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Blühende Mandelbäume bei einer Finca unweit von Andratx

Blühende Mandelbäume bei einer Finca unweit von Andratx

URLAUB IN SPANIEN Auf der Balearen-Insel Mallorca den Winter verkürzen

Die Baleareninsel erstrahlt in Weiß und Rosa, wenn rund 7 Millionen Mandelbäume von Ende Januar bis Anfang März bei frühlingshaften Temperaturen um die Wette blühen. Neben Romantikern lieben auch Aktivurlauber die preiswerte Vorsaison.

Uuuh, welches Chaos!« Emilio, der Schinkenschneider, schüttelt sich. Geschickt säbelt er in der Tapa-Bar »La Boveda« in Palma Scheibe für Scheibe vom köstlichen Serrano-Schinken. Doch ganz bei der Sache ist er heute nicht, schließlich legten Schnee und Eis, höchst seltene Besucher auf Mallorca, den Verkehr in der Inselhauptstadt für ein paar Stunden lahm.

Bei Schmuddelwetter erkundet man am besten Palma, eine Stadtschönheit, die die meisten Sommerurlauber zu Unrecht kaum beachten. Von einer reichen Geschichte zeugen die Banys Arabs, die arabischen Bäder, und La Seu, eine der schönsten gotischen Kathedralen Europas, die wie ein riesiges Schiff am Rande der Altstadt und hoch über dem Hafen thront. Ein Gewirr aus schmalen Gassen, steilen Treppen und Bogengängen, gesäumt von Renaissancepalästen mit stillen Innenhöfen, und Boulevards wie die Flaniermeile Passeig des Born mit ihren Jugendstilfassaden laden zum Entdecken ein. Dass alte Mauern und modernes Design wunderbar harmonieren, beweisen zahllose Restaurants, Ca fés und Galerien, in denen sich eine junge Szene tummelt. Nach dem Besichtigungsprogramm kann man sich beim Café solo in der »Bar Bosch« unter die Mallorquiner mischen oder die Schuhgeschäfte nach Schnäppchen durchstöbern. Wer früh kommt, schaut auf dem Mercat de l’Olivar den Hausfrauen und Küchenchefs beim Einkaufen zu und schnuppert sich durch Köstlichkeiten aus mallorquinischer Erde und aus dem Mittelmeer (am Plaça de l’Olivar, geöffnet Mo–Sa 9–13 Uhr, Fr bis 18 Uhr). Ein beliebtes Souvenir aus dem »Bauch Palmas«: Sobrasadas, die mallorquinischen Paprikawürste. Auch gut: sich durch das Angebot der winzigen Tapa-Bars im Markt snacken.

Eine Winterliebe auf Mallorca

24 Stunden nach dem unverhofften Wintereinbruch ist der Frühling zurückgekehrt, der Schnee nur noch auf den Gipfeln des Tramuntana-Gebirges zu erspähen. Mit den Temperaturen steigt die Entdeckerlust. Steil winden sich die Straßen ins Bergland und unter dem Blau des Himmels wirkt die Insel wie frisch gewaschen.

Die Häuser des Bergdorfs Valldemossa schmiegen sich rund um das mächtige Kartäuserkloster, hinter dessen Mauern George Sand und Frédéric Chopin den Winter 1838/39 durchfroren. Die französische Schriftstellerin schwärmte von ihrem Liebesnest: »Alles was ein Maler oder Dichter erträumen könnte, hat die Natur hier erschaffen.« Doch eisige Kälte hinter Klostermauern kühlte die Leidenschaft der Liebenden schnell merklich ab. Fluchtartig verließen die berühmten Gäste die Insel, hinterließen aber das Klavier, auf dem Chopin die »Regenbogen-Prélude« komponiert hatte. Davor drängen sich im Sommer die Besucher. In den Wintermonaten, wenn der Wind durch die Gassen des Bergdorfs pfeift, sitzen nur wenige Gäste in den Cafés bei frisch gebackenen Cocas de patata. Die köstlichen Kartoffelkrapfen – Spezialität des Ortes – wärmen Leib und Seele, und die Mallorquiner, noch entspannt vor dem ersten Besucheransturm, haben Zeit für ein Schwätzchen.

Mallorca blüht auf

Frühlingshafte Temperaturen beglücken die Inselbesucher, aber auch die Bauern. Der Engländer James, der seit einigen Jahren eine Finca mit Mandelplantage auf der Insel bewirtschaftet, ist zufrieden: »Kein Frost mehr – jetzt kann die Mandelblüte kommen!« Tatsächlich: Zwei Tage später ist Mallorca aufgeblüht. Fährt man von Palma kommend in Richtung Sóller, taucht man bald in ein duftendes Blütenmeer ein.

Vor mehr als 900 Jahren importierten die Araber die aromatische Frucht. Heute wachsen mehr als 7 Millionen Mandelbäume auf der Insel. James, der Hotelier, ist stolz auf seine prächtigen Früchte, die wie eh und je von Hand geerntet werden. Nicht zuletzt deshalb spielen sie agrarwirtschaftlich auf Mallorca kaum noch eine Rolle. Für den Tourismus ist die Mallorca- Mandel – im Vergleich zur genormten kalifornischen Mandel ein besonders schmackhafter Individualist – ein Glücksfall. Schließlich zieht die Mandelblüte in der Vorsaison Gäste auf die Insel. Blüte ist – je nach Region, Klima und Sorte – von Ende Januar bis Ende Februar/Anfang März. Besonders viele Bäume stehen zwischen Palma und Andratx bzw. Port d’Andratx und S’Aracco, auf dem Weg von Palma nach Valldemossa bzw. nach Sóller und im Osten zwischen Llucmajor, Cala Figuera und Colonia Sant Jordi.

Die wahren Reize finden sich Im Inselwesten

Ein perfekter Standort im Westen ist das Tal von Sóller, umgeben von einigen der höchsten Berge der Insel und nicht weit vom Meer entfernt. Hier wachsen neben Mandeln auch Oliven und vor allem Orangen. Die Produkte aus den Früchten des Landes von frisch gepresstem Orangensaft bis zu Mandelkuchen (mit Kaffee € 3) oder Mandeleis (Kugel € 1,20) kann man gleich im Zentrum der Provinzstadt bei »Fet a Sóller« probieren (Avinguda de Cristòfol Colom 15, www.fetasoller.com). Öle, Liköre, Marmelade, mallorquinischer Wein und vieles mehr – hier gibt es Leckereien, die das Urlaubsgefühl zu Hause verlängern.

Eine Attraktion in der Umgebung, die man sich nicht entgehen lassen sollte, sind die Jardins d’ Alfàbia zwischen Palma und Sóller, in denen arabische Gartenbaukünstler ihre Träume vom Paradies verwirklichten. Ein Spaziergang durch den üppigen Garten mit Laubengängen, Dattelpalmen und Orangenbäumen ist Balsam für nordische Seelen. Ebenfalls lohnend: der Abstecher durch Haarnadelkurven und Olivenhaine vom Landstädtchen Alaró bis zum urigen Landgasthof »Es Vergé« (s. S. 47). Von dort steigt man in einer halben Stunde zu Fuß bergauf zur Burgruine Castell d’Alaró, wo Besuchern die Insel zu Füßen liegt.

Dann führt die Küstenstraße in vielen Kehren von Sóller über den Künstlerort Deià südwärts. Unterwegs genießt man von der Terrasse des einstigen Herrensitzes Son Marroig herrliche Ausblicke aufs Mittelmeer. Ein schöner Abschluss der Runde durch den Westen Mallorcas ist Port d’Andratx, wo sich gern die Reichen und Schönen tummeln. Hier kann man schon im Januar im Hafencafé sitzen, das Gesicht in die Frühlingssonne recken und den Segelbooten beim Schaukeln zusehen. Zum Kaffee schmeckt ein Stück Mandelkuchen – aus Mallorca-Mandeln, versteht sich.

Ideale Bedingungen für Aktivurlauber

Die einen genießen – die anderen strampeln. Ab Ende Januar sind auf der Insel Scharen von Rennradfahrern unterwegs. Zu Tausenden strömen sie auf die Insel, um sich vor Beginn der heimischen Saison warm zu radeln. Aber auch für Wanderer bieten sich bei klarer Luft und Temperaturen um die 20 Grad ideale Bedingungen. Ob man lieber allein oder in einer Gruppe unterwegs ist – die Möglichkeiten sind vielfältig. Küstenwanderungen, Bergtouren, Fotowanderungen und Höhlentouren organisiert zum Beispiel Mar y Roc (Tel. 0034-971-149100, www. maryroc.de).Geführte Wanderungen in kleinen Gruppen werden ab € 35/ Tag angeboten. Radler leihen sich bei der deutsch geführten Station Mallorca Biketours (Tel. 0034-639-417796, www. m-bike.com) Rennräder oder Mountainbikes (€ 12–35/Tag) oder buchen geführte Touren (€ 55/Tag inkl. Rad).

 TIPP   Ein super Stützpunkt für Wanderer und Radler ist das »Hotel Es Port« in Port de Sóller (C/Antoni Montis s/n, Tel.0034-971- 631650, www.hotelesport.com, EZ/ DZ ab € 88/ 114). 150 Zimmer verteilen sich in einem ehemaligen Herrenhaus aus dem 17. Jh., am Fuß der Sierra de Tramuntana und nur wenige Meter vom Mittelmeer entfernt. Es gibt einen großen Garten, Wanderangebote und Fahrradverleih (€ 12/ Tag, € 71/Woche), ein Schwimmbad und ein Spa. Hier kommt auch die Entspannung nicht zu kurz!

Köstlich essen
Im TAPAS-LOKAL »LA BOVEDA« IN PALMA (Paseo Sagrera 3) ist es am nettesten zu später Stunde, wenn sich hier halb Palma trifft.
 TIPP  FEINE MALLORQUINISCHE KÜCHE, kreiert von zwei jungen Küchenchefs, serviert man im stilvollen Restaurant des Landhotels »Sa Torre« in Santa Eugenia bei Consells. Zum Essen werden erlesene Weine serviert. (Mo Ruhetag, Nov.– Ende Feb. Betriebspause)
 TIPP  Ein LANDGASTHOF MIT REICHLICH RUSTIKALCHARME, ist »Es Vergé« in Alaró zwischen Inca und Soller (Camino Castillo 143, Mo Ruhetag). Ist auch der Service etwas ruppig – das Essen ist gut und deftig, die Lammschulter ein Gedicht!

Die schönsten Fincas
Das Landhotel »CASES DE SON BARBASSA« bei Booking.com buchenin Capdepera vereint historische Mauern aus dem 16. Jh. und modernes Design (www.sonbarbassa.com). Kleine, aber durchgestylte Zimmer z. T. mit Terrasse, Kaminlounge, Gartenterrassen mit Blick auf Oliven- und Mandelhaine, Pool und Restaurant im Wintergarten (mediterrane Küche mit Produkten aus eigenem Anbau, z. B.: Steinbuttfilet in Cava mit Venusmuscheln).

Der Familienbetrieb »SA TORRE« Pauschalreise buchen gehörte Anfang der 1990er-Jahre zu den ersten Finca-Hotels auf Mallorca. Das Haus mit dem stilvollen Ambiente eines historischen Landsitzes in Santa Eugenia bei Consell ist eine echte Perle (www.sa-torre.com). Herrlicher Garten, Pool und vorzügliches Restaurant (bis 1.3. geschlossen).

 TIPP  Am Fuße des Tramuntana-Gebirges, in Moscari, liegt die »FINCA ES CASTELL«bei Booking.com buchen , ein Anwesen aus dem 11. Jh. (www.fincaescastell.com). Rund um ihr Landhotel bauen die Gastgeber James und Paola Oliven, Zitrusfrüchte, Mandeln und Feigen an. Grandioser Blick von der Dachterrasse! Zimmer mit Wohlfühlambiente und saisonale Küche.

Autorin: Elke Homburg

Der Beitrag ist in der Zeitschrift REISE & PREISE (Ausgabe 4-2013) erschienen mit vielen praktischen Informationen für die Reiseplanung.

 
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