
Wenig Lifte, große Aussicht: Blick vom Grouse Mountain auf Vancouver. Foto: Hubert Kang/Destination Vancouver/Kindred & Scout/dpa-tmn
Wintersport in Kanada Lichter und Fjorde: Starke Aussichten von Vancouvers Pisten
«Ist das nicht einzigartig?», fragt Luisa Staudt, als die Dämmerung über den Grouse Mountain hereinbricht. 1.231 Meter hoch über Vancouver steht die junge Skilehrerin aus Deutschland an der Bergstation des Peak-Sessellifts und zeigt hinunter ins Tal. Der Blick schweift über verschneite Pisten und weiß gezuckerte Tannen. Unten glitzern die Wellen des Burrard Fjords im Abendlicht, dahinter leuchtet Vancouvers Hochhaus-Skyline, die sich markant vor den umliegenden Bergen abzeichnet.
Skifahren mit Meerblick und einer Metropole vor der Haustür - das gibt es nicht so oft auf diesem Planeten. «So schön gibt es das nur in Vancouver», sagt Luisa. Die imposanten Bergwelten, die hohe Schneesicherheit und der berühmte Powder genannte Pulverschnee ziehen Skifahrer und Snowboarder aus der ganzen Welt in den Westen Kanadas.
Gleich drei Skigebiete mit Meerblick aber gibt es in Vancouver: Cypress Mountain, Mount Seymour und eben Grouse Mountain. Was erwartet Wintersportlerinnen und Wintersportler?
Grouse Mountain: Entspanntes Cruisen in Vancouver
Grouse Mountain ist ein kleines Skigebiet mit gut einer Handvoll Liften und 33 Abfahrten. Ein paar sind durchaus anspruchsvoll, die meisten Pisten aber leicht oder mittelschwer. Ideal für den Skiunterricht von Luisa, die, wie viele Deutsche, nach der Schule für eine Saison zum Jobben und Reisen nach Kanada gekommen ist.
Kleine Skifahrer finden am Grouse Mountain ideale Bedingungen für ihre ersten Schwünge im Schnee. Ihre Eltern treffen sich währenddessen zu einem Snack im Peak Chalet - oder schnallen selbst die Bretter an.
Der Grouse Mountain ist Outdoor-Spielplatz, Aussichtsplattform und sozialer Treffpunkt in einem. Viele kommen von Vancouver aus schnell für ein paar Abfahrten vorbei. «Oder sie kommen nach der Arbeit zum Night Skiing», sagt Luisa. Dann sind die Hänge hell beleuchtet und noch gut die Hälfte der Abfahrten geöffnet.
Après-Ski in Downtown
Mit Nachtskifahren punktet auch Cypress Mountain oberhalb von West Vancouver. Tatsächlich rühmt man sich dort damit, über das größte Nachtskigebiet im Westen Kanadas zu verfügen.
Die Großstädter zieht es nach Feierabend auf den Berg, die «Bergler» nach Downtown. «Nach Dienstschluss fahre ich oft mit meinen Kollegen auf einen Drink oder zum Essen in die Stadt», erzählt Luisa.
Anders als kleine Skiorte bietet Vancouver unendlich viel Abwechslung. «Am liebsten gehen wir in den Gastown-Bezirk in Downtown oder nach Granville Island», sagt sie. Après-Ski vor einer Hochhauskulisse mit Blick auf Pazifik-Fjorde sei einfach etwas ganz anderes.
Vancouver Island: Vom Surfboard aufs Snowboard
Wenn es um den Sport selbst geht, biete Vancouver allerdings spektakulärere Skigebiete, sagt Luisa. Eins davon sogar mit Meerblick.
Westlich der Metropole schützt Vancouver Island das dicht besiedelte Festland vor den gerade im Winter oft meterhoch heranrollenden Wellen des Ozeans. Dort tauschen die Beach-Girls und -Boys vom Surferhotspot Tofino ihre Surfbretter im Winter gegen Tiefschnee-Ski oder Snowboards und «surfen» die Hänge des Mount Washington Alpine Resorts ab.
Nicht selten vermeldet man dort die stärksten Schneefälle des Landes. Spielt das Wetter mit, reicht der Blick vom Skigebiet über die Strait of Georgia bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Coast Mountains.
Ocean-View rund um Whistler
Nördlich von Vancouver liegt Kanadas Skigebiet Nummer eins: Whistler. Von Downtown sind es mit dem Auto über den Sea-to-Sky-Highway nur zwei Stunden nach Whistler, wo 2010 viele Wettbewerbe der Olympischen Winterspiele von Vancouver stattfanden. Entlang der Küstenstraße schlängeln sich die Pazifik-Fjorde tief hinein in die bizarren Coast Mountains, die für Skitourengeher ein Paradies sind.
Mit Meerblick kann Whistler allerdings nicht dienen - es sei denn, man steigt zum Heliskiing in einen Hubschrauber. Bei der exklusivsten Form des Skifahrens und Snowboardens fliegt ein Helikopter die Wintersportler zu unberührten Tiefschneehängen mitten in der Wildnis. Ein Guide weist den Freeridern anschließend den Weg durch die Winterwunderwelt.
Übrigens: Heliskiing wurde vor rund 60 Jahren in British Columbia erfunden. Mittlerweile gibt es Dutzende Anbieter und einige wenige bieten sogar Heliskiing mit Meerblick an. Dazu zählt neben Bella Coola und Last Frontier auch Tyax Lodge & Heliskiing in der Nähe von Whistler.
Das riesige Areal von Tyax ist zehnmal größer als Les 3 Vallées in Frankreich, das größte Skigebiet Europas. Ganz im Westen stößt das Gebiet fast an den Pazifik.
Links, Tipps, Praktisches:
Beste Reisezeit: Die Skisaison in der Region dauert von Ende November bis Anfang April.
Anreise: Aus Deutschland gibt es Direktflüge nach Vancouver, etwa von Frankfurt oder München aus. EU-Bürger benötigen einen gültigen Reisepass und eine elektronische Reisegenehmigung (eTA). In Vancouver gibt es Unterkünfte in allen Preisklassen.
Skifahren: Eine Tagesskikarte für Erwachsene am Grouse Mountain (grousemountain.com) ist ab 82 kanadische Dollar, ein Abendticket ab 18 Uhr für 29 kanadische Dollar zu haben - umgerechnet rund 50 bzw. 18 Euro. Tagestickets im viel größeren Skigebiet Whistler Blackcomb (whistlerblackcomb.com) kosten im Vorverkauf ab 143 kanadische Dollar (88 Euro), an der Tageskasse deutlich mehr. Ein Viertages-Heliskiing-Paket bei Tyax Lodge und Heliskiing (tyax.com) kostet 12.900 kanadischen Dollar (7.970 Euro).
Weiterführende Informationen: supernaturalbc.com







