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Die Fluggesellschaften rüsten zunehmend ihre Kabinen mit einer vierten Sitzplatzklasse aus

Die Fluggesellschaften rüsten zunehmend ihre Kabinen mit einer vierten Sitzplatzklasse aus

Foto: Air France

Test Premium Economy

Logenplatz für die langen Passagiere

Klar: Jeder will so günstig wie möglich fliegen. Aber spätestens auf einer zwölfstündigen Langstrecke lernt man doch ein paar Zentimeter Beinfreiheit zusätzlich zu schätzen, selbst wenn die ein paar Euro mehr kosten.

Jetzt also auch die Lufthansa. 2014 wird die Kranich-Airline Premium-Economy-Sitze in alle ihre Langstreckenjets einbauen, mit mehr Platz und mehr Neigung. Damit folgt Lufthansa einem Trend: Knapp 30 Airlines locken mittlerweile mit einer Zwischenklasse zwischen Economy und Business – Tendenz steigend. Zum Hintergrund: Viele Dienstreisende dürfen nicht mehr Business fliegen, deshalb läuft die Neue als Teil der Economy-Klasse. Genannt wird sie z. B. Premium Economy, Economy Plus, Deluxe Ecomomy oder auch Comfort Zone.

Die Namen klingen ähnlich, das Angebot ist aber sehr unterschiedlich. Mal stecken dahinter wirklich eigene Kabinenklassen mit großzügigem Sitzabstand wie die »Premium Economy« von Air France, ein andermal sind gerade mal die vordersten Sitzreihen der Eco ein paar Zentimeter weiter auseinander montiert wie bei den US-Airlines und bei KLMs »Economy Comfort Zone«. So verschieden wie die Leistung ist auch der Mehrpreis. Zwischen € 100 und 2.000 Aufschlag auf den Eco-Preis ist alles drin. Was ist sein Geld wert? REISE & PREISE hat Sitzplatzabstand, Sitzbreite und Mehrpreis verglichen.

Zehn Zentimeter mehr für 60 Euro

Der große Vergleich auf der Startseite zeigt: Schon für € 60 mehr kann man zehn Zentimeter mehr Fußraum kaufen. Möglich macht es z. B. KLM oneway auf Flugstrecken bis zu neun Stunden Flugzeit oder return innerhalb Europas. 89 cm sind allerdings die Untergrenze von Premium Eco, einzelne Airlines wie Oman Airund Asiana schrauben ja bereits in der gewöhnlichen Eco ihre Sitze mit bis zu 87 cm Abstand ein.

Die meisten Angebote liegen denn auch bei 94–97 cm Sitzabstand. 94 cm gibt es besonders günstig bei United, in unserem Beispielflug von Frankfurt nach Chicago und zurück für € 167 Mehrpreis. Um diese Leistung zu bekommen, heißt es allerdings genau hinzusehen: Allein auf der genannten Strecke setzt United drei Flugzeugtypen ein. Die Boeing 777-200 und die Boeing 747-400 bieten in der Economy Plus nur 86 cm. Wer eine Boeing 757-200 erwischt, kann seine Beine auf 91 cm ausstrecken, in der Boeing 747-200 V4 sind es dann die genannten 94 cm.

Noch zehn Zentimeter mehr durch Umsteigen

Preis und Leistung variieren also nicht nur zwischen den Airlines, sondern auch bei ein und derselben ganz erheblich. Da hilft im Zweifelsfall nur nachfragen. Zum anderen: Oft bringen Umsteigeverbindungen übers Ausland noch zusätzliche Beinfreiheit. Japan Airlines z. B. bietet aktuell zwei unterschiedliche Premium-Economy- Produkte an: Ab Frankfurt wird die Boeing 77N mit 79 cm schmalen Economysitzen und in der »Premium Economy« sogenannten Sky - Shell-Schalensitzen mit 97 cm Abstand eingesetzt. Wer darin Platz nehmen will, der zahlt nach Tokio und zurück fast € 1.400 mehr als zum Minimaltarif. Wer allerdings pokert und erst am Flughafen standby sein Upgrade kauft, der bekommt es bei Verfügbarkeit oneway für nur € 250. Noch komplizierter, aber lohnend wird es, wenn man (mit BA-Anschlussflug) über London fliegt: Ab dort wird die neue Boeing 77W eingesetzt, die schon in der Eco 84–86 cm Platz bietet und in der »Sky Premium« komfortable 107 cm, der Mehrpreis am Flughafen: vergleichsweise moderate € 348.

Noch mehr Platz bietet Air New Zealand mit ihrer »Pacific Premium Economy«: Die zwischen London via L.A. und Neuseeland eingesetzten Boeing 777-300 bieten offiziell 107 cm Sitzabstand – da man in sogenannten Space Seats schräg zur Flugrichtung sitzt, fallen Beinfreiheit und Lehnenneigung noch mal etwas großzügiger aus. Da kann sich der Mehrpreis (um € 600 oneway) dann schon lohnen.

Ohne Space Seat, aber mit einem phänomenalen Sitzabstand von 116 cm noch interessanter dürfte die »Comfort Class« von Turkish Airlines sein. Zumal der Mehrpreis (z. B. € 375 nach Hongkong und zurück) ein echter Knaller ist. Wermutstropfen: In den großzügigen »Comfort- Class«-Sitzen räkeln darf man sich erst ab Istanbul. Bis dahin geht es ganz profan mit der einfachen Economy.

Kaum Angebote auf Europastrecken

Für zwei oder drei Stunden Flug investieren aber auch die wenigsten Urlauber in zusätzlichen Sitzabstand. Entsprechend dünn ist das Angebot an Premium-Economy-Klassen innerhalb Europas. Bei Condor gibt es für Premium-Passagiere nur einen freien Mittelsitz und dazu Gimmicks wie Premiummenü und kostenfreie Sitzplatzreservierung. Die Premium Economy von TUIfly ist fußraummäßig sogar eine Mogelpackung: Da sitzt man für € 60 mehr pro Strecke einfach in den vorderen vier Reihen. Der Gewinn: mit freiem Mittelplatz. Dazu gibt es ein sogenanntes Gourmetmenü und kostenlose Kopfhörer – sonst nichts. Aus diesem Grund ist die TUI-Airline in der REISE & PREISE-Übersicht auch gar nicht aufgeführt.

Auch wichtig: Sitzbreite und Lehnenneigung

Wer wirklich bequem fliegen will, für den ist auch die Sitzbreite wichtig – vor allem, wenn man selbst nicht allzu schmal gebaut ist. Hier punkten Air Austral, Air Canada und Alitalia, die z. T. zu Mehrpreisen von unter € 300 oneway auf ihren Fernstrecken Edel-Eco-Sitze mit 51 cm Breite anbieten. Die britische Virgin Atlantic schafft sogar 53 cm – das ist Rekord.

Mindestens ebenso spannend wäre ein dritter Vergleichswert: die Lehnenneigung, englisch Recline. Allerdings lassen sich die Angaben der Sitzhersteller kaum vergleichen – mal werden Grad, dann wieder cm oder Inches genannt. Eine Umrechnung ist kaum möglich, in unserer Übersicht sind deshalb nur die (aussagekräftigeren) Werte in Grad aufgeführt: Ein Sitz in aufrechter Position hat rund 15° Neigung nach hinten, das ergibt als Ausgangswert 105°. Maximal erreichten Sitze in unserem Vergleich 135°, das ist genau die Hälfte zwischen senkrecht und waagrecht.

Top-Werte bieten im aktuellen Vergleich Air New Zealand mit bis zu 136° und die polnische LOT (132°). Einige Airlines (Air New Zealand, SAS, Turkish Airlines) verbauen heute übrigens Sitze, die beim Zurücklehnen die Sitzfläche gleichzeitig nach vorn schieben (Swingtype, ausführlich vorgestellt in R&P 2/2012). Dem gleichen Ziel dienen auch die festen Rückenschalen, wie sie Japan Airlines anbietet. Das ist wenigstens mal eine Innovation, die einem auch als Hintermann zugutekommt.

Günstige Alternative: XL-Sitze buchen

Fazit: Die Premium-Economy ist im Kommen. Manche Anbieter haben für sie bereits ein Drittel der Economy-Sitze ausgebaut. Doch der Trend ist nicht einheitlich. Wichtige Anbieter wie Air Berlin und Emirates kommen weiter ohne sie aus. Singapore Airlines hat ebenfalls keine, wohl aber »bevorzugte Sitzplätze«, also XL-Seats gegen Mehrpreis. Die sind überhaupt eine Alternative für alle, denen es aufs Drumherum wie Porzellanteller nicht so ankommt. Preislich attraktiver ist der Platz am Notausgang nämlich allemal. Und gegen die Zugluft lässt man sich halt eine Decke geben.

Tipps für für die Super-Eco

Sparen durch Sector Upgrade. Air New Zealand verkauft auch Teilstrecken, z. B. London–Los Angeles bzw. Los Angeles–Auckland. Der Mehrpreis beträgt ab € 315.

Standby-Upgrade bei Verfügbarkeit: Erst am Flughafen upzugraden ist oft deutlich günstiger. Beispiel Japan Airlines: dort zahlt man dann nur noch € 250 statt € 700 auf (oneway). Einfach am Check-in fragen!

Die Mehrgepäck-Falle: Viele Premium-Economy-Tarife bieten mehr Freigepäck. Doch Vorsicht: Wer auch Economy-Strecken im Routing hat, dem nützt das meist nichts, weil hier die niedrigere Gepäckregel gilt.

Bei KLM muss man zunächst Eco buchen und dann über die Homepage (»Meine Buchungen«) die »Comfort Zone« ergänzen. Der Mehrpreis beträgt oneway € 60 auf der Langstrecke für Flüge unter neun Stunden, € 160 für Flüge über 9 Stunden sowie € 20–30 für Europaflüge. Ob überhaupt ein Platz frei ist, lässt sich telefonisch bei der Reservierungszentrale klären.

Bei United kann »Economy Plus« nach Ticketausstellung über www.united.com gebucht werden. Dazu muss man die Buchung aufrufen und den jeweiligen Sitzplan auswählen. Silberstatus-Mitglieder haben kostenlosen Zugang zu Economy-Plus-Sitzplätzen (falls verfügbar) für sich und einen Begleiter beim Check-in, Goldstatusmitglieder bei Buchung.

Kaum eine Airline hat Premium Economy (PE) in der gesamten Flotte einheitlich umgesetzt. Z.B. bei ANA gibt es PE (noch) nicht im Dreamliner. Noch komplizierter ist es bei Cathay Pacific. Die Airline leistet sich selbst bei der Boeing 777-300E drei Varianten: eine mit allen vier Klassen, eine ohne First Class und eine ohne PE.

(REISE & PREISE 3-2013)
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