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Grünes Land El Salvador in Mittelamerika mit vielen Seen

Grünes Land El Salvador in Mittelamerika mit vielen Seen (Foto: Flickr.com, Adalberto H. Vega)

El Salvador Vom Guerillero zum Dschungel-Guide

Reisen nach El Salvador in Mittelamerika sind anders. Kriegsgeschichten, erzählt von Ex-Guerilleros, Zehn-Meter-Sprünge in tiefe Dschungelflüsse, Ritte auf Weltklassewellen und Vulkanbesteigungen, all das kann man in El Salvador erleben. Seit Ende des Bürgerkriegs hatte das Land vor allem mit sich selbst zu tun. Nur langsam öffnet sich der mittelamerikanische Staat für den Tourismus. Ein Reisebericht über El Salvador.

Auf unser Reise nach El Salvador wandern wir nun schon seit zwei Stunden durch das waldreiche Bergland Morazans. Rafael kennt hier jeden kleinen Pfad und kann über jeden Hügel etwas berichten. Er erzählt von blutigen Gefechten gegen das Militär, von toten compañeros und provisorischen Guerilla-Hospitälern im Wald, in denen die Verwundeten mit einfachsten Instrumenten operiert wurden. »Wir waren Bauern, Arbeiter, Studenten und Ärzte; Frauen und Männer; Christen und Linke. Damals kämpften wir mit Waffen für eine bessere Gesellschaft. Gemeinsam träumten wir von einem El Salvador, in dem alle Zugang zu Trinkwasser, Bildung und den Diensten des Gesundheitswesens haben.« Das war während des zwölfjährigen Bürgerkriegs. Ungleiche Landverteilung, Ar - mut und Menschenrechtsverletzungen hatten 1980 in dem mittelamerikanischen Land zu einem Krieg zwischen Guerilla-Bewegung FMLN und Regierung geführt. Die schlimmsten Kämpfe fanden hier, im Norden Morazans statt. Perquín war ein wichtiger Stützpunkt der FMLN, der sich Rafael Anfang der 1980er Jahre anschloss.

Heute gehört Perquín zur Ruta de Paz, zur Friedensroute, und ist in El Salvador ein Reise-Muss. Nach dem Krieg wurde die Tourismusorganisation PRODETUR gegründet und ehemalige Guerilleros zu Touristenführern ausgebildet. Das Gebiet um Perquín ist wunderschön. Angeboten werden Wanderungen durch Kaffeefelder, Ausflüge zu Wasserfällen und ein Besuch des Revolutionsmuseums. Zu sehen gibt es alte Maschinenpistolen, Funkgeräte, den Trichter einer 500 Pfund schweren Bombe und ein Guerilla-Camp. In Rafaels Erzählungen bleibt El Salvadors Geschichte wach, ob im Museum oder auf unserer Wanderung.

Nach dem schweißtreibenden Anstieg hoch zum Cerro Pericón schlendern wir nun durch einen Kiefernwald hinunter zum Río Sapo. Mit Brennholz beladene Männer kommen uns grüßend entgegen. Frauen balancieren auf ihren Köpfen bunte Wasserkrüge nach Hause. Vor einer Wellblechhütte spielen Kinder Fangen. Ein paar Mädchen waschen im Fluss die Wäsche. Elektrizität, Schulbildung und medizinische Versorgung sind auch nach Kriegsende in El Salvador keine Selbstverständlichkeit. Zwar brachte der Friedensvertrag, der 1992 von Guerilla und Regierung unterschrieben wurde, Demokratie, ökonomische Reformen und eine zivile Polizei. Viele Menschen leben aber nach wie vor in Armut. Wie auch Rafael, der als Kriegsversehrter eine sehr geringe Rente erhält. Nach fünfstündigem Fußmarsch erreichen wir das Ziel unserer Wanderung. Es ist El Mozote, wo die Silhouette einer Familie aus schwarzem Eisen an das grausamste Massaker des Bürgerkriegs erinnert. Während einer Operation zur Guerilla-Bekämpfung zerstörten 1981 Regierungssoldaten alle Häuser des Ortes und töteten seine 767 Bewohner. Die Namen der Opfer sind in Holztafeln eingraviert. Es waren ausnahmslos unbewaffnete Zivilisten, darunter viele Babys und Kinder. Mit dem Bus fahren wir zurück nach Perquín, wo wir uns von Rafael verabschieden. Er bittet uns, allen von Morazans touristischen Möglichkeiten zu erzählen. Es kommen nämlich so wenige Reisende hierher, dass es unmöglich ist, von ihnen zu leben. Insgesamt sind die Besucherzahlen El Salvadors gering, obwohl das kleine Land richtig viel zu bieten hat.

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