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Im Winter ist die Kanalinsel Jersey verlassen aber sehr schön.

Im Winter ist die Kanalinsel Jersey verlassen aber sehr schön.

Foto: dpa/tmn

JERSEY Im Winter kehrt Ruhe ein

Viele Touristen kommen im Frühjahr und Sommer. Aber Jersey ist auch im Winter schön, vielleicht sogar schöner. Die Kanalinsel-Bewohner haben endlich Zeit für die Gäste.

Der Kiel des Segelschiffs hat sich in den Schlick gebohrt. Das Boot lehnt gegen die Kaimauer, nur deshalb fällt es nicht um. Es ist Ebbe im Hafen von St. Helier auf Jersey. Das Wasser hat den Hafenboden freigegeben. Die Schiffe und Boote liegen im Matsch oder stützen sich rechts und links auf Krücken aus Metall, die an ihre Bäuche montiert sind. Ebbe bedeutet auf der Kanalinsel, dass der Wasserpegel manchmal um mehr als zehn Meter sinkt.

Ein alter Mann klettert die Leiter an der Kaimauer herunter. »Ich dachte, es würde alles schön und trocken sein. Du liebe Güte!«, murmelt er vor sich hin. Ihm gehört das Segelschiff, das an der Mauer lehnt. Der Wind hat die Plane vom Deck gezerrt, Regen ist in die Kapitänskajüte gelaufen. Seit 40 Jahren lebt Captain Hornblower auf Jersey. Früher war er Fischer. Jetzt ist er 76, und das Meer lässt ihn immer noch nicht los.

Mit dem Horn in seinem Spitznamen ist die Hupe eines Taxis gemeint. Die hat er als junger Mann nach einer durchzechten Nacht gedrückt, um den Fahrer des Autos aus einer nahen Bar herbeizurufen - und dafür ein Bußgeld von der Polizei aufgebrummt bekommen. Seither heißt er Kapitän Hupendrücker. Sein etwas marodes Segelschiff ist etwa halb so alt wie der Kapitän. Er hat es vor kurzem gekauft und will es bis zum Frühling wieder flott bekommen.

Früher war der Mann aus York mal Ingenieur auf einem Handelsschiff. Bis er einen Kurztrip nach Jersey unternahm. »Hier schien immer die Sonne, und auf einen Mann kamen zehn Frauen«, erinnert er sich. Er reichte in London seine Kündigung ein und zog nach Jersey. Dass auf der größten und südlichsten der fünf Kanalinseln oft die Sonne scheint, ist erwiesen. Das Klima der Inseln ist mild. Im Winter gibt es so gut wie nie Frost. Dennoch kommen dann nur wenige Touristen. Dabei lohnt sich ein Besuch selbst dann - womöglich sogar gerade dann.

Auf Jersey leben etwa 93 000 Menschen. Viele beenden dort die Schule, gehen fürs Studium ein paar Jahre nach Großbritannien und kommen danach zurück. Die Insel hat eine Menge zu bieten. Das meiste Geld spült nicht der Tourismus in die Kassen, sondern das Finanzgewerbe. Mehrwertsteuer, Vermögenssteuer, Kapitalertragssteuer und Erbschaftssteuer gibt es nicht, die Einkommenssteuer liegt bei 20 Prozent. Weil die Kanalinseln nicht Mitglied der EU sind, haben sie auch ihre eigenen Steuergesetze.

Lesley De Gruchy hat früher in einer der vielen Banken auf Jersey gearbeitet. Jetzt sitzt die blonde Frau aus Twickenham bei London tagsüber oft an ihrer Nähmaschine in der Harbour Gallery in St. Aubin und näht bunte Strandhütten auf Schürzen, Handtücher oder Kissenbezüge. Sie kam mit sechs Jahren auf die Inseln. Ihre Eltern hatten Jobs in einem Hotel bekommen - und sind geblieben. »Ich mag es, dass es hier alles gibt, was man braucht, und alles liegt nah beieinander«, sagt sie.

Jersey liegt zwar geografisch viel näher an Frankreich. Doch historisch ist es eng mit England verknüpft. Als sich im 11. Jahrhundert der Herzog der Normandie, Wilhelm der Eroberer, zum englischen König krönen ließ, wurden auch die Kanalinseln Teil des anglo-normannischen Reichs.

England musste die Normandie zwar im 13. Jahrhundert an den französischen König abtreten. Aber die Inseln blieben ihren alten Herrschern treu. Und so ist die englische Königin bis heute offiziell als Herzogin der Normandie im Besitz der fünf Kanalinseln.

Etwa ein Drittel der Bewohner Jerseys ist in Großbritannien geboren, lediglich ein Prozent stammt aus Frankreich. Sechsmal so viele Menschen kommen aus Portugal. Sogar Rumänen und Kenianer trifft man auf der Insel. In der Pension »St. Magloire« in St. Aubin serviert ein junger Pole den Speck, das Ei und die Bohnen zum Frühstück. Jetzt im Winter sieht er morgens in seiner Jogginghose und Kapuzenpulli so verschlafen aus wie seine beiden Gäste.

Obwohl auf Jersey so viele verschiedene Nationalitäten leben, hat die Insel eine starke eigene Identität. Stolz tischt Ida Huson im »Undercliff Guesthouse« in Trinity den cremigen einheimischen Joghurt auf. Gemacht aus der besonders fettreichen Milch der einheimischen Kühe. Auch die Kartoffelsorte Jersey Royal ist weit über die Küsten hinaus bekannt.

Direkt neben dem Haus der Husons verläuft der Klippenpfad. Er führt die gesamte steile Nordküste entlang, mit atemberaubender Aussicht. Das blaue Meer schäumt tief unter dem Pfad an die Felsen. Fast transparente Fliegenwolken schweben in der Luft und Fasane rennen aufgeschreckt über die angrenzenden Felder. Vereinzelt blüht sogar der Ginster. Und weil so wenige wissen, wie spannend Jersey im Winter ist, hat man die Inselnatur fast für sich allein.

Anreise

Im Sommer gibt es Direktflüge von Deutschland nach Jersey, zum Beispiel mit Air Berlin. In der Nebensaison fliegt man meist über den Flughafen Gatwick in London, etwa mit British Airways.

Reisezeit

Die meisten Urlauber kommen von Juli bis September. Etwas ruhiger ist es von April bis Juli und von September bis Oktober. Von November bis März trifft man kaum Touristen. Einige Hotels und die meisten Sehenswürdigkeiten sind geschlossen.

Preise

Generell ist die Insel eher teuer. Die Preise für Unterkunft und Essen sind zu vergleichen mit denen in Großbritannien. Im Winter ist es günstiger: Übernachtungen pro Person mit Frühstück gibt es dann ab etwa € 30. Außerdem haben manche Pensionen besondere Rabattaktionen.

Währung

Auf Jersey zahlt man mit dem Jersey Pound. Es entspricht 1:1 dem britischen Pfund, mit dem ebenfalls bezahlt werden kann. Der Kurs liegt bei 1,66 Euro für ein Pfund (Stand: Januar 2011). Damit es in Deutschland beim Rücktausch keine Probleme gibt, sollte man das Jersey Pound am besten auf der Insel in britische Pfund umtauschen.

(22.02.11, dpa/tmn)

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