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Alpensia ist eine kleine Skistation, die Austragungsort der Langlauf-, Biathlon- und Skisprungwettbewerbe ist

Alpensia ist eine kleine Skistation, die Austragungsort der Langlauf-, Biathlon- und Skisprungwettbewerbe ist

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Südkorea

Kimchi, Klöster und Kunstschnee

Im Februar 2018 finden in der südkoreanischen Stadt Pyeongchang die Olympischen Winterspiele statt. REISE & PREISE hat sich in der Kleinstadt zwischen den zerklüfteten Ketten des Taebaek-Gebirges umgeschaut.

War's das schon? Auf der Fahrt zum Gariwangsan, auf dessen Hängen am 11. Februar 2018 mit der Herrenabfahrt die Königsdisziplin der Olympischen Winterspiele über die Bühne geht, ging es soeben durch Pyeongchang. Anders als Sotchi, Vancouver und Turin – Austragungsort der letzten drei Winterspiele – ist die Stadt im Tal des Namhangang-Flusses keine Millionenmetropole sondern ein unscheinbarer, nicht ein mal 10.000 Einwohner zählender Flecken zwischen den zerklüfteten Ketten des Taebaek-Gebirges.

Aber Pyeongchang ist Namensgeber für die Region, die als Wiege des Wintersports in Südkorea gilt. Mit Yongpyong (was so viel wie Drachental heißt) eröffnete hier ganz im Nordosten des Landes 1975 das erste Skigebiet auf der geteilten koreanischen Halbinsel. Heute gibt es im ganzen Land rund 20 Wintersportzentren. Als jüngstes erschloss man für Olympia am Mount Gariwang das Skigebiet Jeongseon. Kurz hinter Pyeongchang rückt es ins Blickfeld.
 
Eine brandneue Gondelbahn führt bis auf einen 1.370 Meter hohen Vorgipfel. Von dort fällt der Blick über zahllos bis zum Horizont gestaffelte, dicht bewaldete Hügelketten, die so steil und scharfzackig aus dunstverschleierten Tälern aufragen, als buhlten sie gegeneinander um die Aufmerksamkeit des Betrachters. Sibirische Tiger streiften einst durch diese immer noch magisch anmutende Landschaft, doch heute existiert die größte Raubkatze der Welt in Korea nur noch als Olympiamaskottchen. Das niedliche Konterfei des weißen Tigers Soohorang prangt auch auf der Bergstation der Achtergondelbahn.
 
Die hätte nach den Vorstellungen der Olympiamacher um die Schweizer Streckendesigner-Legende Bernhard Russi eigentlich noch 200 Meter höher stehen sollen. Der Zugriff auf die Spitze des Gariwang bliebt verwehrt, denn dort breitet sich einer der letzten Birkenurwälder Koreas aus und Naturschützer liefen Sturm gegen die geplanten Rodungen. Trotz der Verlegung der Abfahrtsstrecke fielen immer noch 58.000 bis zu 500 Jahre alte Wangsasrebäume, eine seltene Birkenart, den Kettensägen zum Opfer. Ein hoher Preis für eine zweiwöchige Veranstaltung.
 
Zudem ist unklar, was nach den Spielen mit den Liften und Pisten passiert. »Eigentlich wurden die Baumaßnahmen unter der Auflage genehmigt, nach Olympia sämtliche Infrastrukturen wieder rückzubauen und das Areal zu renaturieren«, erläutert Kookjae Yim, der sich beim Organisationskomitee um die Sportstätten kümmert und den nach seinem Studium an der Deutschen Sporthochschule eigentlich alle Jacob nennen. Inzwischen hat man die Kosten des Rückbaus kalkuliert und würde die Anlagen nun doch lieber an einen privaten Investor veräußern, der sie als öffentliches Skigebiet betreibt. Kein feiner Zug – findet auch Jacob.
 
Das ist schon eher der neue Hochgeschwindigkeitszug KTX. Der bringt Besucher vom internationalen Flughafen Incheon via Seoul innerhalb einer Stunde mit einer Geschwindigkeit von 305 Stundenkilometern zur Station Jinbu. Die liegt 25 Kilometer von Jeongseon entfernt und von dort aus fahren Shuttlebusse ins Epizentrum der Spiele von Pyeongchang: Nach nur 13 Kilometern ist man in Alpensia. 
 
Gleich hinter dem Hügel mit dem Eiskanal liegen die Hotels und Ferienhäuser von Yongpyong. Per Gondelbahn geht es von dort aus auf den Drachenberg, auf dem die Riesenslalom- und Slalomrennen starten. Die Hänge auf der Rückseite des Berges, der als spitzer Kegel aus der umliegenden Landschaft aufragt, zählen zum Besten, was man in Korea unter die Bretter nehmen kann: breit trassiert, rasant geneigt und herrlich aussichtsreich. Eine Sesselbahn bedient die vier schwarz markierten Abfahrten. Bei der Einfahrt in die Bergstation verneigt sich das Liftpersonal vor den Gästen.
 
Im Dragon House Restaurant, das wie eine Burg auf dem Gipfel thront und koreanische Spezialitäten wie Nudelsuppe, aber auch Waffeln und Scones auftischt, sind Wintersportler in der Minderzahl. Der Berg ist Pilgerstätte für Fans der koreanischen Fernsehserie Winter Sonata, die als Auslöser der koreanischen Welle galt und K-Pop in ganz Asien und darüber hinaus populär machte. Kang Joon-sang und Jeong Yoo-jin, das Paar, um dessen Liebe sich in der Winter-Sonata alles dreht, steht draußen auf der Terrasse vor dem großartigen Panorama für Selfies bereit – als Pappkameraden.
 
Bei der Abfahrt zurück ins Tal, mit fünf Kilometern die längste Koreas und daher ebenfalls ziemlich populär, fällt auf, dass die Topografie des Taebaek-Gebirges eigentlich nicht so recht für die Anlage von Skipisten geeignet ist. Man hat dem Berg die Trasse mittels Dynamit und Bulldozern abgerungen. Auch das Klima ist kein perfekter Verbündeter der Wintersportler. Es ist zwischen Dezember und Februar zwar kalt, aber ziemlich trocken. Demzufolge sind sämtliche Pisten von Yongpyeong mit Schneekanonen ausgestattet – und sämtliche Pisten aller anderen koreanischen Skigebiete ebenfalls.
 
Wem nach so viel Retorte der Sinn nach etwas Authentizität steht, der findet sie im nahe gelegenen Woljeongsa. In einem stillen Tal im Odaesan Nationalpark steht hier der 643 gegründete Woljeong-Tempel. Heute ist das beeindruckende Ensemble mit seinen kunstvoll verzierten Pagoden einer der Haupttempel des Jogye-Ordens, dessen Mönche die Besucher dazu einladen, mit ihnen in einem meditativen Ritual eine Yeum Ju zu fertigen – eine Kette aus 108 Holzkugeln. Zu etwas ganz besonderem macht diesen Tempel die Jeokmyeol Bogung, die Relikte Buddhas bergen soll.
 
Auf der Fahrt von Yongpyong nach Woljeongsa passiert man nicht nur das olympische Dorf und das fünfeckige Olympiastadion sondern auch eine Menge Whang Tae. Das ist Schellfisch, der im Winter zum Trocknen an Drähten hängt, die zwischen Pflöcken über die Felder gespannt sind. Probieren kann man diese Spezialität in Hoenggye, dem Dorf hinter dem Olympiastadion, das wohl der koreanischen Variante eines gewachsenen Skiortes am nächsten kommt. Gefühlt besteht Hoenggye nur aus Restaurants und Skishops. Und vor allem ersteres ist gut so, denn es bedeutet reichlich Gelegenheit, auch für westliche Zungen schmackhafte Gerichte der landestypischen Küche zu kosten – und derer gibt es viele.
 
Allen voran natürlich das Nationalgericht Bibimbap, das mit Gerste, Reis und unterschiedlichen Gemüsesorten, Rindfleisch, Ei und der Chilipaste Gochujang zubereitet wird. Auf keinen Fall entgehen lassen sollte man sich Bulgogi. Für das "Feuerfleisch" wird bestes, marmoriertes Rinderfilet am Tisch über offenem Feuer gegrillt, auf ein Salatblatt gelegt, mit Sojasauce, Kimchi (scharf eingelegter Kohl), Knoblauch oder anderen Zutaten eingerollt und als komplettes Bündel in den Mund geschoben. Dazu gibt es Lotusblumenwurzel, eingelegten Bergsalat, köstlichen Glockenblumensalat, Spinat mit Salz und Sesam und Seetang.
Die Koreaner spülen das alles gerne mit Soju hinunter. Das ist verdünnter Reisschnaps, der aber immer noch 19 Prozent Alkohol innehat und mit nicht einmal 80 Cent für die 0,36 Liter-Flasche einen recht preiswerten Rausch ermöglicht. Ob auch die Winterspiele von Pyeongchang einen Rausch heraufbeschwören werden, wird sich zeigen. Bei manch erfolgreichen Athleten und Athletinnen mit Sicherheit. Preiswert wäre dann allerdings das falsche Etikett. Dafür haben auch diese Spiele mal wieder zu viel gekostet, nämlich zu viel Geld, zu viele Bäume, zu viel Landschaft.
 
Weitere Informationen: Koreanische Zentrale für Tourismus (KTO), E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Internet: www.visitkorea.or.kr
 
Skigebiet: Yongpyong bietet 14 Liftanlagen und 26 km Abfahrten zwischen 750 und 1458 Meter Seehöhe. Die Tageskarte kostet 76.000 Won (ca. 58 Euro). Skiausrüstung leiht man für 33.000 Won/Tag, Bekleidung für 25.000 Won/Tag, Info unter www.yongpyong.co.kr
 
Unterkunft: Rund um die Austragungsorte sind die Hotels durch Funktionäre geblockt. Alternativ kann man in Seoul logieren und mit dem KTX zu den Veranstaltungen fahren. Etwa eine Stunde von Yongpyong entfernt liegt Wonju, das hunderte Motels bietet, in denen man schon für 40 bis 50 Euro pro Zimmer übernachten kann.
 
Anreise: Korean Air fliegt täglich von Frankfurt nach Seoul zum Flughafen Incheon, www.koreanair.com 
 
(08.12.2017, srt)
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