
Das Weiß der Kirschblüte vor der Kulisse der Extremadura. Foto: MANCOMUNIDAD VALLE DEL JERTE
Das Jerte-Tal: Spaniens spektakulärste Blütezeit
Das Spektakel der Kirschblüte
Dieses Naturereignis gilt als touristisches Highlight der Region und ist weit mehr als ein schöner Anblick: Seit den 1970er-Jahren verbindet es die elf Gemeinden des Tals in einem gemeinsamen Fest der Gemeinschaft. Die Blüte verläuft stufenweise. Zunächst öffnen sich die Knospen in den tiefer gelegenen, wärmeren Zonen, dann wandert das weiße Band langsam hinauf bis zum Puerto de Tornavacas. So lässt sich das Schauspiel rund zwei Wochen lang erleben – meist zwischen Ende März und Anfang April. Der Ablauf folgt dabei drei Etappen: dem Erwachen des Tals, der eigentlichen Kirschblüte und schließlich dem Blütenregen, der den Übergang zur Ernte der begehrten Picota-Kirschen einleitet.

Die Picota-Kirsche aus dem Valle del Jerte ist besonders aromatisch, fest im Fruchtfleisch und wird traditionell ohne Stiel geerntet – ein geschütztes Qualitätsprodukt der Region. Foto: MANCOMUNIDAD VALLE DEL JERTE
Natur pur: Wasser und Granit
Hinter den Bäumen ist Jerte ein Wasserschrein. Die Schneeschmelze von Gredos speist eine unendliche Vielzahl von Wasserfällen und Schluchten:
- Naturschutzgebiet Garganta de los Infiernos: Das Herzstück sind Los Pilones, 13 mächtige, über Jahrtausende in den Granit geschliffene Strudeltöpfe, die sich zu natürlichen Becken mit glasklarem Gebirgswasser formen.

Los Pilones im Naturschutzgebiet Garganta de los Infiernos beeindrucken mit ihren glatt geschliffenen Felsbecken und klaren Gebirgswassern – ein Naturwunder im Herzen des Jerte-Tals. Foto: MANCOMUNIDAD VALLE DEL JERTE
- Schlucht Garganta de las Nogaledas: In Navaconcejo kann man auf einem Wanderweg sieben aufeinanderfolgende Wasserfälle inmitten einer üppigen Vegetation aus Eichen und Erlen bewundern.
- Aktivtourismus: Mit ihrem privilegierten Mikroklima bietet die Region 26 Wanderwege und 8 Mountainbike-Strecken.
Architektur, Kultur und der Geschmack der Tradition
Jenseits seines weißen Blütenkleids präsentiert sich das Jerte-Tal als lebendiges Freilichtmuseum voller Geschichte und kulinarischer Traditionen. Ein Rundgang durch die historischen Ortskerne von Cabezuela del Valle – als kunsthistorisches Ensemble ausgezeichnet – oder durch Tornavacas führt durch enge Gassen, vorbei an Häusern aus Stein, Lehm und Holz, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.

Historische Häuser in Cabezuela del Valle und Tornavacas – Fachwerk, Stein und enge Gassen erzählen von der langen Geschichte des Jerte-Tals. Foto: MANCOMUNIDAD VALLE DEL JERTE
Wer die Identität der Region wirklich verstehen möchte, besucht am besten ihre Informationszentren: das Kirschmuseum in Cabezuela del Valle, das die Tradition und Wirtschaftsweise rund um die Kirsche dokumentiert, sowie das Jarramplas-Museum in Piornal, das einer der eindrucksvollsten und zugleich rätselhaftesten Festtraditionen Spaniens gewidmet ist. Auch kulinarisch zeigt sich das Tal bodenständig und aromatisch: Die „Caldereta Extremeña“ ist ein traditioneller, langsam geschmorter Eintopf – meist mit Lamm- oder Ziegenfleisch, Paprika, Knoblauch, Lorbeer und regionalem Olivenöl zubereitet. Dazu kommen in alten Keltereien handwerklich gebrannte Kirschliköre sowie die frischen, aromatischen Kirschen der Saison.
Abenteuer und unendliche Ausblicke
Für Adrenalinjunkies ist das Tal ein riesiger Natur-Freizeitpark. Seine Orografie ermöglicht aktive Tourismusaktivitäten wie Canyoning in seinen Schluchten, Kajaktouren auf seinen kristallklaren Gewässern, Abenteuerparcours zwischen Bäumen, Klettern und Geländewagentouren.

Wasserfall im Valle del Jerte – gespeist von den klaren Gebirgsbächen stürzen hier zahlreiche Kaskaden durch Granitfelsen und prägen die wilde Landschaft des Tals. Foto: MANCOMUNIDAD VALLE DEL JERTE
Wer das Schauspiel lieber in Ruhe und mit Abstand betrachtet, findet im Tal zahlreiche strategisch gelegene Aussichtspunkte. Von markanten Plätzen wie dem Mirador de la Memoria in El Torno oder vom Puerto de Tornavacas eröffnen sich eindrucksvolle Panoramablicke auf die Blüte. Hier wird die Dimension dieses besonderen Tals deutlich, in dem über Generationen eine Terrassenlandschaft entstanden ist – geformt durch das Zusammenspiel von Natur und menschlicher Arbeit und bis heute von beeindruckender Harmonie.

Fast 2 Millionen Kirschbäume kann man im Jerte-Tal bewundern Foto: MANCOMUNIDAD VALLE DEL JERTE
Tipps für die Anreise ab Madrid:
Mit dem Auto:
Das Jerte-Tal in der Provinz Cáceres erreichen Sie von Madrid aus in rund 2 Stunden und 45 Minuten. Am bequemsten fahren Sie zunächst über die A-5 bis Navalmoral de la Mata, wechseln dort auf die EX-A1 Richtung Plasencia und folgen anschließend der N-110. Diese Panoramastrecke führt direkt durch das gesamte Jerte-Tal und bietet bereits unterwegs schöne Ausblicke auf die Berg- und Kirschlandschaft.Mit dem Bus:
Es gibt direkte Busverbindungen von der Estación Sur de Autobuses in Madrid ins Valle del Jerte (z. B. Valdastillas bzw. Jerte). Die Busse verkehren in der Regel mehrmals täglich und die Fahrtzeit beträgt ca. 3 Stunden und 15 Minuten. Der Preis liegt pro Stecke bei ca. 13-21 Euro.
WEITERE INFORMATIONEN ÜBER DAS JERTE-TAL:
https://primaveraycerezoenflor.blogspot.com/
https://www.turismovalledeljerte.com//
(27.02.2026,ga)