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Der Mietwagentest hat ergeben, dass sich bis zu 60 Prozent bei einer Buchung sparen lassen

Der Mietwagentest hat ergeben, dass sich bis zu 60 Prozent bei einer Buchung sparen lassen

Foto: Hertz

TEST Mietwagenportale

Preise vergleichen und sparen

Im Internet konkurrieren Mietwagen-Vergleichsportale mit denen von Vermittlern und internationalen Verleihern. Der REISE & PREISE-Test hat ergeben, dass das Sparpotenzial bis zu 60 % betragen kann.

Eigentlich hatte sich Brigitte G. über einen günstigen Mietwagen gefreut: Fünf Tage auf Mallorca für € 120 inklusive kostenlosem Zusatzfahrer, unbegrenzten Kilometern sowie Vollkasko-, Diebstahl-, Glas- und Unterbodenversicherung. Doch als sie den Wagen abholt, muss sie erst mal satte € 68,50 Tankpauschale für den gefüllten Tank hinblättern. So viel Sprit passt doch in den Ford Ka gar nicht rein, wundert sie sich und schaut ins Kleingedruckte. »Die erste Tankfüllung wird bei der Anmietung bezahlt und der Mietwagen wird leer zurückgegeben.« Genaue Preisangaben, Erstattung von im Tank verbliebenem Treibstoff – Fehlanzeige. So fängt der Urlaub ja gut an.

Unser Test zeigt, dass ein umfassender Preis- Leistungs-Vergleich schwierig, aber äußerst lohnend ist. Der Preisunterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter betrug mancherorts gut und gerne 100 Prozent. In Dubrovnik kostete im Juni ein Wagen bei Hertz € 308. Bei Mietwagen-Check24, mit € 139 nicht einmal die Hälfte. In Lissabon müsste man für eine Ausgustwoche bei Europcar € 400 hinblättern, während Car del Mar und die meisten Vergleichs- Websites 60 Prozent weniger (€ 167) verlangten. Die günstigsten Preise fanden bis auf wenige Ausnahmen die Meta-Preisvergleicher. Preissieger ist Mietwagen-Check24, der in 14 von 24 Fällen das günstigste Angebot hatte, gefolgt von Billiger-Mietwagen.de und Mietwagenmarkt (je acht Mal der Günstigste). Verallgemeinern lässt sich das Ergebnis allerdings nicht, denn bei einer anderen Zielauswahl zu einem anderen Zeitpunkt könnte ein anderer Preisvergleicher die Nase vorn haben. Gesamtsieger wurde Billiger-Mietwagen.de, der auch in den Bereichen Funktionalität und Transparenz die Bestnote erzielte.

Die Preisunterschiede haben verschiedenste Gründe

Die Vergleichsportale, die in den vergangenen Jahren auf den Markt gekommen sind, haben als Basis heute eine große Bandbreite aus Vermittlern und günstigen lokalen Anbietern, die man selbst bei einer individuellen Preisrecherche nicht einbeziehen würde, weil man sie gar nicht kennt. Über ein solches Portal bucht man den Mietwagen (kein bestimmtes Modell, sondern die Kategorie). Die Rechnung kommt dann vom jeweiligen Vermittler (beispielsweise Dertour, DriveFTI, Car del Mar), der – da auch er über keine eigenen Flotten verfügt – wiederum den Verleihpartner auf dem Abhol-Voucher vermerkt (wie Hertz, Avis, Record). Im Gegensatz zu den Vergleichsportalen haben die Vermittler Direktverträge mit zahlreichen internationalen und regionalen Verleihern ausgehandelt. Die meisten Vergleichsportale haben rund ein Dutzend Partner, überwiegend Broker. Mietwagenmarkt wirbt sogar mit 130 Partnern, prüft aber pro Ziel in der Regel auch nur 12 bis 20 ab. Die Vermittler AutoEurope und Car del Mar geben sogar 150 bzw. 200 Partner an. Die Kontrahenten Sunny Cars und Holiday Autos verraten hingegen nur die Anzahl ihrer Stationen. Über eigene Fahrzeugflotten verfügen nur die Verleiher wie Avis, Hertz und Europcar – und natürlich die lokalen Mietwagenunternehmen. Nachteil: Sind hier die Kleinwagen vergriffen, werden Preise für die nächstgrößere Wagenkategorie angezeigt, während Vergleichsportale und Vermittler dann auf das Angebot eines Partneranbieters zurückgreifen. Unerlässlich: Ist die gebuchte Kategorie vor Ort vergriffen, sich nicht mit einem kleineren Wagen abspeisen lassen, sondern auf einem Upgrade oder einer anteiligen Erstattung bestehen! Insgesamt hat sich der erwartete Trend bestätigt, dass Vergleichsportale günstigere Preise finden als Vermittler und Verleiher. Aber es geht auch anders herum: Im Juni fanden wir bei der Testbuchung auf Samos bei Sixt den günstigsten Wagen (€ 135 die Woche), bei Holiday Autos sollten wir € 301 bezahlen. Ersparnis: 55 Prozent.

Ein Grund für die Preisunterschiede liegt in den eingeschlossenen Leistungen. Wichtig sind eine Vollkasko- und Diebstahlversicherung, Haftpflicht und gegebenenfalls Glas-, Reifen-, Unterboden- und Dachversicherung. Auch Zusatzfahrer und Gratis-Stornierung bis 24–48 Stunden vor Abholung sind oft, unbegrenzte Kilometer immer eingeschlossen. Was aber die Sache kompliziert macht: Es gibt Anbieter mit der Strategie, durch Minimalleistungen die Preislisten im Internet anzuführen. Fehlende Zusatzleistungen werden dem Kunden dann vor Ort angeboten. Um beispielsweise die Selbstbeteiligung an Vollkasko- und Diebstahlversicherungen auszuschließen, würden vor Ort pro Miettag rund € 6 fällig; da kann es sich lohnen, von vornherein nur Angebote ohne Selbstbeteiligung zu vergleichen. Bei Billiger-Mietwagen. de, Mietwagenmarkt,Mietwagen-Check24und AutoEurope lassen sich solche Angebote herausfiltern. Trotzdem kann es dann aber leider dazu kommen, dass der Verleiher vor Ort dem Kunden Zusatzversicherungen aufdrängt, die eigentlich schon inklusive sind – Vermittler wie Sunny Cars weisen ihre Kunden daher klar darauf hin, vor Ort keine Extraversicherungen ab - zuschließen.

Die Filtermöglichkeit ist in jedem Fall eines der Funktionalitätsmerkmale, die die Preisrecherche enorm erleichtern oder erschweren. Das beginnt schon bei der Zielerkennung: Vorbildlich erkennen die meisten die Eingabe von Mallorcas Flughafenkürzel »PMI«, aber Mietwagen- Check, Mietwagen-Check24, Car Del Mar und Europcar bleiben ratlos. Für die Schnelligkeit bei der Suche ist es auch nicht gerade förderlich, dass Mietwagen-Check24 den Rückgabeort und Hertz und Europcar das Rückgabedatum nicht automatisch anpassen. Beim Filtern der Ergebnisse tun sich besonders die Preisvergleichs-Portale (mit Ausnahme von Mietwagen-Auskunft) hervor, die auf Wunsch nach Wagengröße, Inklusivleistungen wie Versicherungen und Zusatzfahrer, Ausstattung und Zubehör, Anzahl der Türen und Anbieter filtern. Alamo, Hertz, Holiday Autos und National hingegen kommen ganz ohne Filter daher, auch bei Auto Europe,Avis, EuropcarundSunny Cars kann im Wesentlichen nur nach der Wagengröße sortiert werden – damit geht die Suche zwar schneller, aber das Ergebnis wird sicher nicht besser.

Die Kosten für Extras treiben den Preis in die Höhe

Auch bei den Zusatzkosten gibt es Sparpotenzial. Ein Zusatzfahrer ist auch bei Kleinwagen vor allem bei den Vergleichsportalen und Vermittlern meist kostenlos, Verleiher wie Hertz aber kassieren oft bis zu € 10 pro Tag. Junge Fahrer unter 21–25 Jahren und Führerscheinneulinge müssen pro Tag bis zu satte € 16 zusätzlich hinblättern oder bekommen (wie bei Europcar) gar keinen Wagen. Kinder- und Babysitze kosten pro Tag bei den günstigsten Anbietern wie Car Del Mar und Holiday Autos € 4, richtig teuer wird es bei Hertz (€ 13/Tag) und für Kurzzeitmieter bei Sunny Cars (€ 40 pro Anmietung) und bei Hertz (bis zu überzogene € 24 für einen Tag). Zum Teil sind die Sitze aber vor Ort dann nicht selten vergriffen oder haben die besten Jahre schon hinter sich. Wer einen flugzeug-tauglichen Kindersitz zu Hause hat, sollte daher überlegen, ihn mitzunehmen. Das gilt auch für Sitzerhöhungen, die ebenfalls kostenpflichtig sind und im Supermarkt manchmal keine € 20 kosten. Auch das eigene mobile Navi mitzubringen lohnt sich, denn das kostet pro Tag mindestens € 10 extra (bei Europcar und Hertz sogar € 18!) oder ist nicht verfügbar. Wer das Auto außerhalb der Öffnungszeiten abholt oder abgibt, zahlt ordentlich drauf, allerdings je nach Zielgebiet völlig unterschiedlich viel (z. B. bei Hertz in Dubrovnik € 12, auf Mallorca € 40). Besonders ärgerlich: Rechnet man die Kosten für einige der Extras zusammen, kommt da leicht eine Summe zusammen, die den Mietpreis des Autos weit übersteigt.

So manche Tankregelung grenzt an Abzocke

Zu einem wichtigen Kriterium hat sich die Tankregelung entwickelt. Das Eingangsbeispiel demonstriert, dass die »falsche« Tankregelung den Gesamtmietpreis noch einmal kräftig in die Höhe treibt. Wobei die € 68,50 von Frau G. noch moderat sind; Anbieter wie Holiday Autos und Car Del Mar kassieren pauschal bis zu € 110 bzw. 130 pro Auffüllung, also zum Teil mehr als den Wochenmietpreis! In anderen Fällen taucht zusätzlich zu den Benzinkosten eine Betankungsgebühr von bis zu € 28 auf. Die gängige und faire Methode, den Wagen vollgetankt zu übernehmen und ebenso wieder abzugeben, ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Denn mit Benzin lässt sich Kasse machen. Für die erste Tankfüllung nimmt man eine großzügige Tankpauschale. Der Kunde muss den Wagen leer abgeben. Da es aber kaum jemandem gelingt, das Fahrzeug mit den letzten Tropfen auf den Hof zu fahren, profitiert der Vermieter doppelt. Eine weitere Variante von Regionalanbietern ist die Regelung Leer-Leer, bei der das erste Ziel des Kunden die Tankstelle ist und die Angestellten die Spritreste noch für private oder geschäftliche Touren nutzen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann zumindest bei Billiger-Mietwagen und Mietwagen-Check24 Voll-Voll-Angebote herausfiltern.

Nicht alle Anbieter lassen sich in die Karten gucken

Das Kritischste an allen Mietwagen-Websites ist die Transparenz. Da der Teufel oft im Detail steckt, verstecken die Anbieter einschränkende Regelungen und Zusatzkosten gern im Kleingedruckten irgendwo kurz vor dem Buchungs- Button. Statt eines konkreten Preises aber steht in den Bedingungen nicht selten »auf Anfrage gegen eine zusätzliche Gebühr«, oder dass es sich um »ungefähre Beträge, die sich ohne Vorankündigung ändern können« handele. Besonders frech ist »Bitte erfragen Sie die Kosten beim lokalen Partner«, schlimmstenfalls also auf Portugiesisch oder Griechisch. Doch gibt es auch Gutes zu vermelden: CarDelMar etwa führt ganz praktisch in einem durch Mouseover zu öffnenden Fenster sämtliche Zusatzkosten auf. Auch Billiger-Mietwagenund Mietwagen-Check24 zeigen dieses ganz lesefreundlich und direkt in der Ergebnisliste durch einen Klick auf »De - tails«. Bei Auto Europe lassen sich die Mietbedingungen zwar überall anklicken, doch werden dort leider kaum konkrete Preise genannt. Das macht die Zusatzkosten unkalkulierbar, da hilft es auch niemandem, dass die ungefähr genannten Preise insgesamt im Mittelfeld liegen. Bei CarDel Mar weiß der Kunde dagegen, woran er ist: Hier werden auf Klick in einem Extrafenster alle Zusatzkosten konkret aufgelistet.

Bei der Aufmachung wurde als Vergleichskriterium zunächst einmal die Gefälligkeit im Allgemeinen, die Userführung und der Zusatznutzen beurteilt. Positiv aufgefallen ist die freundliche Seite von CarDelMar, die zeigt, dass man auch mit einer frischen, peppigen Aufmachung Erfolg haben kann, während die Seiten von so manchem Markenartikler langweilig und statisch daherkommt. Billiger-Mietwagen bekam trotz miesem Logo auch hier die Höchstpunktzahl, weil die Homepage durch zusätzliche Infos und Inhalte echten Portalcharakter bekommt, während die Homepages von Mietwagen- Auskunft und Sixt praktisch überhaupt keine verwertbaren Zusatzinfos enthalten. Als vollgepfropft (aber dennoch inhaltslos) und unübersichtlich fiel den Testern die Seite von Sunny Cars auf.

So haben wir getestet

Im Testzeitraum vom 14. bis 16. Februar 2011 haben wir Preise für eine einwöchige Anmietung eines Kleinwagens in einem Dutzend südeuropäischer Urlaubsziele recherchiert. Getestet wurden fünf Mietwagen-Vergleichsportale, vier Vermittler und sechs Mietwagenverleiher. Wir verglichen zwei Termine, einen vor den Sommerferien (10.–17. Juni) und einen mitten in den Sommerferien (1.–8. August). Die Bewertungen folgen im Groben dem Schulnotenprinzip: sehr gut = 1 (++), gut = 2 (+), Durchschnitt = 3 (·), ausreichend = 4 (-), mangelhaft = 5 (--). In die Errechnung der Gesamtnote flossen die Einzelkriterien mit folgender Gewichtung ein: Preisniveau (30 Prozent), Transparenz und Zusatzkosten (je 20 Prozent) sowie Aufmachung und Funktionalität (je 15 Prozent). Auf- und Abrundungen erfolgten nach den mathematischen Grundregeln.

Die Test-Kriterien

Die Aufmachung haben wir beurteilt hinsichtlich der Modernität von Design und Optik, der Übersichtlichkeit, Plausibilität der Menüführung, ob die Seite zusätzlichen Nutzwert und userfreundliche Inhalte bietet und ob essenzielle Informationen wie die Telefonnummer der Hotline gut sichtbar sind. Wichtig bei der Funktionalität waren uns die Schnelligkeit der Suche, die Filtermöglichkeiten, die Eingabeautomatik (z. B. leichte Ortserkennung bei der Eingabe, automatische Anpassung des Rückgabedatums), Merkfähigkeit von Reisedaten und ob das Kleingedruckte einfach zu finden ist. In die Transparenz gingen vor allem die Nennung, Auffindbarkeit und Verständlichkeit der Bedingungen und Zusatzgebühren ein, aber auch Userbewertungen. Die Bewertung der Zusatzkosten, von manchen Anbietern nicht einmal genannt, konzentrierte sich auf Essenzielles wie Zusatzfahrer, Tankregelung, Extras wie Kindersitze sowie Stornogebühren.

(REISE & PREISE 2-2011)
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