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Wie fair sie sind, was sie können: 14 wichtige Online-Ticketdealer im Praxistest

Wie fair sie sind, was sie können: 14 wichtige Online-Ticketdealer im Praxistest

 

Test Flugportale Wie Sie sich vor versteckten Bezahlgebühren schützen

Ein gutes halbes Jahr ist es her, dass das EU-Parlament ein Verbot von Kreditkartengebühren verfügte. Das gilt auch für Flugportale. Der REISE & PREISE-Test zeigt, dass sich längst nicht alle Ticketdealer an die neuen Regeln halten. Auf dem Prüfstand standen auch Userfreundlichkeit, Preiswertigkeit und Erreichbarkeit.

Was muss ein Flugportal können, um beim Kunden gut anzukommen? Funktionell muss es sein, mit klarer Userführung und vor allem: Eine faire Abwicklung der Buchung muss gewährleistet sein, bei Notfällen sollte man ein Portal auch telefonisch gut erreichen können. Wenn dann auch noch die Preise stimmen, steht aus Verbrauchersicht alles zum Besten.

Viele Portale verlangen weiterhin Kreditkartengebühren

Seit dem 13. Januar 2018 dürfen innerhalb der Europäischen Union für die gängigsten Zahlkarten wie Visa und Mastercard keine Gebühren mehr erhoben werden. Dadurch soll auch sichergestellt werden, dass Kunden ihr Flugticket am Ende zu dem Preis buchen können, der ihnen zu Beginn schmackhaft gemacht wurde.

Oberstes Ziel im Test war es, herauszufinden, ob sich die Betreiber an die neue EU-Richtlinie halten oder nicht. In unserem Test traf dies nur auf acht der 14 getesteten Flugportale zu. Auffällig war, dass sich bestimmte Portale gut darauf verstehen, die Bezahlgebühren zu verstecken. Mit den vergleichsweise seltenen Debit-Karten von Mastercardund Visakönnen Tickets bei Opodo, eDreams, Tripsta, Bravofly und Lastminute.de um einiges günstiger gebucht werden als mit einer herkömmlichen Mastercard oder Visa Card. Die von den Abläufen her mit Debit-Karten vergleichbare EC-Karte indes wird von keinem der Testteilnehmer akzeptiert. Bei den »baugleichen« Portalen Bravofly und Lastminute. de wird man bereits in der Flugsuche auf der Startseite aufgefordert, die Zahlart auszuwählen. Wer dem nachkommt, bleibt bis zum Schluss im Glauben, dass er einen Flug ohne Zusatzgebühren gebucht hat. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Denn stellt man als Zahlmittel die Mastercard Debit ein, wird das gleiche Ticket 5 % billiger. Anders ausgedrückt: Mit einer gängigen Zahlart ist der Flug 5 % teurer. Fluege.de macht sich gar nicht erst die Mühe, Bezahlgebühren zu verstecken: Alle Flugpreise, die in der Buchungsstrecke ausgewiesen werden, gelten für die hauseigene Fluege.de-Mastercard. Wer eine normale Mastercard oder Visa in der Hand hält, zahlt drauf – und zwar nicht zu knapp. Ein Lufthansa-Flug nach Sydney z. B. war zum Testzeitpunkt 100 Euro teurer als mit der Firmenkreditkarte. Auch Tripsta tut so, als würde es die neue EU-Richtlinie gar nicht geben und schlägt bei Bezahlung mit Mastercard und Visa Credit – wenngleich moderate – 2 % Gebühren drauf. Nicht anders bei Opodound eDreams: Auf den Ergebnisseiten im Angebotsfeld wird zwar – in auffallend kleiner Schrifttype – darauf hingewiesen, dass der genannte Preis bei Zahlung mit Visa Entropay gilt, doch das ist leicht zu übersehen. Der Preis für andere Bezahlarten muss über den Zahlungsfilter auf der linken Seite in Erfahrung gebracht werden. Wählt der Kunde dort z. B. Mastercard und Visa Credit, schießt der Preis für den Bangkok-Flug um fast 50 Euro in die Höhe. Auf der letzten Seite ist im Feld »Kreditkartentyp « dann von »Ermäßigung pro Kartentyp « die Rede – Mastercard und Visa und andere Zahlarten sind dort mit € 0 gelistet, Visa Entropay und Viabuy Prepaid Mastercard mit einem Rabatt. Ein Indiz für versteckte Bezahlgebühren.

Unser Tipp: Das Zahlungsmittel nie vorab einstellen oder die Position »sonstige« oder »andere« wählen und die Zahlart erst am Ende der Buchungsstrecke festlegen. So lässt sich erkennen, ob sich der Preis nach Bekanntgabe der Kreditkarte erhöht.

Ein anderes »No-go« ist es, wenn der Kunde mittels farbiger, etwa grüner oder roter Buttons, zum Buchen teurerer Ticketvarianten und nicht gewünschter Serviceleistungen verführt werden soll. Die Schaltflächen indes, die zum ursprünglich gewünschten Ticket führen, werden in kleinerer Schrift oder hellen Tönen dargestellt, als solle man sie nicht wahrnehmen, wie es etwa bei Flugladen und Seat24 der Fall ist.

Die Preisunterschiede im Test sind größer als erwartet

Doch sind jene Portale, die die gesetzlichen Vorgaben bisher nicht umgesetzt haben, wirklich teurer als solche, die sich korrekt verhalten? Um das beantworten zu können, haben wir Probebuchungen für fünf gängige Destinationen durchgeführt, dabei waren Airline, Reisedaten und Flugzeiten für jedes Flugziel möglichst identisch. Bei den Flügen nach London, Barcelona und New York enthalten die Tickets keine Gepäckgebühren, bei den Flügen nach Bangkok und Sydney ist das Gepäck inklusive.

Ein eindeutiges Ergebnis gab es nicht. Nur so viel: Die »gebührenpflichtigen« Portale waren unterm Strich selten am günstigsten, die »gebührenfreien« lagen preislich oft im Mittelfeld. Der British-Airways-Flug von Frankfurt nach London war trotz zusätzlich 2 % Kreditkartengebühr mit € 132,54 bei Tripsta am günstigsten. Bei eDreams warf das System ein mit € 219,24 um 65 Prozent teureres Angebot aus. Den Delta-Flieger nach New York bot Flugladen uns für € 276,62 an, bei Fluege.de mussten wir am Ende € 471,78 berappen – ein Preisunterschied von 70 Prozent. Oft spielt dabei auch das Glück eine Nebenrolle: Denn wird der letzte Platz in der günstigsten Bu chungsklasse zwischendurch verkauft, ist der Preis beim nächsten Portal naturgemäß höher. Was auch vorkommt: Portal A hat sich bei der Airline oder beim Großhändler ein Kontingent gesichert, auf das Portal B keinen Zugriff hat.

Sitzplätze und Aufgabegepäck können teuer werden

Auch bei der Sitzplatzreservierung wird auf Unwissenheit gesetzt. Während sie direkt bei Lufthansa nur € 10 gekostet hätte, berechnet Opodo für die Auswahl der Plätze auf dem LH-Flug nach Barcelona € 18,90, Seat24 sogar € 23. Wer bei Seat24Sitzplätze für den Emirates-Flug nach Bangkok reserviert, zahlt für alle vier Flugsegmente € 188, für Plätze in den vorderen Sitzreihen sogar € 268. Direkt bei Emirates betragen die Kosten für den gesamten Flug indes maximal € 120, ein Preisunterschied von € 148.

Geld verdienen lässt sich auch mit den Gepäckgebühren. Mittlerweile werden fast alle innereuropäischen Billigtarife ohne Aufgabepäck verkauft, auch auf Transatlantikstrecken kommt das zunehmend in Mode. Normalerweise bucht man den Koffer bei der Ticketbuchung gleich mit. Das kann dann über Portale noch teurer werden als bei der Airline selbst: So verlangte beispielsweise Tripsta für den BA-Flug nach London fürs Gepäck € 86, direkt bei British Airways hätte der Koffer nur € 30 gekostet. Erstaunlich war, dass es längst nicht bei allen Portalen möglich war, Gepäck mitzubuchen – was sich rein von den Kosten aber offenbar als Vorteil erweisen kann. Dann muss man jedoch sein Gepäck nach der Ticketbuchung auf dem Portal online oder telefonisch direkt bei der Airline nachbuchen. Mittlerweile sind auch Low-Coster zahlreich auf den Portalen vertreten, die allerdings sollte man ohnehin besser über die Airline-Seiten buchen. Für Ryanair-Flüge beispielsweise wird eine Servicepauschale von bis zu € 20 berechnet, das Aufgabegepäck kostet nicht selten das Doppelte wie bei der Airline.

Der Erfindungsreichtum bei den Extras kennt keine Grenzen

Bei Bravofly war unter der Bezeichnung »Verkaufsschlager « für Bangkok zu allererst ein Werbeangebot zu finden, das rund € 170 teurer war als das günstigste. eDreams rückte ein Lufthansa- Angebot in den Mittelpunkt, das mit dem eigentlichen Preisvergleich gar nichts zu tun hat. Bravofly und Lastminute.de unterscheiden nach »Der Beste«, »Der Günstigste« und »Der Schnellste«, wobei die Liste mit den »Besten« – und somit zumeist das teurere Angebot – voreingestellt ist.

Expedia, eBookers und Last-Minute.com zeigen sich in ihrer Flugstrecke besonders auffällig an der Vermittlung weiterer touristischer Leistungen interessiert. Zu diesem Zweck werden in die Buchungsstrecke Hotel- und Mietwagenangebote eingespeist.

Versicherungspolicen werden durchweg von allen Portalen angeboten. Mal weniger aufdringlich, mal nervig mit Warnhinweisen und mehrmaligen Nachfragen. Fly.de, Fluege.com und STA Travel beschränken sich dabei auf Reise- und Rücktrittsversicherungen zu recht fairen Konditionen, andere schießen auch hier übers Ziel hinaus: Tripsta etwa bietet im Rahmen der Flugbuchung u.a. eine »Geld-zurück-Garantie« und eine Insolvenz-Versicherung für Airlines an. Beim Flug mit Qatar Airways nach Sydney machte das € 69,68 bzw. € 67,09 extra. Opodound eDreams geben im Umfeld der Rücktrittversicherung Hinweise, um den Kunden von der Notwendigkeit einer Versicherung zu überzeugen. Kostprobe: »Ich habe mir kurz vor der Reise den Knöchel verstaucht. Zum Glück war ich versichert. (Otto M., Berlin)«.

Wer die Reiseunterlagen per Post zugeschickt bekommen möchte, zahlt bei Fluege.de € 7,99 extra und bei Seat24 € 11,90 – ganz so teuer ist das Porto der Deutschen Post dann doch wieder nicht. Für eine Bordkarte per E-Mail nehmen Bravofly und Lastminute.de € 4. Seat24 verlangt für die gleiche Leistung sogar € 12, der Versand der Buchungsnummer per SMS kostet € 2,99, die Zusendung des Reiseplans aufs Handy € 3,50 und die Bestellung einer Sondermahlzeit € 5. Spaßeshalber haben wir am Beispiel Tripsta durchgerechnet, was der Flug mit Qatar Airways nach Sydney gekostet hätte, wenn wir jedes Serviceangebot, jede Zusatzleistung und alle verfügbaren Versicherungen mitgebucht hätten: Aus € 952,66 wurden am Ende € 1.337,55.

Die deutschen Wettbewerbshüter dürften es auch weiterhin schwer haben, den herbeigesehnten »Fairplay-Gedanken« durch Erlasse voranzutreiben, zu schwer ist der Zugriff auf die Portale, zu erfahren sind die Betreiber im Katz-und-Maus-Spiel. Dazu kommt, dass außer Fluege.de keines der großen Internetportale seinen Sitz in Deutschland hat. Bravofly und Lastminute. de gehören zur Schweizer Lastminute.com Group und damit nicht zur EU. Opodo residiert unter dem Dach von Opodo Limited brexitorientiert in London. Das Portal Tripsta S.A. ist in Griechenland zu Hause, Seat 24 in Finnland.

Am Ende landeten jene Portale vorn, die vor allem eines verkaufen – Flüge ohne Kreditkartengebühren. Die Buchungsstrecken von Fly.de und Fluege.com sind schlicht aufgemacht, die Userführung gut, die Versicherungen kosten nicht mehr als beim Versicherer. Punktabzüge gab es allenfalls bei der Preiswertigkeit, doch wer seine Nerven schonen möchte, muss offenbar bereit sein, ein wenig mehr auszugeben.

So haben wir getestet

> Unser Testteam hat die Preise für fünf klassische Destinationen mit derselben Airline und identischen Eckdaten ermittelt: a) Einstiegspreise, bezahlt mit einer x-beliebigen Zahlart und b) Normalpreise, gebucht mit gängigen Zahlarten wie Mastercard und Visa Credit.

> Geprüft wurde, ob die Flugportale die neue EU Zahlungsrichtlinie einhalten oder ob es weiter zu direkten oder indirekten Bezahlgebühren kommt.

> Getestet wurden ferner Userfreudlichkeit und Fairplay. Zudem wurde bewertet, welche Portale am günstigsten waren, was Umbuchungen und Stornierungen kosten, ob Telefonnummern auffindbar waren und in welcher Zeit der Telefonservice erreichbar war.

> Die Kriterien flossen in die Testnote mit unterschiedlicher Gewichtung ein: Bezahlgebühren (30 %), Preiswertigkeit (20 %), Userfreundlichkeit (30 %), Änderung der Buchung (10 %) und Erreichbarkeit (10 %

(REISE & PREISE 3-2018)
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