte Testaccio 73), in der traditionsreichen Diskothek »L'Alibi« (Via di Monte Testaccio 40-47, etwas gesetzter mit strengerem Türsteher) oder in der jungen »Coyote Bar« (Via di Monte Testaccio 48b). Vor 23:30 Uhr ist in der Kneipenszene allerdings kaum was los.

San Lorenzo - Kreuzberg in Rom

Am Piazza dei Sanniti im Zentrum des traditionellen Arbeiterviertels San Lorenzo kann man schon mal in eine Podiumsdiskussion mit eilig zusammengerückten Sofas und Bierbänken hineingeraten – das Viertel ist heute studentisch, jung, links und kreativ. Teure Restaurants lassen sich hier an einer Hand abzählen, und auch Touristen sieht man kaum. Dafür umso mehr nette kleine Lokale, einfache Geschäfte und Graffiti – ein wenig Kreuzberg in Rom. Und natürlich ist am Abend in dem Viertel zwischen Bahngleisen, Uni, Roms größtem Friedhof Cimitero Verano und der Stadtautobahn mehr geboten als tagsüber. Wer dennoch am Tag kommt: Die Chiesa San Lorenzo fuori le Mura stammt aus dem 4. Jahrhundert und ist eine der schönsten Kirchen Roms.

In San Lorenzo gibt es noch traditionelle schlichte Restaurants und preiswerte Pizzerien.

TIPP Sehr gute Pizza zu günstigen Preisen, Essen und Hauswein um € 15, bekommt man in der nur abends geöffneten »Pizzeria Formula Uno« (Via degli Equi 11/13). Das »Tram Tram« (hier fährt selbige vorbei) serviert römische Traditionsküche in familiärem Ambiente (z. B. Rigatoni con la pajata – Nudeln mit Innereien – für € 12; Via dei Reti 44, www.tramtram.it).

Tipp – Raus aus der Stadt – die schönsten Ziele rundum

VIA APPIA ANTICA Alle Wege führen nach Rom – und der vielleicht schönste von allen auch hinaus. Am besten ein Fahrrad mieten und auf dem antiken Straßenbelag im Grünen stadtauswärts radeln, dabei rechts und links antike Ausgrabungen und die berühmten Katakomben passieren (Bus Nr. 118 ab Kolosseum bis Haltestelle Domine Quo Vadis, Fahrradverleih beim Info-Point, MTB € 3/Std., 0039-06-5135316).

OSTIA ANTICADie antike Hafenstadt mit einst 80.000 Einwohnern ist heute ein grüner Archäologiepark rund 25 km südwestlich vom Zentrum. Hinkommen: Metro B bis Piramide, ab der Stazione Porta San Paolo nebenan mit der S-Bahn bis Station Ostia Antica (Ticket € 1,50). Di–So 8:30–19:15 Uhr (im Winter nur bis 16:30/17:30 Uhr). Eintritt € 8. Viale dei Romganoli 717, www.ostiaantica.beniculturali.it.

E.U.R. Rom mal ganz anders: Ursprünglich für die Esposizione Universale Romana, die Weltausstellung von 1942, geplant (die aber nie stattfand), baute man die monumentalfaschistische Architekturretorte im Süden Roms nach 1945 dennoch zu Ende. Heute ist E.U.R. ein florierendes Business-Viertel mit See und Park, Bars und Restaurants; Nobel- Couturier Fendi hat jüngst erst seinen Firmensitz in den wuchtigen Palazzo della Civiltà Italiana verlegt (Metro B bis Palasport).

Die Top 10 in zweiter Reihe

Schon mal in Rom gewesen und die »Standards« abgearbeitet? Dann haben wir ein paar Ideen für neue Entdeckungen. Die Museen sind in der Regel montags geschlossen.

1. MUSEO CENTALE MONTEMARTINI Die Zweigstelle der weltberühmten Kapitolinischen Museen zeigt den spannenden Kontrast zwischen antiken Skulpturen und der Maschinerie eines stillgelegten Elektrizitätswerkes. Eintritt € 7,50. Via Ostiense 106, www.centralemontemartini.org.

2. VILLA DORIA PAMPHILJ Roms größter und schönster Park liegt oberhalb des Zentrums nur ein Stück hinter dem Gianicolo- Hügel. Ein wunderbarer Ort zum Spazieren und Joggen, im Café »Vivi Bistrot« kann man sich auch einen Picknickkorb packen lassen (€ 50 für zwei Personen, Via Vitellia 102, www.vivibistrot.com). Zentrumsnächster Eingang: Porta San Pancrazio.

3. MAXXI Die jüngst verstorbene Architektin Zaha Hadid hat Rom mit diesem Museum ein Denkmal gesetzt. Mitten im schicken Wohnviertel Flaminio erhebt sich ihr spektakulärer Betonbau, drinnen überraschen wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Eintritt € 12. Via Guido Reni 4A, www.fonda zionemaxxi.it.

4. VILLA GIULIA Das Etruskische Nationalmuseum unweit der Villa Borghese ist kaum besucht, dabei wurde hier eine der eindrucksvollsten Sammlungen etruskischer Kunst zusammengetragen. Eintritt € 8. Piazzale Villa Giulia 9, www.villagiulia.beniculturali.it.

5. SANTA CECILIA Die Kirche in einer wenig beachteten Ecke von Trastevere stammt aus dem 9. Jh. und birgt eine wunderschöne Barockskulptur: die der Märtyrerin Cecilia. Auch Ausgrabungen unter der Kirche. Tägl. 10–13 und 16–19 Uhr geöffnet.

6. DIE PASSETTO-TOUR Rom aus einer anderen Perspektive: Man spaziert auf dem etwa 800 m langen Passetto di Borgo, der im 13. Jh. als Fluchtweg für Päpste errichteten Verbindungsmauer zwischen Engelsburg und Petersplatz – inklusive Abstecher zu den Kerkern. Von April–November gibt es 2x tägl. englischsprachige Führungen (11 und 16 Uhr) für € 5/Pers., dazu kommen € 10 Eintritt für die Engelsburg, www.castelsantangelo.beni culturali.it.

7. MACRO In der alten Peroni-Brauerei im an sich wenig spektakulären Viertel Salario/ Nomentana liegt dieses spektakuläre Museum für zeitgenössische Kunst. Mit Café, Restaurant, Bookshop. Eintritt € 11. Via Nizza 138, www.museomacro.org.

8. CASA DE CHIRICO Lange Jahre lebte der Maler Giorgio De Chirico (1888–1978) am Piazza di Spagna. Zu besichtigen sind seine Wohn- und Atelierräume im vierten und fünften Stock – unverändert wie zu Lebzeiten und mit jeder Menge Werken des Meisters. Di–Sa 10-12 Uhr stündlich Führungen (oblig. Anmeldung), € 7. Piazza di Spagna 31, www.fon dazionedechirico.org.

9. PALAZZO BARBERINI Ein Museum von Weltrang – und nur mäßig besucht. Ums Eck vom Piazza Barberini warten hier Raffael, Bernini, Hans Holbein, El Greco, Guercino und natürlich Caravaggio auf Bewunderer. Eintritt € 7. Via delle Quattro Fontane 13, www.galleriabarberini.beniculturali.it.

10. SCIASCIA CAFFÉ Caffè-Bars gibt es in Rom wie Sand am Meer, aber dieses ungemein stimmungsvolle Traditionscafé von 1919 ist doch einen kleinen Umweg wert. Keine 10 Fußminuten vom Vatikan. Raffinierte Kaffeespezialitäten, z. B. Cappuccino con Cioccolata für € 1,50. Via Fabio Massimo 80a.

Autorin: Sabine Becht, REISE & PREISE 1-2017

Den vollständigen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 1-2017. Mit vielen praktischen Infos, tollen Fotos und detaillierten Preisangaben für die Reiseplanung.

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