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White Island ist Neuseelands einziger aktiver Meeresvulkan

White Island ist Neuseelands einziger aktiver Meeresvulkan

Neuseeland Abenteuer auf der Vulkaninsel White Island

Auf dem Meeresvulkan gewährt die Erde einen atemberaubenden Einblick in ihr feuriges Inneres.

Bei der Generalprobe auf dem Schiff haben wir noch über unser ulkiges Outfit gewitzelt. Mit dem gelben Helm und der rüsselähnlichen Gasmaske sahen wir aus wie eine Kreuzung aus »Alf« und »E.T.«. Fast alle Passagiere rückten sich für diesen perfekten Selfie-Moment in Pose. Doch wenige Meter vor der Anlegestelle ist niemandem mehr nach Witzeln zumute. Die dicken Dampfwolken waren bereits aus vielen Seemeilen Entfernung auszumachen. Und jetzt wird uns klar, dass diese Wolken nicht nur mit voller Kraft emporwabern, sondern auch von lautem Fauchen und Grollen begleitet werden. Ziemlich eingeschüchtert sitzen wir in dem Schlauchboot, das uns von Bord der »Predator« zur Insel bringt.

Gleich werden wir auf White Island an Land gehen. Die Insel liegt in der Bay of Plenty, rund 50 Kilometer vor der neuseeländischen Ostküste. Sie ist rund mit einem Durchmesser von etwa zwei Kilometern. Doch ist sie nur die Spitze eines mächtigen Vulkanbergs, 70 Prozent liegen unter der Meeresoberfläche.

Vom Ort Whakatane aus geht es mit dem Schiff nach White Island. Von Weiß ist weit und breit nichts zu sehen. Vielmehr ist die felsige Oberfläche von einer hellgelben Schicht bedeckt. Sie stammt von den schwefligen Dämpfen, die zischend aus unzähligen Fumarolen entweichen. Es beginnt unangenehm in Hals und Rachen zu kratzen. Die vom Guide verteilten Eukalyptusbonbons helfen nur vorübergehend. Dann setzen wir freiwillig und dankbar die Gasmasken auf.

Die Guides ermahnen uns, die vorgegebenen Wege nicht zu verlassen. Denn man weiß nie, ob der Boden hält, unter der das Magma brodelt. Aber was heißt schon »Wege«? Man muss über kleinere Gräben springen oder auf Steinbrocken balancieren – Fitness und Körperbeherrschung sind Voraussetzung für die Tour. Die gelbe Schicht, die den Boden überzieht, knirscht wie dünnes Eis.

Das Szenario könnte bizarrer nicht sein. Es erinnert an die Marsoberfläche oder an die Kulisse aus einem Science-Fiction-Film. Gibt es Leben an diesem lebensfeindlichen Platz? Angeblich ist auf White Island eine kleine Tölpelkolonie beheimatet.

Der Weg führt leicht ansteigend auf eine Abbruchkante zu, hinter der es – zumindest liegt die Vermutung nahe – direkt hinab in die Hölle geht. Es faucht und grollt unheilvoll. Immer wieder schießen Dampffontänen in den Himmel. Einige haben Gesteinsbrocken im Gepäck. Nie war er so wertvoll wie heute, dieser Helm. Dann erreichen wir die Abbruchkante. Zwischen den Dämpfen ist ein neon-grüner Kratersee auszumachen. Doch bevor wir dessen unwirkliche Schönheit gebührend würdigen können, lässt uns eine neue Fontäne zusammenzucken. Lieber weg hier! Das ist kein Ort, an dem man länger als nötig ausharren möchte. Die Füße werden allmählich wärmer. Selbst durch die dicke Profilsohle der Wanderschuhe dringt die Wärme der Inseloberfläche hindurch.

Der vollständige Maori-Name für diese Insel ist »Te Puia o Whakaari1«, was »Der dramatische Vulkan« bedeutet. Die Maori nutzten die Rauchschwaden über dem Vulkan als Navigationshilfe und besuchten sie Jahrhunderte lang zur Jagd auf die grauen Sturmvögel, die früher auf der Insel beheimatet waren. Um 1900 wurde auf White Island eine Mine zum Schwefelabbau errichtet. Doch schon 1914 wurde diese von einem Vulkanausbruch schwer beschädigt, bei einem Erdrutsch kamen zwölf Bergleute ums Leben. 1930 wurde die Mine schließlich komplett aufgegeben. Seitdem gibt es regelmäßigen Besuch von Vulkanologen und Seismologen. Die Vorstellung, auf White Island länger als (die bei uns veranschlagten) zwei Stunden zu verweilen, lässt uns schaudern. Zu unberechenbar scheinen die Naturgewalten, die auf der Insel ganz klar das Kommando haben. Erleichterung macht sich breit, als das Schlauchboot ablegt und uns zur »Predator« zurückbringt. Nach einer Inselumrundung nimmt das Schiff wieder Kurs auf Whakatane. Der Captain fordert die Passagiere auf, nach Walen, Delfinen und Seelöwen Ausschau zu halten, die sich zu tausenden in der Bay of Plenty tummeln. Dieser Anregung kommen wir gerne nach – nicht ohne die rauchende Insel im Auge zu behalten, vor der wir uns – so fühlt es sich an – in Sicherheit bringen.

Weitere Informationen: Tourism New Zealand (Büro für Europa), Level 7, 80 Haymarket, GB-London SW1Y 4TE. Tel. 0044-207-3890144, newzealand.com

Anreise: Air New Zealand fliegt mehrmals wöchentlich im Code Sharing mit Singapore Airlines von Frankfurt via Singapur nach Auckland, ab 1.735 Euro. Die Flugzeit beträgt rund 24 Stunden. airnewzealand.de

Vulkaninsel-Touren: White Island befindet sich in Privatbesitz. Der Touranbieter »White Island Tours« hat als einziger die Lizenz, die Insel mit Gruppen zu betreten. Die insgesamt sechsstündige Tour findet in der Regel zwei Mal am Tag statt. Preis: ca. 130 Euro inkl. Lunchpaket. whiteisland.co.nz

(07.03.2018, srt)

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