
1.322 km Ringstraße verbinden Islands Regionen Foto: Josh Reid/unsplash
Island Camper mieten: Tipps für eine unvergessliche Wohnmobilreise
Gleichzeitig stellt Island besondere Anforderungen an die Reiseplanung: wechselhaftes Wetter, unterschiedliche Straßentypen, saisonale Einschränkungen und klare Regeln zum Campen verlangen etwas Vorbereitung. Dieser Artikel liefert Ihnen die wichtigsten Informationen, damit Sie Ihre Camper-Reise realistisch planen und entspannt genießen können.
Warum ein Camper ideal ist, um Island zu erkunden
Island ist ein Land, das sich im wechselnden Licht ständig verändert – und ein Camper gibt Ihnen die Möglichkeit, genau in diesem Rhythmus zu reisen. Wenn die Sonne um Mitternacht durch die Wolken bricht, können Sie spontan anhalten und den Moment genießen. Wenn sich das Wetter dreht, fahren Sie einfach weiter in eine andere Region. Diese Unabhängigkeit ist der größte Vorteil gegenüber festen Hotelrouten, bei denen Tagesabläufe und Übernachtungsorte vorab feststehen.
Hinzu kommt, dass viele der eindrucksvollsten Orte Islands abseits größerer Siedlungen liegen. Zwischen Reykjavík und Akureyri gibt es lange Abschnitte, in denen Unterkünfte rar oder weit im Voraus ausgebucht sind. Mit einem Wohnmobil entfällt die Suche nach Verfügbarkeit – Küche, Bett und Schutz vor Wind sind immer dabei. Das spart nicht nur Zeit, sondern ermöglicht ein intensiveres Naturerlebnis: Man ist näher an der Landschaft, wacht mit dem Blick auf Lavafelder oder Fjorde auf und gestaltet jeden Tag nach eigenem Tempo.

Blick auf Islands Hauptstadt Reykjavík Foto: Depositphotos
Das bedeutet nicht, dass eine Hotelreise durch Island weniger wert wäre. Es sind unterschiedliche Reiseformen mit verschiedenen Vorzügen. Der Camper ist vor allem dann die passende Wahl, wenn Sie Wert auf Spontanität, Naturverbundenheit und Flexibilität legen.
Was Sie vor dem Mieten beachten sollten
Saisonalität und Tageslicht
Island hat kein einheitliches Reiseklima. Die Bedingungen zwischen Dezember und Juli könnten kaum unterschiedlicher sein. Im Hochsommer erleben Sie fast 24 Stunden Tageslicht, was längere Fahretappen und spontane Abstecher ermöglicht. Die Monate Juni bis August bieten die höchsten Durchschnittstemperaturen von etwa 10 bis 13 Grad sowie die niedrigste Regenwahrscheinlichkeit. Allerdings sind in dieser Zeit Campingplätze und Straßen deutlich voller.
Der Mai und September gelten als attraktive Randmonate: weniger Betrieb, oft angenehmes Wetter und im September bereits die Möglichkeit, Nordlichter zu sehen. Im Winter dagegen schränken Dunkelheit, Kälte und häufig gesperrte Straßen die Camper-Reise erheblich ein. Wer im Winter reist, sollte zwingend Erfahrung mit winterlichen Straßenverhältnissen mitbringen und ein entsprechend ausgestattetes Fahrzeug wählen.
Wetter und Wind als Planungsfaktor
Das Wetter in Island kann sich innerhalb von Minuten grundlegend ändern. Eine Region, die morgens unter strahlendem Himmel lag, kann nachmittags von Sturmböen und Regen betroffen sein. Für die Reiseplanung bedeutet das: Tages- und Fahretappen sollten nie zu knapp kalkuliert sein. Statt einen festen Zeitplan abzuarbeiten, lohnt sich ein flexibler Rahmen mit genügend Puffer.
Besonders der Wind verdient Beachtung. Sturmböen können Fahrzeuge spürbar ins Schlingern bringen, Fahrzeugtüren beschädigen und die Fahrt auf exponierten Strecken gefährlich machen. Die isländische Wetterbehörde (vedur.is) und die Straßenverwaltung (road.is) bieten aktuelle Informationen, die zur täglichen Routine gehören sollten.
Straßentypen und realistische Fahrzeiten
Die Ringstraße (Route 1) ist durchgehend asphaltiert und mit jedem Fahrzeug befahrbar. Doch schon wenige Kilometer abseits der Hauptroute ändert sich das Bild: Schotterstraßen, einspurige Brücken, ungesicherte Kuppen (auf Schildern als „Blindhaeð“ gekennzeichnet) und plötzliche Übergänge von Asphalt auf Schotter gehören zum Fahralltag. Was auf der Karte wie eine kurze Strecke aussieht, kann in der Realität deutlich länger dauern.
Planen Sie daher großzügige Zeitpuffer ein und setzen Sie Prioritäten bei Ihren Etappen, anstatt möglichst viele Stationen in einen Tag zu pressen. Eine gute Faustregel: Rechnen Sie mit deutlich weniger Kilometern pro Tag, als Sie es von mitteleuropäischen Straßen kennen. Wer die Reiseplanung als flexiblen Rahmen statt als starre Checkliste begreift, wird Island deutlich entspannter erleben.
Wohnmobil mieten in Island – Das sollten Sie wissen
Fahrzeuggröße: Komfort vs. Wendigkeit
Die Wahl des richtigen Fahrzeugs hängt stark von der geplanten Route und der Reisegruppe ab. Größere Wohnmobile bieten mehr Platz, Komfort und oft eine eigene Dusche – sind aber bei starkem Wind deutlich schwieriger zu handhaben und auf engen Straßen weniger wendig. Kompakte Campervans sind leichter zu fahren, benötigen weniger Parkraum und eignen sich besser für schmale Zufahrten, bieten dafür weniger Wohnfläche.
Grundsätzlich gilt: Für eine Reise ausschließlich auf der Ringstraße reicht ein Fahrzeug mit Zweiradantrieb. Sobald Sie jedoch ins Hochland oder auf abgelegene Pisten möchten, ist ein Allradfahrzeug (4×4) zwingend erforderlich. Die meisten Vermieter bieten beide Varianten an, und es lohnt sich, die Fahrzeugkategorien frühzeitig zu vergleichen. Eine Übersicht verschiedener Fahrzeugtypen und deren Eignung für Islands Bedingungen finden Sie unter Camper mieten in Island.
F-Roads: Hochlandpisten mit besonderen Anforderungen
Die sogenannten F-Roads sind unbefestigte Hochlandpisten, die zu einigen der spektakulärsten Orte Islands führen. Sie sind in der Regel nur von Juli bis Mitte September geöffnet und dürfen ausschließlich mit allradgetriebenen Fahrzeugen befahren werden. Wer mit einem gewöhnlichen Camper ohne Allrad auf eine F-Road fährt, riskiert nicht nur Fahrzeugschäden, sondern haftet im Schadensfall vollständig selbst.
Nicht jede F-Road stellt die gleichen Anforderungen. Manche, wie die Route 35 (Kjölur), sind mit einem kleineren 4×4 machbar, während andere Strecken Flussdurchquerungen beinhalten und nur mit größeren Geländefahrzeugen sicher zu bewältigen sind. Offroad-Fahren abseits der markierten Pisten ist in ganz Island streng verboten, um die empfindliche Vegetation zu schützen. Das staatliche Straßenbauamt veröffentlicht im Sommer regelmäßig aktualisierte Karten mit den geöffneten Hochlandstrecken.
Verkehrsregeln und Besonderheiten
Einige Verkehrsregeln in Island unterscheiden sich von denen in Mitteleuropa. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt innerorts 50 km/h, auf Landstraßen 80 km/h und auf asphaltierten Überlandstraßen 90 km/h. Abblendlicht ist auch tagsüber Pflicht, es gilt eine strikte Null-Promille-Grenze und Anschnallpflicht für alle Insassen. Frei laufende Schafe haben immer Vorrang – besonders im Herbst, wenn die Tiere von den Hochlandweiden zurückgetrieben werden.
Viele Brücken außerhalb der Ringstraße sind nur einspurig. Hier gilt: Wer näher an der Brücke ist, hat Vorfahrt. Trotzdem empfiehlt es sich, Blickkontakt mit dem entgegenkommenden Fahrzeug aufzunehmen und im Zweifel zu warten. Das Tankstellennetz ist entlang der Ringstraße ausreichend dicht, in abgelegeneren Regionen sollten Sie jedoch rechtzeitig tanken. Die meisten Tankstellen akzeptieren Kreditkarten an Selbstbedienungsautomaten.

Einspurige Brücken sind keine Seltenheit Foto: Depositphotos
Tipps für die Reiseplanung mit dem Camper
Route und Tagesetappen
Die meisten Camper-Reisenden orientieren sich an der Ringstraße, die auf rund 1.322 Kilometern einmal um die Insel führt. Für die reine Ringstraße sind sieben bis zehn Tage ein realistischer Rahmen, wenn Sie genügend Zeit für Wanderungen, Fotostopps und spontane Abstecher einplanen. Wer zusätzlich die Westfjorde oder das Hochland erkunden möchte, sollte mindestens 14 Tage einplanen.
Planen Sie die grobe Route vorab, doch lassen Sie sich Spielraum für Spontanes. Viele der schönsten Momente einer Island-Reise ergeben sich unterwegs: ein unerwarteter Wasserfall, ein Aussichtspunkt, den kein Reiseführer erwähnt, oder ein Gespräch mit anderen Reisenden auf einem Campingplatz. Versuchen Sie, täglich nicht mehr als 200 bis 250 Kilometer einzuplanen – auf Islands Straßen entspricht das oft einem vollen Reisetag.
Übernachten: Campingplätze als sichere und naturverträgliche Lösung
Wildcampen mit dem Wohnmobil ist in Island generell nicht gestattet. Ausgewiesene Campingplätze sind über die gesamte Insel verteilt, die meisten sind von Mai bis September geöffnet und bieten Toiletten, Duschen und teils Stromanschlüsse. Einige Plätze verfügen zusätzlich über Küchen, Grillplätze oder sogar Hot Tubs.
In der Hochsaison können beliebte Campingplätze ab dem späten Nachmittag voll sein. Wer sicher einen Platz haben möchte, sollte rechtzeitig ankommen oder vorab reservieren, wo dies möglich ist. Die Camping Card bietet auf vielen Plätzen ein günstiges Pauschalangebot und kann sich bei längeren Reisen lohnen. Informieren Sie sich vor der Reise über die verfügbaren Campingplätze entlang Ihrer geplanten Route.
Tägliche Wetter- und Straßenchecks
Ein kurzer Blick auf vedur.is (Wettervorhersage) und road.is (Straßenzustände) sollte zur morgendlichen Routine gehören. Beide Portale sind auf Englisch verfügbar und zeigen verlässlich an, welche Strecken befahrbar sind und wo Sturmwarnungen gelten. Auf Basis dieser Informationen können Sie Ihre Tagesetappe entspannt anpassen – statt überrascht zu werden, planen Sie bewusst um.
Praktisches für unterwegs
Unabhängig von der Jahreszeit gehören wind- und regenfeste Kleidung, warme Schichten und festes Schuhwerk ins Gepäck. Eine Schlafmaske ist im Sommer bei fast durchgehendem Tageslicht empfehlenswert, ein guter Schlafsack auch in den Sommermonaten, da die Nächte empändlich kühl werden können. Leitungswasser ist in Island nahezu überall trinkbar und von hervorragender Qualität – wiederverwendbare Flaschen mitzunehmen spart Geld und Verpackungsmüll. Eine Sonnenbrille schützt nicht nur vor Sonnenlicht, sondern auch vor Blendung durch Schnee, der selbst im Sommer in höheren Lagen liegen kann.
Mit Vorbereitung zur entspannten Camper-Reise durch Island
Eine Reise mit dem Wohnmobil durch Island verbindet Freiheit und Naturerlebnis auf eine besondere Weise – vorausgesetzt, die Vorbereitung stimmt. Wer sich vorab mit den Straßenverhältnissen, der Saisonalität, den Übernachtungsregeln und den Besonderheiten des isländischen Wetters vertraut macht, kann die Weite der Insel entspannt und bewusst genießen.
Denn gerade bei dieser Reiseform gilt: Eine gute Reiseplanung macht die Freiheit unterwegs erst wirklich angenehm. Island belohnt diejenigen, die mit Offenheit und Respekt vor der Natur reisen – und der Camper ist dabei das Werkzeug, das diese Erfahrung möglich macht.
(10.02.2026,ga)