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Naturparadies Costa Rica

Fast ein Drittel des Landes steht unter Naturschutz

Naturparadies Costa Rica

Grüner Vorreiter in Sachen Ökotourismus

Auf der Halbinsel Osa profitiert die Gemeinschaft vom nachhaltigen Tourismus im Corcovado Nationalpark.

Wenn Ökotourismus bedeutet, dass alles schön grün ist, dann hätte Costa Rica den ersten Platz schon sicher. Das mittelamerikanische Land zwischen karibischem Meer und Pazifik punktet mit ausgedehnten Regenwäldern, in denen sich Affen, Papageien und Faultiere tummeln. Doch zu einem nachhaltigen Tourismuskonzept gehört mehr.

Costa Rica ging schon immer eigene Wege. Das beweist der Umstand, dass sich die kleine Republik zwischen Mexiko und Panama seit 1948 keine Armee mehr leistet. Der Staat investierte lieber in Infrastruktur, Ausbildung und in nachhaltigen Tourismus. Bereits seit 1997 gibt es mit dem CST (Certificado para la Sostenibilidad Turística) ein Zertifikat, das als Gradmesser für Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit im Umgang mit natürlichen, kulturellen und sozialen Ressourcen dient.

Fast ein Drittel des Landes steht unter Naturschutz
Naturschutzgebiete und Nationalparks umfassen mittlerweile stattliche 27 Prozent des Staatsgebietes. Zu den bekanntesten gehören der Tortuguero-Nationalpark im Nordosten, in dem verschiedene Schildkrötenarten ihre Eier ablegen, der Nationalpark rund um den Vulkan Arenal und der tierreiche Nationalpark Manuel Antonio an der Westküste. Auf einer Fläche so groß wie Niedersachsen vereint Costa Rica fünf Prozent der weltweiten Artenvielfalt. Natürlich sind Nationalparks löblich - aber was haben die Einheimischen davon? Diese Frage stellte sich das Projekt »Caminas de Osa« auf der Halbinsel Osa im Südwesten Costa Ricas. Der für seine Pumas, Jaguare und Tapire bekannte Corcovado-Nationalpark zieht pro Jahr 30000 Besucher an. Einige von ihnen sollen auch die umliegenden Gemeinden kennenlernen. Unter dem Motto »Wege von Osa« führen mehrtägige Wanderrouten zu Zuckerrohrbauern, Goldwäschern und indigenen Familien, mehr als 45 Projekte können besucht werden. »Das Geld fließt der Gemeinschaft zu, alle profitieren«, ist Projektleiterin Julieta Chan Blanco überzeugt.

Zielgruppe sind Aktivurlauber und Naturfreunde aus Europa
Zielgruppe sind dabei vor allem Urlauber aus Europa, denen »es nichts ausmacht, wenn sie mal dreckige Schuhe bekommen«. Aber muss es nicht immer höher, schneller, weiter gehen? Wenn alle an einem Strang ziehen, lässt sich touristische Entwicklung durchaus lenken. Ob Megahotel, eine neue Marina oder ein größerer Flughafen - solche Projekte werden auf der schwer zugänglichen Halbinsel mit ihren langen Stränden und dem dichten Regenwald bislang abgelehnt. »Brauchen wir nicht«, meint Chan Blanco, »wir haben viel Wertvolleres zu bieten«. Und wenn zu viele Reisende auf der Suche nach authentischen Urlaubserlebnissen die Halbinsel unsicher machen? Dann kann sie sich die 33-Jährige auch eine Beschränkung der Besucherzahl vorstellen.

Rund um den Corcovado-Nationalpark haben Urlauber bislang die Wahl zwischen Privatunterkünften und verschiedenen Lodges. Eine davon ist die »Eco-Lodge Lapa Rios«, die »National Geographic« zu den »einzigartigen Unterkünften der Welt« zählt. 2003 war sie das erste Hotel mit fünf CST-Blättern. Doch was genau ist Luxus? Fernseher und Klimaanlagen gibt es in den 17 Bungalows nicht, Internetempfang nur in einem kleinen Schulungsraum. Neben Urwaldtrekking, Vogelbeobachtungen, Wasserfall- und Nachtwanderungen wird eine Nachhaltigkeitstour durch die Anlage angeboten, bei der neben Abfallmanagement und Solarstrom auch ein Besuch bei den Biogas produzierenden Schweinen auf dem Programm steht. Konsequent wird auf Plastikflaschen verzichtet - die Gäste bekommen nachfüllbare Metallflaschen.

Das Personal kommt zu 100 Prozent aus der näheren Umgebung
Der Service im »Lapa Rios« ist dabei herzlich, aber vielleicht nicht immer perfekt. »Wir sind stolz, dass unsere Mitarbeiter zu 100 Prozent aus der Umgebung stammen«, so Hotelmanager Fabio Jiménez, der ebenfalls ein »Tico« - also ein gebürtiger Costa Ricaner - ist. Außerdem gibt es keine Saisonarbeitskräfte - »auch in der Regenzeit stellen wir niemanden aus, sondern nutzen sie für Instandsetzungsarbeiten oder Fortbildungen«. Unterstützt werden außerdem Schulen und ein Arzt für die Angestellten. Wer vor Ort eine Zukunft sieht, hat keinen Grund wegzuziehen.

Das Vertrauen in die Mitarbeiter zahlt sich aus. Edwin Villarreal arbeitete als Goldsucher und auf Bananenplantagen, bevor er vor mehr als 20 Jahren in der Hotelküche anfing. Heute ist er als Guide mit den Gästen im Privatreservat der Lodge unterwegs. Er erklärt Baumriesen und Heilpflanzen und entdeckt mit geübtem Auge jedes schlafende Faultier im Baumwipfel. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich viel verändert: »Früher wurden im Dorf Affen geschossen und Leguane gebraten - aber nur die grünen, ihr Fleisch ist zarter.« Heute gelten strenge Schutzbestimmungen, die auch von der Bevölkerung akzeptiert werden. Es bestehen andere Verdienstmöglichkeiten und die Tiere rücken wieder näher an die Dörfer. Auch zur Freude der Urlauber, die von der Terrasse ihres Bungalows turnende Brüllaffen, krächzende rote Aras und bunte Tukane beobachten können.

Weitere Informationen über Costa Rica
Anreise: Condor fliegt derzeit ab 300 Euro von Frankfurt nach San José. Weitere Verbindungen bestehen mit Lufthansa (über Panama, ab März 2018 direkt ab Frankfurt), mit Iberia (über Madrid), mit British Airways (über London), mit Air France (über Paris), mit KLM (ab Herbst über Amsterdam) und mit anderen Airlines über die USA. Ab Zürich fliegt Edelweiss ganzjährig direkt nach San José.
Weiterreise entweder bis Sierpe de Osa oder Puerto Jimenez per Auto (Fahrtzeit ca. fünf Stunden) oder in ca. 40 Minuten per Kleinflugzeug nach Drake Bay, Palmar Sur oder Puerto Jimenez, Hin- und Rückflug ab 200 US-Dollar, z.B. mit Sansa Airlines, Tel. 00506/22904100, (www.flysansa.com) oder Nature Air, Tel. 00506/22996000 (www.natureair.com).
Beste Reisezeit: Während der Trockenzeit zwischen Mitte November und April heiß, während der »green season« von Mai bis November regelmäßige Regenschauer. Die Monate Juli, August und September gelten als angenehme Zwischensaison, im September und Oktober ist mit heftigen Regenfällen zu rechnen.
Unterkunft & Aktivitäten: Nationalpark Corcovado, Osa, Eintritt 15 US-Dollar, Übernachtungen in der einfachen Sirena Ranger Station buchbar ab ca. 10 US-Dollar über die Nationalparkverwaltung, Tel. 00506/27355036, www.sinac.go.cr;
Verband Caminos de Osa, www.caminosdeosa.com, www.visitranchoquemado.com; das Wanderangebot »Camino de Oro« umfasst fünf Übernachtungen mit Vollpension, elf verschiedene Aktivitäten und die Begleitung durch einen Guide und kostet pro Person ab 1095 US-Dollar (bei mindestens vier Teilnehmern); das Wanderangebot »Camino de la Selva« umfasst drei Übernachtungen mit Vollpension, fünf verschiedene Aktivitäten (Kajaktour, Reiten, Wandern, Baden im Wasserfall, Schnorcheln) und kostet pro Person ab 776 US-Dollar (bei mindestens vier Teilnehmern). Individuelle Arrangements sind jederzeit möglich.
Rancho Verde de Osa, Rancho Quemado, Tel. 00506/86465431, www.ranchoverdedeosa.com, eine Übernachtung im Doppelzimmer kostet mit Frühstück pro Person ab 27 US-Dollar.
Eco-Lodge Lapa Rios, Osa, Tel. 00506/27355130, www.laparios.com. Eine Übernachtung im Bungalow mit Vollpension, Transfer von Puerto Jimenez und verschiedenen geführten Touren im hoteleigenen Naturreservat kostet pro Person im Doppelzimmer je nach Saison zwischen 230 und 845 US-Dollar. Auskunft: Costa Rica Tourism Board, Tel. 00506/22995800, www.visitcostarica.com.

(12.02.2018, srt)

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