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Wasserfälle in Island sind auch im Winter ein beliebtes Fotomotiv

Wasserfälle in Island sind auch im Winter ein beliebtes Fotomotiv

Island-Reise Die Insel hat im Winter ihren besonderen Reiz

Die kleine Insel im Nordmeer entfaltet in der kalten Jahreszeit ihren besonderen Reiz. Und wenn die Füße mal kalt werden - die nächste heiße Quelle ist nicht weit. REISE & PREISE sagt, warum sich die Reise nach Island im Winter lohnt.

Es dampft, faucht und raucht durch die scheinbar geschlossene Schneedecke. Andri, der Mann am Steuer unseres Superjeeps, scheint davon weniger beeindruckt als seine Passagiere. Klar, er kennt sich aus auf seiner Insel, auf der es jahrein, jahraus vulkanisch brodelt. Immer wieder gelingt es Islands zahlreichen Vulkanen, sich in die Weltschlagzeilen zu eruptieren. Bardarbunga hieß der Vulkan, der 2014 den internationalen Flugverkehr durcheinander brachte. Vier Jahre zuvor war dieses Kunststück seinem noch unaussprechlicheren Kollegen Eyjafjallajökull geglückt. Und es gibt noch etliche Kandidaten, die auf ihren großen Auftritt warten: Von Islands 130 Vulkanen sind 31 aktiv.

Auf einmal macht es einen Ruck, und der Superjeep-Motor stirbt mit einem unheilvollen Gurgeln ab. "Wir sind eingebrochen!", verkündet Andri fröhlich. Nanu, verstecken sich unter dem Eis nicht nur geologische Dämpfe, sondern auch Flüsse? Aber kein Problem. Im Nu sind mehrere Allrad-Ausflügler zur Stelle, und Minuten später kriecht unser Geländewagen im Schlepptau zweier anderer Fahrzeuge ans rettende Ufer.

Spritztouren durch die in Schnee und Eis verpackte Wildnis sind für die motorverliebten Isländer ein beliebtes Wochenendvergnügen. In ihren hochgerüsteten Allradwagen, mit denen man hierzulande den Ruf als Protz weg hätte, brettern sie los, am liebsten im Konvoi mit reichlich Proviant, gerne auch hochprozentigem.

Die sympathische Hauptstadt Reykjavík ist mit knapp 120000 Einwohnern eher Kleinstadt als Metropole. Auf den Shopppingmeilen im Zentrum herrscht reger Betrieb. In Kneipen, Bistros, Cafés und Bars vertreiben sich die Einwohner mit einem Buch in der Hand (die Isländer sind Weltmeister im Lesen) oder beim Plausch mit Freunden die dämmrigen Winternachmittage. Der Besucher staunt über coole Designs und pfiffige gastronomische Konzepte. In den Bars der angesagten Designhotels, z.B. dem am Hafen gelegenen Hotel Marina, vermischen sich Gäste aus aller Welt mit den entspannten Einheimischen. Auf dem Stadtteich vor dem Rathaus ziehen Schlittschuhläufer ihre Kreise.

Das mit Abstand beliebteste Freizeitvergnügen der Isländer aber ist das Bad in den heißen Quellen, von denen es unzählige auf der Insel gibt, selbst mitten in der Stadt. Für Besucher ist die Blaue Lagune erste Adresse, sie gehört zum Pflichtprogramm. Der See entstand als "Abfallprodukt" des nahe gelegenen Geothermalkraftwerks Svartsengi, das die Energie eines vulkanischen Systems nutzt. Dort wird ein Gemisch aus Meer- und Süßwasser aus 2000 Meter Tiefe an die Erdoberfläche gepumpt. Das Wasser im Thermalbad hat eine Temperatur von 37 bis 42 Grad und enthält Mineralsalze, Kieselerde und Algen - eine Kombi, die Schönheit, Gesundheit und ewige Jugend verspricht.

Island ist Welt-Spitzenreiter bei der Nutzung von Geothermie und versorgt sich unabhängig, umweltfreundlich und günstig mit Energie. Fast alle Häuser und Wohnungen auf Island werden mit Erdwärme versorgt. Der größte Teil der Primärenergie kommt aus den heißen Tiefen der Erde. Es wird auch schon laut über Energieexporte nachgedacht. Island könnte als "grüne Batterie" Europa mit Energie versorgen.

An einem sonnigen Wintermorgen bei leichten Plusgraden brechen wir zur Inseltour auf. Gleich hinter Reykjavíks Stadtgrenze wird es einsam und wild. Mit jedem Kilometer verwischen sich die Spuren der Zivilisation. Nur noch gelegentlich erspähen wir in der Ferne ein einsames Gehöft oder eine der vielen alleinstehenden Kirchen. Überall begegnen wir Herden von Islandpferden. 70000 der robusten Kleinpferde, unter dem (falschen) Namen Islandponys weltberühmt, leben auf der Insel. Um ihre Rasse rein zu halten, herrscht striktes Einreiseverbot für andere Rassen. Neben den bekannten Gangarten Schritt, Trab und Galopp beherrschen sie auch noch den Tölt, einige auch den rasanten Rennpass. Unser Reitausflug tags zuvor musste wegen starker Winde abgebrochen werden. Während die gutmütigen Pferde weder durch Schneefall noch durch Regengüsse aus der Ruhe zu bringen sind, verstört sie der pfeifende Wind in den Ohren.

Wir erreichen den Thingvellir-Nationalpark, ein Unesco-Weltkulturerbe. Es dampft wie wild aus dem kalten Boden, überall steigen Rauchsäulen auf. Wir halten am Geysir Stokkur, der alle fünf bis acht Minuten eine Säule aus Wasser und Dampf bis zu 30 Meter in die Höhe schleudert. Touristen stehen mit dem Rücken zum Stokkur, den Finger am Auslöser des Handysticks, den Kopf ständig nach hinten drehend, um den Moment nicht zu verpassen. Es kann dauern, bis das posting-würdige Geysir-Selfie im Kasten ist.

Nicht weit davon entfernt lockt die nächste Attraktion: der Gullfoss-Wasserfall, der seinem Beinamen "Goldener Wasserfall" im schräg einfallenden Licht der Wintersonne alle Ehre macht. In strengen Wintern erstarrt er in Eis. Aber noch donnern die Wassermassen zu Tal und besprühen die Besucher, die sich auf Stegen der Fallkante nähern.

Am nächsten Morgen sitzen wir in einer zweimotorigen Maschine, die uns nach Höfn im Südwesten der Insel fliegt. Aus 8000 Meter Höhe kann man die wahre Unberührtheit und Wildheit Islands gut ermessen. Zwei Drittel sind völlig unerschlossen, mit drei Einwohnern pro Quadratmeter ist Island das am dünnsten besiedelte Land Europas. Gigantisch sind die Ausmaße des Vatnajökull-Gletschers, der mit 8300 Quadratmetern größer ist als alle europäischen Festlandsgletscher zusammen!

In Höfn, wo Dutzende Islandpferde neben der Landepiste weiden, werden wir von unserem Guide empfangen, und schon sind wir startklar für die Snowmobiltour auf dem Gletscher. Die Fahrt über schmale Gletscherbrücken und auf spiegelglatter, seitlich hängender Eisoberfläche gestaltet sich schwierig. Fix und fertig mit Kräften und Nerven erreichen wir unseren Schlafplatz, eine einsame Hütte mitten auf dem Gletscher.

Als erste Besucher nach mehreren Wochen müssen wir uns erst einmal mit Schaufeln und Picken den Weg zur Tür bahnen. Und es dauert lange, bis der Ölofen behagliche Wärme verbreitet. Gleichzeitig schmort der marinierte Lammbraten im Backofen vor sich hin. Beim Tischdecken befiehlt unser Guide, nach draußen zu gehen. Denn die großartige Show der Polarlichter hat begonnen. Am Himmel tanzen leuchtende Schleier in allen Grüntönen. Ein überwältigendes Spektakel.

Im Shuttlebus zum Flughafen kommen wir mit einer älteren Dame aus England ins Gespräch. Einmal im Leben die Polarlichter zu sehen, war ihr sehnlichster Wunsch. Bei dieser Reise nach Island, ein Geschenk ihrer beiden Töchter zum Geburtstag, sei dieser Wunsch endlich in Erfüllung gegangen. Die letzte Reise ihres Lebens sei gleichzeitig die schönste gewesen.

Weitere Informationen:
Isländisches Fremdenverkehrsamt Visit Iceland, Tel. 030-50504200, www.visiticeland.de

Anreise: Icelandair fliegt mehrmals wöchentlich ab Berlin, Frankfurt, Hamburg, München und Zürich nach Reykjavík/Keflavik. Hin- und Rückflug ab rund 300 Euro. Billigflüge mit Umsteigen in London-Gatwick bieten Easyjet und Wow z.B. ab Basel, Friedrichshafen, Innsbruck, Luxemburg, Salzburg, Stuttgart und Wien.

Reisebeispiele: Icelandair bietet eine Reihe von Kurzreisen an, etwa die Städtereise Reykjavik inkl. Flug, 3 Ü/F für 413 Euro oder die Tour "Island Winter Geheimtipp" inkl. Flug, 4 Ü/F, zwei Ausflüge und Spa ab 799 Euro. Mehr Informationen: Tel. 069/299978 oder über www.icelandair.de. Tui-Wolters bietet eine Busrundreise "Ring der Naturschönheiten" an, inkl Flug, Hotelübernachtung/HP und Besichtigungsprogramm ab 1596 Euro. Mehr Informationen im Reisebüro oder über www.tui-wolters.de.

(10.01.2018, srt)

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