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Der prachtvolle Canal Grande mit der Chiesa Santa Maria della Salute

Der prachtvolle Canal Grande mit der Chiesa Santa Maria della Salute

REISEBERICHT ITALIEN Die Lagunenstadt Venedig fasziniert immer wieder

Aufsehen erregende neue Ausstellungen und Museen eröffnen quasi im Monatstakt. Und auch beim Schlendern durch die stillen, fast dörflichen Ecken kommt man immer wieder ins Staunen. Insbesondere außerhalb der Hochsaison.

»Venezia«, sage ich zu meiner Vermieterin, als wir gemeinsam zur Bar gehen, sei doch ein piccolo paese, ein kleines Dorf. Nein, lacht sie, »è un paesino!« – ein Dörfchen –, nachdem sie auf etwa 100 Metern Wegstrecke die achte Person herzlich begrüßt hat. »Die meisten kenne ich noch aus der Schule«, erzählt sie mir dann bei Caffè und Cornetto, denn so groß sei Venedig ja nun wirklich nicht. Das ist wohl wahr, die Lagunenstadt zählt gerade noch 54.000 Einwohner. Es sind die Besuchermassen, die die Stadt aufblähen, das babylonische Stimmengewirr an der Rialto-Brücke, der x-te Stau an einem neuralgischen Fußgängerknotenpunkt, die vielen Kreuzfahrttouristen, deren Riesenschiffe am Markusplatz vorbeiziehen. Das nervt selbst die freundlichgeduldigen Venezianer, die die tagtägliche Invasion ansonsten gelassen hinnehmen und in die Seitengassen ausweichen.

Verlässt man die Hauptverkehrsadern, oft nur um wenige Schritte, und verliert sich in den verwinkelten Gassen von Dorsoduro, Castello oder Cannaregio, dann findet man schnell das Venedig, in dem sich die Nachbarn noch aus der Schule kennen und auf einen Caffè oder ein Glas Wein in der Bar um die Ecke treffen: Das ganz normale Venedig eben, das aber doch an jeder Ecke beweist, wie einzigartig es ist. Die Stadt ist ein hochkarätig besetztes Freiluftmuseum mit einer Fülle an Kunstschätzen. Keine noch so einfache Kirche, die nicht von Tizian, Tintoretto oder Veronese ausgemalt wurde, kaum ein Museum, in dem nicht irgendwas von Weltrang hängt. Und im Sommer, mit der Biennale, dreht die Stadt sowieso nochmal so richtig auf in Sachen Kultur.

Dogenpalast und Markuskirche sind natürlich ein Muss. Die meisten Touristengruppen kommen erst nach 9 Uhr, und wer kann, sollte unbedingt ein bisschen früher aufstehen. Vom Piazzetta, dem kleinen Platz am Wasser, bietet sich ein herrlicher Blick auf das Becken von San Marco, die Insel San Giorgio Maggiore, die Punta della Dogana und die Chiesa della Salute sowie natürlich auf die Lagune selbst. Zwischen den beiden Säulen Richtung Meer hindurchzugehen soll aber übrigens Unglück bringen, denn hier ließ die Dogenrepublik jahrhundertelang ihre zum Tode Verurteilten hängen. Und dann nichts wie raus aus dem Getümmel und das stillere Venedig entdecken. Ganz ohne Touristen ist die Stadt natürlich nicht zu haben. Aber ein bisschen ruhiger, das geht schon.

Reise-Planung Venedig

CANNAREGIO UND CASTELLO - Facettenreiche Stadtviertel

Auf der Nordseite des Canal Grande, der die Stadt ja quasi in zwei Hälften teilt, liegen die beiden größten Stadtteile Venedigs. Cannaregio – grob zwischen Bahnhof und Kirche SS. Giovanni e Paolo gelegen – ist vielerorts ein eher einfaches, bescheidenes Wohnviertel geblieben. Lediglich nahe dem Canal Grande und im ehemaligen jüdischen Viertel spielt sich der Tou - rismus ab. Venedigs jüdisches Ghetto war das älteste der Welt. Heute wohnen hier nur noch wenige Juden, aber es gibt mehrere Synagogen und koschere Geschäfte. Die hier etwas breiteren Wasserstraßen lassen schnell ein Gefühl von Weite in der sonst oft recht engen Stadt aufkommen. Noch weiter wird die Aussicht auf die nördliche Lagune und die Inseln von der Fondamenta Nuove am nördlichen Ufer von Cannaregio.

Castello ist der größte der sechs historischen Stadtteile. Geprägt war er über die Jahrhunderte vom Arsenale, dem Militärhafen der Seemacht Venedig, der in Teilen noch immer Sitz der italienischen Marine ist. Nur während der Biennale im Sommer ist das Areal zumindest teilweise zugänglich. Während im westlichen Castello bis zur Markuskirche das touristische Leben tobt, wird es in östliche Richtung idyllisch, geradezu dörflich ruhig, ideal zum Herumschlendern und Entdecken.

€€ Das freundliche »Hotel Bernardi« bei Booking.com buchen in Cannaregio gleich bei der Strada Nuova hat eine super Lage (www.hotelbernardi.com).

€€€ Gepflegte Zimmer in ruhiger Lage in einem Palazzo am Campo S. Giovanni Novo in Castello hat die »Locanda Casa Querini« bei Booking.com buchen (www.locandaquerini.com)

DORSODURO UND LA GIUDECCA - Kunstmuseen von Weltrang

Der »harte Rücken«, so die wörtliche Übersetzung von Dorsoduro, hat seinen Namen von dem relativ festen Untergrund, auf dem dieser Stadtteil gebaut wurde. Zur Canal-Grande-Seite hin beeindruckt Dorsoduro mit hochkarätigen Museen von Weltrang wie der Accademia (Eintritt € 15), dem Peggy-Guggenheim-Museum (€ 15) und der Punta della Dogana (€ 18) an der Landspitze mit wunderbarem Ausblick hinüber nach San Marco. Ein aussichtsreicher Spaziergang führt von hier am Wasser entlang zu den Zattere, der südlichen Flanierpromenade Venedigs, wo man länger als anderswo in der Stadt beim Aperitivo noch gemütlich in der Sonne sitzen kann.

Der Canale della Giudecca trennt Dorsoduro von La Giudecca, der handtuchschmalen, aber lang gestreckten Insel. Erst ein Kloster, später Fabriken und Handwerksbetriebe prägten einst die Insel, heute wird die Uferpromenade durch zahlreiche Bars und Restaurants am Wasser belebt. In den letzten Jahren hat sich La Giudecca zum beliebten Wohnviertel bei internationalen Künstlern entwickelt. Dank optimaler Verkehrsanbindung (mit Vaporetto-Linien 2 und 4.1 in wenigen Minuten zu San Marco) ist die Giudecca auch als Übernachtungsstandort bestens geeignet.

€€ Das »Generator Hostel« bei Booking.com buchen in Giudecca ist jung, hip, urban, rund um die Uhr geöffnet, bietet ein günstiges Restaurant (Gerichte um € 10, Cocktails € 8) und jede Menge Unterkunft in den drei Stockwerken eines modernisierten Getreidespeichers (www.generatorhostels.com).

LUXUS Ehemals Getreidemühle, heute ein Hotel wie eine Burg, mit Pool auf dem Dach und diversen Restaurants: das »Hilton Molino Stucky Venice« Pauschalreise buchenin Giudecca (www.hilton.com).

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BURANO UND TORCELLO - Ausflug zu den Inseln der Lagune

Rund 40 Minuten lang tuckert man mit dem Vaporetto (Linie 12 ab Fondamente Nove) durch die flache Lagune nach Nordosten, vorbei am Inselfriedhof San Michele, der Glasbläserinsel Murano, Sandbänken und winzigen Eilanden, die nur von Vogelkolonien bewohnt sind. Die Fischerinsel Burano mit ihren quietschbunten Bilderbuchhäuschen bietet Fotografen farbenprächtige Moive und ist im Sommer natürlich ein Ausflugsziel par excellence. Berühmt ist die Insel auch für ihre filigranen Spitzenstickereien, die im Museo del Merletto am Hauptplatz ausführlich gewürdigt werden (Piazza Galuppi 187, 10-17 Uhr geöffnet, Mo geschlossen, € 5) und in diversen Souvenirshops zu erwerben sind.

 TIPP  Die »Trattoria Da Romano« hat einen historischem Speisesaal, in dem sich einst die Spitzenklöpplerinnenschule Buranos befand. Kellner der alten Schule servieren hervorragende Zuppa di pesce sowie Frittura di Nonna Grigia – frittierte Fischplatte (Sonntagabend und Di geschlossen, Via S. Martino Destra 221, 041-730030).

Kaum fünf Minuten sind es mit dem Vaporetto von Burano weiter zur etwas verwilderten Nachbarinsel Torcello, dem ältesten Siedlungsgebiet der Lagune, das schon im 7. Jh. bewohnt war. Ein netter Spaziergang führt von der Anlegestelle am Kanal entlang zu der eindrucksvollen Basilika mit prächtigem Goldmosaik und aussichtsreichem Campanile.

 TIPP  Auf dem Weg locken diverse Ausflugsrestaurants, zum Beispiel die »Osteria Al Ponte del Diavolo« an der gleichnamigen Brücke: ein feiner Landgasthof mit ebenso feiner Fischküche, lecker z. B. die schwarzen Spaghetti al nero di Seppia (Mo Ruhetag, 041-730401).

Wer über Nacht bleiben möchte: Gerade mal fünf Zimmer hat die »Locanda Cipriani«, der ländliche Ableger des berühmten Nobelhotels »Cipriani«. Dazu gehört ein gehobenes Restaurant im wunderschönen Garten, absolute Ruhe ist hier garantiert. Hemingway und die Queen waren auch schon da (www.locandacipriani.com).

 TIPP  Fünf Dinge, die Sie nicht verpassen sollten

1.BLICK VON SAN GIORGIO MAGGIORE
Zwilling des berühmten Campanile von San Marco, nur etwas kleiner und auf der Insel gegenüber. Von oben grandioses Panorama, Anstehen muss man – im Gegensatz zu gegenüber – nicht, nur mit dem Vaporetto rübertuckern (Linea 2).

2.CICHETTI AM RIALTO-MARKT
Ein Gläschen Wein und ein paar belegte Brote (Cichetti) in den urigen Bàcari, den traditionellen venezianischen Weinschänken, rund um den Markt gehören in Venedig einfach dazu, am urigsten bei der »Cantina Do Mori« (So Ruhetag, Calle dei Do Mori, San Polo 429) oder der »Osteria Do Spade« (Sottoporto delle do Spade, San Polo 860).

3.LA FENICE MIT DEM AUDIOGUIDE
Venedigs Oper mitten im wuseligen Zentrum San Marco, ein wenig versteckt abseits der Hauptrouten. Auch ohne Opernkarten kann man mit der Audiotour (auf Deutsch) durch das weltberühmte Haus schlendern und in einer der Logen Platz nehmen; kleine Ausstellung zu Maria Callas im 3. Stock (tägl. 9:30–18 Uhr, € 10, Campo San Fantin, www.teatrolafenice.it).

4.SEGRETI-TOUR IM DOGENPALAST
Hinauf unters Dach in die berüchtigten Bleikammern (Piombi), in denen schon der berühmte Casanova einsaß, aber auch in die kalten feuchten Verliese (Pozzi), zur Folterkammer (Stanza della Tortura) und zu anderen sonst unzugänglichen Räumen des Dogenpalasts geht dieser geführte Rundgang in englischer Sprache (€ 20, Anmeldung unter 848082000 bzw. www.palazzoducale.visitmuve.it).

5.APERITIVO AN DER FONDAMENTA DELLA MISERICORDIA
Es gibt kaum einen besseren Ort für einen Aperol Spritz oder ein Glas Wein als die vielen Kneipen hier am Rio della Misericordia in Cannaregio. Viele Venezianer lassen hier den Tag ausklingen, sitzen mit Snacks und Drink auf der Kaimauer – einfach lässig.


 TIPP  5 Restaurants für jeden Geschmack

ANTICHE CARAMPANE
Ein wunderbares Fischrestaurant, ganz versteckt nahe Campo San Polo. Der Fisch ist garantiert frisch und raffiniert zubereitet. Kleiner, urgemütlicher Innenraum, auch ein paar Tische draußen. Leider nicht ganz günstig (z. B. Antipasto misto pesce € 27). So/Mo Ruhetag. San Polo 1911, 041-5240165, www.antichecarampa ne.com.

OSTERIA DA CODROMA
Ein herzlicher Empfang und ein historischer Gastraum mit viel Patina und langen Tischen erwartet Sie im »Codroma« in Dorsoduro. Unbedingt einen der Venedig-Klassiker wie Baccalà mantecato (€ 12) oder Bigoli in salsa (€ 14) probieren. So/Mo geschlossen. Fondamenta Briati, 2540, 041-5246789.

PARADISO PERDUTO
Das »verlorene Paradies« liegt mitten im Nightlife-Spot an der Fondamenta della Misericordia in Cannaregio. Großer lauter Gastraum, immer voll, viele Studenten, lässiger Service und die wirklich grandiose Magnifica Zuppa di pesce della casa (€ 18). Di/Mi geschlossen.

AL GIARDINETTO
Ristorante der alten Schule in Castello. Schöner grüner Garten, freundliche Kellner, venezianische Fischküche und auch glutenfreie Gerichte, unbedingt probieren sollte man auch hier das Antipasto di pesce (€ 16) oder die Spaghetti alle vongole veraci mit Muscheln (€ 13). Do geschlossen. Salizada Zorzi, 041-5285332.

LA ZUCCA
Ein sicherer Hafen für alle Vegetarier in dieser Fischesser-Stadt, dabei gibt es hier auch Fleischgerichte (€ 18–20), aber keinen Fisch. Nettes kleines Ristorante mit viel Holz und Kanalblick unweit des lauschigen Campo S. Giacomo in Santa Croce (1762, Ponte del Megio). So Ruhetag. 041-5241570.

 Unsere Autorin empfiehlt  Badeausflug zum Lido

Zwölf Kilometer Sandstrand hat der Lido di Venezia, die lange schmale Insel südlich von Venedig, auf der alljährlich im September das glanzvolle Filmfestival mit mächtigem Staraufgebot für beson - dere Aufmerksamkeit sorgt. Die unzäh - ligen, oft recht schicken Strandbäder (Bagni) reihen sich dicht an dicht und können ganz schön teuer werden. Wer es einfacher und unkomplizierter mag, sollte sich ein Fahrrad mieten und zum Spiaggia libera am Nordostende der Strandpromenade radeln (daneben der Pachuka Beach mit Ristorante). Fahrräder für € 10 pro Tag gibt es unweit der Vaporetto-Station Lido bei Lido on Bike (Gran Viale S. Maria Elisabetta 21b, www.lidoonbike.it).

 TIPP  Köstliche Panini und Burger (je € 5–6) gibt’s täglich ab 12 Uhr beim »El Pecador«, einem Doppeldeckerbus am Lungomare G. D'Annunzio.

Autorin: Sabine Becht (3/2018)

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