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Termas da Ferraria, heiße Quellen am Meeresboden bescheren dem Wasser wohlige 28 Grad

Termas da Ferraria, heiße Quellen am Meeresboden bescheren dem Wasser wohlige 28 Grad

PortugalDie Azoren bieten mehr als nur Walbeobachtungen

Große Tiere sehen, einen Dschungel durchstreifen, baden im Meer ohne Massentourismus, Bergwandern bis maximal 25 Grad. Die Inseln zeigen sich schon bald nach der Ankunft als Ort, der all das und noch viel mehr bietet.

Mancher mutmaßt, dass die Azoren die übrig gebliebene Spitze des versunkenen Atlantis seien. Besonders spitz zeigt sich die Inselgruppe auf dem Eiland Pico. Satte 2.311 Meter erhebt sich der gleichnamige Vulkan schnurstracks aus den üblicherweise rauen Fluten des Atlantiks. Der aufgesetzte Kegel am Rand der kleinen Caldera ist die höchste Erhebung Portugals. Kurz unterhalb des Gipfels, den man nach einem drei- bis vierstündigen Aufstieg erreicht, steigt aus Felsspalten Dampf auf. Kein Zeichen eines kurz bevorstehenden Ausbruchs, sondern Ausdruck fortwährender vulkanischer Aktivität, die einem hier auf Schritt und Tritt begegnet. Die Azoren liegen auf dem mittelatlantischen Rücken, einem Riss in der Erdkruste, der mit aufsteigendem Magma dafür sorgt, dass der zunehmenden politischen Spaltung zwischen Amerika und Europa auch eine geographische folgt. Die beiden westlichsten Inseln der Azoren liegen bereits auf der amerikanischen Platte, die restlichen fünf gehören noch zu Europa.

Der Fuß des Vulkans liegt mehr als 7.000 Meter unter seinem Haupt. Für das kalte Tiefenwasser eine unüberwindbare Barriere. Es steigt an den untermeerischen Hängen auf und mit ihm ein Füllhorn an Nährstoffen. Für Wale und Delfine schafft das paradiesische Zustände. Sie können sich den Bauch vollschlagen ohne allzu tief zu tauchen. Wenn sie nach der Nahrungsaufnahme wieder auftauchen, um Luft zu holen, schlägt die Stunde der Walbeobachter. Unterwegs in Schlauchbooten oder kleinen Motorjachten, die aus den Häfen von Madalena und Lajes do Pico auslaufen, sind sie auf der Jagd nach tollen Motiven und Tuchfühlung mit den gigantischen Meeressäugern.

Mit den Delfinen kann man sogar schwimmen. Zu den Walen müssen die Boote mindestens 50 Meter Abstand halten. Als jedoch plötzlich direkt neben unserem Boot ein Pottwal auftaucht und ganz ruhig im Wasser liegen bleibt, kann unser Skipper nicht anders, als dran zu bleiben. Schließlich sind die Boote der Konkurrenz schon wieder gen Hafen gefahren, und wir verpetzen ihn bestimmt nicht. Fast können wir das gewaltige Tier berühren, das ab und zu seinen Blas ausstößt. Als die Lungen prall gefüllt sind, setzt der Wal zum Tauchen an. Mit majestätischer Langsamkeit hebt sich die beeindruckende Schwanzflosse und schlägt den so fotogenen Bogen, bevor das Tier ans kalte Büffet verschwindet.

Für Badegäste ist die Sache mit der Kälte, die aus der Tiefe kommt, eher unerfreulich. Auch die starke Brandung und das scharfkantige Vulkangestein schmälern die Eignung der Azoren als Badeziel. Vermutlich verdanken sie diesen Eigenschaften den weitgehenden Erhalt ihrer Ursprünglichkeit. Die gesamte Insel Pico hat mit 500 Fremdenbetten weniger Schlafstätten als ein einziges mittelgroßes Hotel auf Mallorca. So ist man an den wenigen, malerisch den Felsen abgerungenen Badestellen mit den Einheimischen unter sich, staunt über die farbenfrohe Vielfalt der Fische in den angenehm temperierten Becken zwischen der Schwärze des Lavagesteins und gönnt sich in der Bar noch ein zweites Gläschen Rotwein – bei Preisen von gut einem Euro pro Schoppen fällt das leicht.

Der Wein verdankt seine Öchsle im bis auf den Sommer gar nicht so warmen Azorenklima dem schwarzen Gestein. In der Zona de Agedas an der Nordküste Picos wächst er seit Jahrhunderten in winzigen, von Lavasteinmauern eingefassten Weinbergen. Dort wird der feurige Aperitifwein Verdelho gekeltert. Die Unesco erhob Agedas in den Rang eines Weltkulturerbes.

Als Inselgruppe bilden die Azoren ein Meeresschutzgebiet von ebenfalls globaler Bedeutung. Dutzende Wal- und Delfinarten sind hier zu Hause oder legen auf ihren Wanderungen einen Boxenstopp ein. Blauwalzeit ist im April und Mai. Gefischt werden darf rund um die Azoren nur in nachhaltiger Weise, Schleppnetze sind tabu. Das sichert den traditionell arbeitenden azorianischen Fischern ihre Arbeit. Man unterstützt sie man besten, indem man in den zahlreichen kleinen Fischrestaurants reichlich Meerestiere verspeist.

Viele dieser Restaurants haben ein, zwei eigene Boote im hier üblichen Nussschalenformat, mit dem tagsüber das aus dem Atlantik geholt wird, was abends erst auf dem Grill und dann auf dem Teller landet. Einer der schönsten Orte um frischen Fisch zu genießen, ist der Porto de Caloura auf der Insel São Miguel. Die Terrasse der Bar Caloura bietet einen herrlichen Blick über die malerische Bucht, man kann Halbwüchsigen bei ihren wagemutigen Sprüngen von der alten Festung in den Felspool zusehen, die Wärme der untergehenden Sonne spüren, der Brandung lauschen und sich in der Küche seinen Fisch aussuchen. Als Vorspeise gibt es Rohmilchkäse mit scharfer roter Sauce und Brot.

Obwohl São Miguel die touristischste Azoreninsel ist, findet man auch hier noch weitere solcher magischen Orte: die geradezu paradiesische Caldeira Velha etwa, Thermalquellen und Wasserfälle in einem üppig wuchernden, von roten Felsen durchsetzten Wald voll immergrüner Baumfarne und anderer exotischer Pflanzen, welche die portugiesischen Seefahrer aus aller Welt auf die Inseln gebracht haben. Oder die Termas da Ferraria, eine Bucht an der Westküste, wo heiße Quellen am Meeresboden dem Wasser wohlige 28 Grad bescheren. Das mögen auch die Fische: beim Schnorcheln sieht man dort besonders viel Farbenfreude. Noch mehr Hitze steigt in Furnas aus den Schlünden der Erde empor. Wer am Ufer des gleichnamigen Sees ein Loch in den Boden gräbt und einen Topf mit Gemüse und Wurst hineinstellt, der hat nach vier Stunden einen perfekt gegarten Eintopf. Cozido nennen ihn die Einheimischen. Sie verzehren ihn bei einem Picknick am See, die Touristen können ihn in den Restaurants im Dorf bestellen. Dort dampft es aus zahllosen Erdspalten und Thermalquellen, blubbert kochender Schlamm und wabert auch mal Schwefelgeruch durch die Luft. Am angenehmsten kann man in der Poça de Dona Beija von den Segnungen des Vulkanismus profitieren, ein wundervoll gestaltetes Thermalbad mit sieben Pools unter freiem Himmel.

Flächenmäßig hat zuletzt die Insel Faial am vulkanischen Erbe gewonnen. 1957/58 stiegen an deren Westspitze 2,4 Quadratkilometer neues Land aus dem Meer empor. Vom alten Leuchtturm am früheren Inselende hat man einen prächtigen Blick auf das geologische Baby, unter dem Turm informiert ein vorbildlich gestaltetes Besucherzentrum über den Ausbruch und die faszinierenden Ausprägungen der endogenen Kräfte hier und anderswo auf unserer Erde.

Touristenbusse fahren diesen Ort im Gegensatz zu Furnas nicht an. Dafür sind die Straßen auf Faial zu schmal und kurvenreich, logieren zu wenige Gäste in der Handvoll Hotels, die es einzig in der Inselhauptstadt Horta gibt. Deren Hafen ist Ziel von Seglern, die zwischen alter und neuer Welt kreuzen. Ihr Seemannsgarn tauschen sie seit eh und je im Café Sport aus. Trotz des mit zahlreichen Devotionalien untermauerten Kultstatus wird man im Café Sport wie überall auf den Azoren freundlich bedient und bekommt leckeres Essen zu fairen Preisen. Nebenkostenmäßig ist ein Urlaub auf den Azoren um einiges günstiger als am Mittelmeer, auch in dieser Hinsicht ein echter Wohlfühlort.

Weitere Informationen:

Umfangreiche Informationen auf Deutsch bietet die Webseite des Tourismusverbandes, visitazores.com

Der Reiseveranstalter Seabreeze Travel hat sich auf Reisen auf die Azoren spezialisiert, seabreeze.travel

Individualreisende hilft Vista Verde Azores kompetent bei der Planung ihres Aufenthalts. Inhaberin Tanja Hausmann lebt seit elf Jahren auf Pico, Tel. 0231-22618698, vista-verde-azores.com

(28.08.2018, srt)

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