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Eine Trekking-Tour auf den Spuren der Revolution in Kuba.

Eine Trekking-Tour auf den Spuren der revolution in Kuba.

Foto: flickr.com, Michele Benericetti

Reise nach Kuba Trekking-Tour durch die Sierra Maestra

Eine Trekking-Tour durch die Sierra Maestra im Südosten Kubas führt über verschlungene Pfade zu dem Ort, an dem die Revolution vor mehr als 50 Jahren ihren Ausgang nahm.

Es dämmert, als sich ein Dutzend bewaffnete Männer in grünen Tarnanzügen durch das Unterholz schlagen. Die Gewehre haben sie geschultert, in den Händen schwingen sie Macheten. Bambusstangen bersten, Palmwedel brechen. Immer wieder blicken sie mit ihren Feldstechern misstrauisch durch das Blätterdach an den Himmel. Kein Flugzeug in Sicht? Sie meiden Lichtungen, suchen stattdessen den Schutz des Waldes. Durch dichtes Buschwerk bahnen sie sich den Weg. Es geht steil bergauf. Die Schwüle macht allen zu schaffen. Stunde um Stunde kämpfen sie sich voran. Bis sie unweit des Pico Turquino, des höchsten Berges Kubas, ihr Lager aufschlagen.

Fünf Monate vorher, im Morgengrauen des 2. Dezember 1956, waren insgesamt 82 Männer an Bord der Yacht Granma aus dem mexikanischen Exil in Kuba gelandet. Nur drei Tage darauf gerieten sie in einen Hinterhalt. Die meisten von ihnen verloren ihr Leben. Nur ein gutes Dutzend schaffte es, sich in die Berge zu retten, darunter die Brüder Fidel und Raúl Castro und ein Mann namens Ernesto Guevara de la Serna, genannt »Ché«. Unter großen Strapazen irrten sie wochenlang durch die Unwegsamkeit der bis zu 2000 Meter hohen Sierra Maestra im Osten Kubas - bis sie im April 1957 den idealen Platz für ihr Hauptquartier unterhalb der grünen Flanken des Pico Turquino fanden.

»Sie müssen hier vorbeigekommen sein«, sagt Jorge García und deutet mit einem Ast in den undurchdringlichen Urwald. Der 34-Jährige ist einer von drei Parkrangern, die Touristen zur Comandancia de la Plata führen. Es ist der Ort, an dem die kubanische Revolution vor mehr als 50 Jahren ihren Ausgang nahm. Hier lag das Generalkommando der Rebellenarmee unter der Führung Fidel Castros. Von hier aus startete das »Ejército rebelde« seinen Siegeszug. Trotz unaufhörlicher Suche, Verrat und Bombenattacken gelang es Diktator Fulgencio Batista nicht, Castro und seine Leute ausfindig zu machen. Im Gegenteil: Aus der Sierra Maestra starteten die Rebellen ihre Eroberungszüge, bis sie Batista 1959 stürzten und zwei Jahre später auf der Karibikinsel den sozialistischen Staat gründeten.

Der Himmel ist bewölkt, als wir uns mit García auf die Suche nach den Spuren der Revolution machen. Nur ein paar Meter hinter der Passhöhe Alto de Naranjo, dem letzten mit Fahrzeugen erreichbaren Punkt, wird der Wald undurchdringlich. Und schon nach wenigen Minuten wissen wir, was Guerilla-Taktik bedeutet. García treibt die Gruppe voran. Der Pfad ist nicht breiter als ein Esel. Wir schlängeln uns durch ein Labyrinth aus Palmen, Farnen und Wurzeln. Immer wieder rutschen die Füße im Schlamm ab. Wir klettern über umgestürzte Bäume. Es ist heiß. Der Dschungel saugt die Geräusche auf wie ein Schwamm. Nur das Waten der Füße im Morast ist zu hören.

Der Wald liegt schläfrig unter uns, als wir nach etwas mehr als einer Stunde das Haus der Bauernfamilie Medina erreichen. An diesem Ort fanden die Revolutionäre einst Unterschlupf, hier konnten sie sich von den Strapazen erholen und neue Kraft schöpfen. García schiebt ein paar Stühle auf die Veranda. Auf der Terrasse trinken wir Tee. »Nur mit der Unterstützung der Bauern konnte es Fidel Castro und Ché Guevara gelingen, ihre Guerilla aufzubauen«, sagt der 34-Jährige. »1958 waren das immerhin etwa 300 Menschen - gegen eine Armee von 10000«. Im Haus der Familie Medina spielte auch die Band Quinteto Rebelde Lieder wie »Batista ten cuidado«, »Vorsicht, Batista«, und den Klassiker »Hasta siempre comandante« zur Aufmunterung der Revolutionäre. Mit Erfolg, wie die Geschichte zeigte.

Wir marschieren weiter. Die Sonne lugt jetzt durch die Wolken. Das Licht fällt in Kaskaden durch das Blätterdach. Colibris flattern in der Luft, Blüten in allen Farben stehen am Wegesrand Spalier. Noch einmal geht es steil bergauf, dann erreichen wir Castros Hauptquartier. Im Schutz der Bäume liegen die 16 Hütten weit im Dschungel verstreut. Alles ist noch erhalten wie damals: das Feldlazarett, in dem Ché Guevara seine verletzten Kumpanen verarztete, die Funkzentrale, das Plumpsklo und die Küche der Revolutionäre: »Nur bei Nacht durfte hier gekocht werden, damit der Rauch des Ofens Castro und seine Männer nicht verriet«, sagt García. Ein kleines Museum zeigt Schwarzweiß-Fotos, Castros Füllfederhalter, eine Schreibmaschine und einige Blätter mit Texten für Radio Rebelde, die Radiostation, über die die Revolutionäre ihre Propaganda im ganzen Land verbreiteten.

Ein paar Schritte bergauf gelangen wir zum Allerheiligsten: der ehemaligen Hütte von Fidel. García öffnet die Tür. Ein modriger Luftzug dringt aus dem Inneren heraus. Auch hier steht alles noch da wie einst: das Bett, der Küchentisch, die Bänke, ja sogar der große weiße Kühlschrank samt Einschussloch. Hier oben gab Fidel Castro am 17. Februar 1957 auch dem US-Reporter Herbert L. Matthews von der New York Times das berühmte Interview, das Castros Ruhm und die Kampfkraft seiner Truppe um die Welt trug. »Das Gespräch war für den Erfolg der Revolution von unschätzbarer Bedeutung«, sagte Ché Guevara später. »Es war wichtiger war als der Sieg auf jedem Schlachtfeld.«

Die Kubaner lieben die Legenden ihrer Revolution. Das ganze Land ist bis heute voll davon. Überall sieht man Schilder wie »Eficientes, productivos e integrales«, effizient, produktiv und vollkommen, oder »Patria o muerte, venceremos«, Vaterland oder Tod, wir werden siegen. Aber es wirkt mittlerweile selbst für viele Kubaner ironisch, solche Sprüche zu lesen, wenn sie sich noch nicht einmal eine Schüssel Reis leisten können. Bis heute kaufen sie in den Bodegas, den schlecht bestückten staatlichen Geschäften, die Lebensmittel nur gegen Zuteilungsmarken ausgeben. Oft sind die Regale leer. Und schon bald könnte es vorbei sein mit der Sozialismus-Nostalgie. Zwar zog sich Fidel Castro 2006 schwer erkrankt aus der aktiven Politik zurück und machte seinem Bruder Raúl Platz. Doch noch immer zieht er die Fäden. Und niemand weiß, was nach Castros Tod passieren wird. Experten gehen davon aus, dass das Ableben der Castros das Land in tiefes Chaos stürzen wird. Die US-amerikanischen Exil-Kubaner könnten das Ruder übernehmen, es könnte ein Bürgerkrieg um die Nachfolge der Castros ausbrechen. Genauso gut könnte sich Kuba aber auch zu einem demokratischen Staat entwickeln. Fest steht nur: Das Land wird sich rasant verändern.

Wir machen uns auf den Rückweg. Wie ein Schleier aus Watte hängen jetzt dichte Nebenschwaden über den Wipfeln. Noch immer atmet der Wald feuchte Schwüle aus. »Wir sollten uns beeilen«, sagt García und blickt auf eine dunkle Wolkenwand am Himmel. »Es könnte nass werden.« Man kann sich das Revolutionärsleben ungemütlich vorstellen hier oben: die Feuchtigkeit, die Moskitos, die ständige Angst, entdeckt zu werden. Als Fidel Castro und Ché Guevara hier 1957 schalteten und walteten, muss das Auskommen noch beschwerlicher gewesen sein. Damals gab es noch keine Straßen. Die erste Teerstraße wurde erst 1987 für Touristen fertig gestellt. Und doch war dieser Ort für die Rebellen so bedeutend wie kaum ein anderer. »Die Comandancia de la Plata ist einer der wichtigsten Plätze der Revolution«, gab der Bärtige, wie sie Castro in Kuba nennen, einst zu Protokoll. Hier oben an den bewaldeten Hängen der Sierra Maestra wurde sie 1956 geboren. Doch wie lange wird sie noch weiterleben?

Weitere Informationen:

Anreise: Condor fliegt nach Holguin, Air Berlin nach Varadero, Iberia und Air France nach Havanna. Der Flug dauert etwa zehn Stunden. Das Ticket kostet je nach Jahreszeit ab 700 Euro.

Einreise: Deutsche, Österreicher und Schweizer benötigen einen Reisepass, der noch mindestens sechs Monate gültig ist, ein Rückflugticket, und den Nachweis, dass sie auslandskrankenversichert sind. Bei der Ausreise wird eine Steuer von 25 Pesos convertibles (CUC) verlangt, etwa 19 Euro.

Beste Reisezeit: Kuba hat zwei Jahreszeiten. Kühler und weniger regenreich ist es in der Trockenzeit zwischen November und April. Zwischen Mai und Oktober ist es heiß und schwül. Es regnet häufig. Die Tagestemperaturen in Havanna erreichen dann durchschnittlich 31 Grad.

Wandern: Der Parque Nacional Turquino ist eines der schönsten Wandergebiete Kubas. Neben der dreistündigen Wanderung zur Comandancia de la Plata gibt es auch mehrtägige Touren, zum Beispiel die auf den Pico Turquino, mit 1972 Metern der höchste Berg Kubas. Informationen gibt es am Eingang zum Nationalpark in Santo Domingo. Individualreisende übernachten am besten in der »Villa Santo Domingo« (www.islazul.cu) im Nationalpark direkt am Rio Yara (ab 18 Euro pro Person). Für umgerechnet acht Euro können sie dort auch eine Tour mit einem einheimischen Führer buchen. Der Eintritt in den Nationalpark kostet umgerechnet etwa 16 Euro.

Weitere Auskünfte: Kubanisches Fremdenverkehrsamt, Kaiserstrasse 8, 60311 Frankfurt/Main, Tel. 069/288322, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.cubainfo.de.

(06.02.2013, srt, Fabian von Poser)

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