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Dom und Schiefer Turm auf der Piazza dei Miracoli, Pisa

Dom und Schiefer Turm auf der Piazza dei Miracoli, Pisa

Italienreise Viel entdecken auf einem Spaziergang durch Pisa

Im Schatten des schiefen Turms verbirgt sich ein toskanisches Städtchen voll liebenswerter Atmosphäre.

Den Schiefen Turm kennt jedes Kind. Doch Pisa selbst lassen die meisten Besucher links liegen ? zu Unrecht.

Der erste Weg führt natürlich auf den Campo dei Miracoli, die Wunderwiese. Junge Leute aus aller Welt sitzen im Gras, lachen, spielen Gitarre ? ein friedliches Bild. Und mittendrin: »La torre pendente«, der Schiefe Turm. Aus der Nähe betrachtet ist er noch viel schiefer als erwartet. Bei 56 Metern Höhe hängt er ganze 4,10 Meter über ? bei der Schließung 1990 waren es sogar 4,50 Meter. An seiner Bananenform lässt sich gut feststellen, dass die Neigung schon während des Baus korrigiert wurde.

Der aus dem Lot geratene Turm steht übrigens nicht allein. Gleich nebenan lockt der Dom mit seiner eigenartigen Zebrastreifung aus schwarzem und weißem Marmor sowie einer berühmten Reliefkanzel im Inneren. Am Bronzeleuchter im Mittelschiff soll Pisas größter Sohn Galileo Galilei die Pendelgesetze geübt haben. Und was da gegenüber vom Eingang des Domes wie eine auf dem Rasen abgestellte Riesen-Bischofsmütze aussieht, ist das Baptisterium. Das tolle Echo seiner Kuppel demonstriert der Guardiano jede halbe Stunde auf seine Weise: Er schmettert lauthals eine Arie!

Noch rasch einen Blick zum Domfriedhof, dann kehren die Busgruppen um. Das ist das Glück der Kenner: Sie können nun entspannt zum Stadtbummel starten. Nach einem doppelten Espresso im Caffè Duomo schlendern sie durch die Via Santa Maria zum zauberhaften Botanischen Garten. Er ist über 475 Jahre alt, der älteste der Welt. Zu sehen gibt es zum Beispiel eine über und über von Muscheln verzierte Fassade, 200 Jahre alte Magnolien und schattige Parkbänke für eine kleine Pause.

Auf dem Weg ins Zentrum führt der Weg vorbei an der Piazza Cavalieri mit ihrem graffitiverzierten Palazzo della Carovana. Darin büffeln heute die Studenten der Scuola Normale Superiore, Italiens renommiertester Elite-Universität. Nebenan in der Kirche Santo Stefano zieht mit etwas Glück gerade der Organist alle Register der klangvollsten Orgel der Toskana. Die Fassade der Kirche hat übrigens Fürst Giovanni de' Medici persönlich seinem Baumeister Vasari in den Zeichenblock skizziert.

Von dort sind es nur ein paar Meter durch die Via Dini zum Borgo Stretto, der Hauptgasse Pisas mit schattigen Laubengängen, unter denen man gemütlich einen Tee trinken kann. Die alteingesessene Pasticceria Federico Salza führt auch Nudeln und andere kleine Mittagsmahlzeiten.

Die Gässchen rechts des Borgo führen unweigerlich auf die Piazza Vettovaglie und ihre Nebenplätze, das Marktviertel bis hinunter zum Arno. Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch: Für alles gibt es eine eigene »Abteilung«. Einfach und urig zu Mittag essen kann man seit Jahrzehnten in der Trattoria La Mescita.Danach vielleicht ein Eis? Am Lungarno Pacinotti 23 rührt einer der ganz großen Gelatieri Italiens Crema, Sorbet und Granita aus den besten Zutaten der Saison an. Gianfrancesco Cutellis Eissalon De' Coltelli ist der italienischen Schlemmerbibel Gambero Rosso drei Hörnchen wert ? als einer von nur vier toskanischen Eisdielen.

Auf der Arno-Brücke Ponte di Mezzo findet jedes Jahr am letzten Samstag im Juni Pisas größte Rauferei statt: der historische Trachtenwettkampf »Gioco del Ponte«. Die Brücke verbindet den Borgo mit der südlichen Haupteinkaufsstraße Corso Italia. Vorbei an den alten Wollhandelsloggien schlendert der Besucher flussabwärts zur Kapelle Santa Maria della Spina. Das Unikum sieht nicht nur aus wie ein übergroßer Reliquienschrein. Es wurde extra gebaut, um einen Dorn der Krone Christi aufzunehmen. Vor 100 Jahren verpflanzte man das ganze Kirchlein wegen ständiger Überschwemmungen von seinem einstigen niedrigen Platz an die heutige Stelle.

Es ist Nachmittag geworden, die richtige Zeit für eine kleine Erfrischung, einen Ausflug zum Strand. Durch wogende Sonnenblumenfelder folgt die schattige Platanenallee dem Arno. Etwa nach der Hälfte der Wegstrecke taucht links die Landkirche San Piero a Grado auf, an der angeblich der Apostel Petrus europäischen Boden betrat. Dort war damals also der längst verlandete Hafen. Heute schaukeln die typischen Fischnetze erst fünf Kilometer weiter an der Arno-Mündung im Nachmittagslicht.

Wer das Meer nicht nur sehen, sondern auch darin baden will (möglich ab Mitte Juni), der sollte freilich noch ein paar Kilometer gen Süden fahren ? zum Beispiel zum nostalgischen Bagno Pia. Denn direkt an der Flussmündung ist die Wasserqualität miserabel.

(20.04.2018, srt)

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