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Wer längere Flugzeiten angibt, kann sein Image in Sachen Pünktlichkeit aufpolieren

Wer längere Flugzeiten angibt, kann sein Image in Sachen Pünktlichkeit aufpolieren

Längere FlugzeitenFliegen Flugzeuge heute langsamer?

Der technische Fortschritt würde nahelegen, dass wir immer schneller ans Ziel fliegen. Doch der Trend geht gerade in die andere Richtung, weil Airlines lieber sparen.

Airlines würden das Thema gerne unter den Teppich kehren. Aber Verkehrsanalysten und Verbraucherorganisationen nehmen regelmäßig die Flugpläne unter die Lupe. So hat die unabhängige britische Konsumentenvereinigung “Which?” aktuell festgestellt, dass in diesem Jahr die angegebenen Flugzeiten bis zu 35 Minuten länger als noch vor zehn Jahren ausfielen. Von 125 untersuchten Flügen brauchten 76 mehr Zeit als früher. „Aber fliegen Flugzeuge heutzutage wirklich langsamer oder geben Fluglinien einfach längere Flugzeiten an?“, fragt sich der Verbraucherverein.

Besonders auffällig haben sich die Flugzeiten auf Kurzstrecken verlängert. So dauert mittlerweile ein Ryanair-Flug von London-Stansted nach Berlin-Schönefeld zehn Minuten länger als vor einer Dekade. Lahmer ist nur Easyjet, das sich einen erheblichen Teil der Berlin-Tegel-Slots von der insolventen Air Berlin gesichert hat. Von 26 Berlin-Flügen des britischen Billigfliegers benötigen 16 sogar 19 Minuten länger als ehedem. Auch die Lufthansa ist nicht schneller geworden. Seit über 30 Jahren fliegt sie die Strecke Hamburg - München in 1:15 Stunden. Für die Fernstrecke Frankfurt - New York (John-F.-Kennedy-Airport) gibt sie heute 8:45 Stunden an, 1987 waren es noch zehn Minuten weniger.

Die immer üppiger bemessenen Flugzeiten haben durchaus System. Damit bremsen die Flugunternehmen ihre Ausgaben in jeder Hinsicht. Das diesjährige Verspätungschaos kostet die Fluggesellschaften schließlich Millionen. Dem Fachmagazin Aerotelegraph zufolge macht der Anteil der Spritspesen rund 31 Prozent der Verspätungskosten aus. Können die Flieger nicht landen, müssen sie Warteschleifen drehen.

Noch teurer wird der Flug, wenn wegen zu viel Verkehr die Flugsicherung die Piloten anweist, in tieferen Zonen zu fliegen. Aufgrund des höheren Luftwiderstands verbrauchen die Maschinen dann erheblich mehr Kerosin. Allein bei der Lufthansa rechnet man laut Aerotelegraph für diesen Fall mit rund 9000 Tonnen zusätzlichem Treibstoff. Da kommt schnell ein Betrag von über sechs Millionen Euro zusammen – in einem Jahr.

Um Treibstoff zu sparen, fliegt deswegen auch kein Pilot mehr Höchstgeschwindigkeit. Liegt er nicht im Zeitplan, gibt er kein Vollgas. Stattdessen segeln die Flugzeuge mit möglichst viel Rückenwind entlang günstiger Jetwinde energiesparend ihren Zielen entgegen – ähnlich, wie ein Autofahrer im Windschatten eines Lasters bei 100 Stundenkilometern über die Autobahn fährt. Letztendlich dauert die Flugreise nur ein paar Minuten länger, aber die Kerosinrechnung fällt am Ende des Jahres spürbar niedriger aus.

Ein dickeres Zeitpolster hat jedoch im fliegenden Gewerbe noch andere Vorteile. Es hilft entscheidend dabei, nicht den gesamten präzise aufeinander abgestimmten Zeitplan aller Flüge einer Airline durcheinander zu bringen, wenn ein Flug sich verspätet. „Airlines basteln immer ein wenig an der Flugzeit herum, damit sie mehr Spielraum haben“, erklärt Keith Mason, Professor für Luftverkehr an der englischen Cranfield University.

Längere Flugzeiten bieten darüber hinaus weitere Vorzüge. So kam im vergangenen Jahr die Hong Kong Airlines unter die ersten fünf der pünktlichsten Fluglinien der Welt. Über 90 Prozent aller Flüge landeten innerhalb von 15 Minuten der angegebenen Zeit. Das imagefördernde Ranking war allerdings das Ergebnis eines großzügig bemessenen Zeitpolsters, das Tang King-Shing, Vizepräsident des Unternehmens, so beschrieb: „Wir haben erkannt, dass Pünktlichkeit ein Problem ist, deswegen haben wir mehr Zeit für bestimmte Flüge eingeplant.“

Noch etwas haben die Airlines zu ihren Gunsten entdeckt: Wer längere Flugzeiten angibt, kann nicht nur jede Menge Kerosin sparen und sein Image in Sachen Pünktlichkeit aufpolieren. Er erspart sich auch jede Menge Regressansprüche, auf die Passagiere bei Verspätungen Anspruch hätten.

(10.09.2018, srt)

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