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Gabelflug
Fischer beim Bergen einer Piroge an der Gunjur Bay im Südwesten Gambias

Fischer beim Bergen einer Piroge an der Gunjur Bay im Südwesten Gambias

Reisebericht Gambia Kleines Land am großen Fluss für Entdecker

Ein Land, das einem Fluss folgt. Ihn umschließend, schiebt sich der kleine westafrikanische Staat vom Atlantik in den Senegal. Stress und Hektik sind in Gambia verpönt. Wer Land und Leute kennenlernen will, muss Geduld mitbringen.

Männer ziehen schwere Netze aus dem Meer, hieven sie Meter für Meter an den flachen Sandstrand. Ein Kraftakt, den die Fischer in der Kotu-Bucht täglich wiederholen. Heute ist ihre Ausbeute mager, gerade mal drei kleine Fische haben sich in ihrem Netz verfangen. Eine Handvoll Touristen schaut den Männern bei ihrer schweißtreibenden Arbeit zu, weiter entfernt flanieren Strandspaziergänger am Meer entlang, heben sich als kleine Farbkleckse am kilometerlangen Strand ab. Bettenburgen gibt es nicht, nur ein paar flache Bungalows und einige in die Jahre gekommene Hotels hinter hohen Mauern. Palmen wiegen sich im Wind, eine Verkäuferin preist ihre frisch gepressten Säfte an, es riecht nach Meer, Fisch und Frittiertem. Es ist Mittagszeit, im einzigen Restaurant weit und breit sind gerade mal drei Tische besetzt. Für umgerechnet sieben Euro lassen sich Urlauber und wohlhabende Einheimische frischen Barrakuda schmecken, dazu ein kühles Julbrew-Bier. Es ist Ende Mai, die Hauptsaison ist vorbei, einer der schönsten Strände des Landes gleicht einer Oase der Ruhe.


Landkarte Gambia

Heilige Krokodile und altehrwürdige Hotels

Im benachbarten Bakau liegen derweil ein Dutzend Krokodile träge in der Sonne, andere aalen sich in einem grünen Tümpel, ihre Panzer moosüberzogen, die Mäuler weit geöffnet. Die heiligen Krokodile von Kachikally sind ein Besuchermagnet, für Pilger und Touristen gleichermaßen. Eine seit Generationen gehütete Kultstätte, deren Wasser heilende Kräfte bei Unfruchtbarkeit verspricht. Zwei Mal am Tag werden die Krokodile gefüttert, dann ist ihr Hunger gestillt und die Touristen können aufgeregt quiekend ihr Erinnerungsfoto schießen.
Wenige Kilometer weiter, am Senegambia- Strip in Kololi, pulsiert dagegen das Leben. Auf der bekanntesten Touristenmeile Gambias sind die Cafés und Bars gut gefüllt. Die traditionsreichen Hotels »Senegambia« und »Kairaba Beach« ziehen Spaziergänger an, die einen Blick hinter die altehrwürdigen Mauern werfen wollen. Die Hotelgärten gleichen einem Zoo. Meerkatzen toben über den frisch geschnittenen Rasen, Nilwarane liegen träge auf Mauern und Ästen herum, Kappengeier und Milane kreisen über den Pool. Die hohen Wellen des Atlantiks rauschen an die Küste, rauben dem Strand vor den Hotels Jahr für Jahr seinen Sand, mehrfach musste er wieder aufgeschüttet werden.

Einkaufen, kochen und essen mit »Mutter«

Kololi ist die Keimzelle des gambischen Tourismus, viele junge Gambier hoffen darauf, hier einen Job zu bekommen. Eine, die es geschafft hat und sechzehn Jahre im »Senegambia Hotel« gearbeitet hat, ist Ida Cham. Heute betreibt sie ihr eigenes Unternehmen, Yabouy heißt es, »Mutter«. Sie gibt unter anderem Kochkurse für Touristen. Die selbstbewusste Geschäftsfrau nimmt kein Blatt vor den Mund, ärgert sich lautstark über die gambischen Männer. »Es sind immer noch die Frauen, die auf den Märkten, Feldern und Gärten jeden Tag hart arbeiten, während die Männer faul unter den Bäumen sitzen und nichts tun.«
Ida begrüßt ihre Gäste, eine Gruppe aus Belgien, in ihrem Haus in Brufut, nur wenige Fahrminuten vom Strip entfernt. Geschwind kleidet sie die staunenden Frauen in farbenfrohe, afrikanische Gewänder und fährt mit ihnen im Bus zum wuseligen Hafen von Tanji, wo Marktfrauen ihre Ware am Strand feilbieten.
Alle kennen Ida. Zusammen wird eingekauft: Maniok, Okras, Chilis, Tomaten, Fisch, der Korb füllt sich schnell. Später kochen alle gemeinsam Domoda, einen gambischen Erdnuss-Eintopf. Gegessen wird auf dem Boden, alle picken sich ihr Essen direkt vom Tablett. Ida hat keine Eile, holt immer wieder neue Lebensmittel hervor, die unbedingt probiert werden müssen. Zum Abschied drückt sie jeden ihrer Gäste an die Brust, steht winkend am Tor, bis der Bus um die Kurve verschwunden ist.

Wellblechhütten, Eselskarren und schwarze Limousinen

Trocken und staubig präsentiert sich der ursprüngliche Süden des Landes. Roter Staub überzieht Wellblechdächer, Bananenstauden, Termitenhügel und Straßen. Bald beginnt die Regenzeit, doch noch müssen sich die Menschen gedulden, das Wasser der Brunnen tief aus der Erde schöpfen. Gambia gehört trotz umfangreicher Entwicklungshilfe zu den ärmsten Ländern der Welt. An der Tankstelle wartet eine Frau mit einem Korb Cashewnüsse, verpackt in handgroßen Beuteln aus Frischhaltefolie, auf Kunden. Zwei Päckchen kosten umgerechnet nicht mal 10 Cent. Das Preisniveau sinkt mit jedem Kilometer, den man sich aus der Hauptstadtregion entfernt.
Auf dem Weg ins Landesinnere führt eine Abzweigung zum Makasutu Cultural Forest, ein Naturschutzgebiet mit beeindruckender LuxusÖko- Lodge, das zwei Briten an einem Fluss zwischen Palmenwäldern und Mangrovensümpfen erschufen – ein fantastisches Domizil für Naturfreunde.
Weiter geht die Fahrt vorbei an Ziegenmärkten, unzähligen, winkenden Kindern in Schuluniformen und einem toten Esel am Straßenrand, an dem sich eine Schar Geier gütlich tut. Heute zieren bunte Stofftücher die Straßen. Schwarze Limousinen hinterlassen Staubwolken am Straßenrand. Ihr Ziel ist Kanilai, der Geburtsort des Autokraten Yahya Jammeh. Der Präsident, der von sich behauptet, er könne Aids, Asthma und Diabetes mittels Handauflegen heilen, putschte sich 1994 an die Macht und herrscht seitdem als Despot über sein Volk. Bürger werden eingeschüchtert, Medien kontrolliert, Homosexuelle mit dem Tod bedroht. Seit Jahren verschärft sich die Situation im Land. Doch heute wird sich Jammeh volksnah geben. Anlass für seinen Besuch ist das International Roots Festival, das an die Versklavung und den Transport von Millionen Afrikanern nach Amerika erinnern soll und alle zwei Jahre Menschen aus aller Welt in das kleine Land lockt. Die meisten haben afrikanische Wurzeln.

Der Präsident beehrt sein Heimatdorf

Lautes Treiben herrscht auf dem Dorfplatz von Kanilai. Spannung liegt in der Luft. Eine in blaue Uniform gekleidete Blaskapelle marschiert auf, ein Erbe der britischen Kolonialzeit. Gasbomben explodieren zu Ehren des Präsidenten, es knallt immer wieder – bis Jammeh mit mehreren Stunden Verspätung endlich eintrifft und unter den wachsamen Augen des Militärs ein Bad in der Menge nimmt.
Das Festival geht viele Tage, im ganzen Land gibt es Konzerte, Bootsrennen, ein Galadinner im »Senegambia Hotel«. Im Zentrum der Aufmerksamkeit aber steht eine kleine Insel mitten im Gambia River, die seit 2003 zum UNESCOWeltkulturerbe zählt. Der Weltbestseller Roots des amerikanischen Autors Alex Haley spielt unter anderem hier und in den zwei Dörfern am gegenüberliegenden Ufer, Juffureh und Albreda. In seiner Familiensaga erzählt der Autor die Geschichte Kunta Kintehs, seines Vorfahren, der als Sklave nach Amerika verschleppt wurde. Nach dem Erscheinen von »Roots« 1976 begann ein anhaltender Tourismus zum Kontinent der Ahnen.

Touristenattraktion Nummer 1: Kuntah Kinteh Island

Kuntah Kinteh Island ist heute das Hauptausflugsziel Gambias. Der Tourismus spülte Geld in die Kassen. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Das von Alex Haley errichtete Stromnetz funktioniert nicht mehr, die Armut ist unübersehbar. Nicht alle Dorfbewohner profitieren von den Touristengruppen, die in der Hochsaison schiffeweise angespült werden. Die Vorträge der Nachfahren Kunta Kintehs, mittlerweile die achte Generation, werden in wenigen Minuten heruntergeleiert, sie erzählen, was sie schon tausendfach erzählt haben. Das Gefühl einer touristischen Inszenierung lässt sich nicht abschütteln. Und trotzdem, wenn das Boot zur Kunta Kinteh Island übersetzt, auf der noch immer die Ruinen der Festung stehen, von der einst die Menschen auf die Sklavenschiffe verfrachtet wurden, breitet sich ein flaues Gefühl im Magen aus.
Fröhlicher ist die Atmosphäre bei einer Bootstour auf den Nebenflüssen des Gambia River. Urlauber können sich Kanus und Motorboote mieten oder auf Pirogen gemütlich durch die Gegend schippern lassen. »Ndakanka« sagt man in Gambia – immer mit der Ruhe.

Autorin: Kristin Oeing, REISE & PREISE 3-2015

Den vollständigen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 3-2015. Mit vielen praktischen Infos, tollen Fotos und detaillierten Preisangaben für die Reiseplanung.

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