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Das alte Reiserecht ist in einigen Fällen günstiger für Urlauber als das neue

Das alte Reiserecht ist in einigen Fällen günstiger für Urlauber als das neue

Neues ReiserechtGebuchter Urlaub kann nachträglich teurer werden

Das neue Reiserecht bringt den Verbrauchern ab dem 1. Juli aber auch Vorteile, vor allem bei Online-Buchungen.

Online-Buchungen, Baustein-Reisen, Flugportale: Die Art und Weise, wie wir Urlaub buchen, hat sich grundlegend verändert. Wenn etwas schief geht, dann wird aber immer noch das Pauschalreiserecht aus der Vor-Internetzeit angewendet. Das ändert sich jetzt: Für Buchungen ab dem 1. Juli tritt ein neues Reiserecht in Kraft. Der wesentliche Aufreger darin: Reiseverkäufern wird erlaubt, unter Umständen selbst nach der Buchung noch mehr Geld zu verlangen. Auch sonst sehen die Verbraucherschützer die bislang recht hohen deutschen Standards auf europäisches Mittelmaß aufgeweicht. Was ändert sich konkret? REISE & PREISE beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ändert sich beim Preis?

Schon bislang müssen Urlauber nachträgliche Preiserhöhungen um bis zu fünf Prozent akzeptieren - allerdings nur, wenn zwischen Buchung und Reise vier Monate liegen und die Kosten des Veranstalters nachweislich gestiegen sind - etwa, weil sich der Wechselkurs geändert hat. Künftig dürfen die Reiseunternehmen bis 20 Tage vor Reisebeginn bis zu acht Prozent aufschlagen. Die Reise darf sogar noch teurer werden; dann muss der Veranstalter dem Urlauber allerdings ein Rücktrittsrecht einräumen, jedoch nicht mehr wie bisher eine gleichwertige Ersatzreise anbieten.

Welche weiteren Änderungen sind geplant?

Neu sind "verbundene Reiseleistungen": Wer im Reisebüro oder auf verlinkten Webseiten innerhalb von 24 Stunden zum Beispiel Flug und Hotel oder Mietwagen bucht, der hat künftig mehr Rechte: Bei Reklamationen muss er sich zwar weiter mit Hotelier oder Fluglinie auseinandersetzen. Sind die aber insolvent, dann haftet künftig der Vermittler. Wenn er dazu nicht bereit ist, muss er das vor der Buchung eindeutig klarstellen.

Wenn etwas schiefgeht, dann hat der Reisende in Zukunft deutlich mehr Zeit, Ansprüche auf Preisminderung und Schadenersatz geltend zu machen. Bisher war es gerade mal ein Monat bis zur Verjährung, künftig sind es zwei Jahre.

Gibt es Unterschiede beim Reiserücktritt? Bei möglichen Stornosätzen?

Die neuen Regeln gleichen weitgehend den bisherigen. Allerdings ist der Reiseveranstalter künftig verpflichtet, auf Verlangen des Urlaubers die Stornohöhe zu begründen. Und wenn “außergewöhnliche Umstände am Urlaubsort” die Reise erheblich beeinträchtigen, darf der Veranstalter bei einem Rücktritt des Urlaubers keine Entschädigung mehr verlangen. Das dürfte zum Beispiel nach einem Hurrikan oder auch bei politischen Unruhen der Fall sein.

Und wenn etwa eine Vulkan-Aschewolke die Rückreise bedroht?

Dann muss künftig der Veranstalter alle Mehrkosten eines verzögerten Rückflugs tragen, dazu die ersten drei Übernachtungen – bei “außergewöhnlichen Umständen” auch länger. Die Drei-Tage-Beschränkung entfällt auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, die das zuvor dem Veranstalter mitgeteilt haben.

Warum ist der Begriff der Pauschalreise so wichtig?

Bereits seit 1980 gelten in Deutschland besondere Regeln für Veranstalterreisen: Wenn etwas schiefgeht, dann muss sich der Urlauber nicht mit dem türkischen Hotelier herumärgern, sondern kann seinen heimischen Veranstalter in Haftung nehmen. Kauft der Reisende dagegen Hotel oder Flug einzeln und ohne Veranstalter im Reisebüro oder Netz, dann ist der Verkäufer nur Reisemittler und haftungsmäßig aus dem Schneider. Diese Lücke wird jetzt zumindest für Reisen geschlossen, bei denen mehrere Einzelleistungen beim selben Verkäufer erworben wurden.

Unterliegen alle Reisen dem neuen Gesetz?

Nein. Einzelne Reiseleistungen sind weiter außen vor. Darunter fallen neben Flug- und Hotelbuchungen neuerdings auch Ferienhäuser. Das bedeutet, dass die Ferienhausbuchung eventuell nicht gegen eine Insolvenz des Betreibers versichert ist. Außerdem sind Tagesreisen bis 500 Euro aus dem Gesetz herausgenommen. Ausgerechnet diese sogenannten “Kaffeefahrten”, die jährlich etwa 50 Millionen vorwiegend Ältere und Alleinstehende buchen, stehen also weiter außerhalb des Reiserechts.

Was ist mit Reisen von Kirchen, Schulen oder Vereinen?

Das gesamte neue Pauschalreiserecht gilt nicht für Einrichtungen, die nur einmal jährlich für einen begrenzten Personenkreis wie Vereinsmitglieder oder Schulklassen und nicht gewinnorientiert Reisen organisieren. Bereits eine wiederholte Reise fällt aber unter das Pauschalreiserecht, und der Pfarrer wird dann rechtlich zum Reiseveranstalter.

Muss der Urlauber seinen Schaden wegen des überbuchten finnischen Ferienhauses künftig in Rovaniemi einklagen, auch wenn er über einen deutschen Reiseveranstalter gebucht hat?

Das wird sich zeigen. Reiseveranstalter können dazu in ihr Kleingedrucktes eine sogenannte Rechtswahlklausel aufnehmen und die Geltung des jeweiligen ausländischen Rechts vereinbaren. Diese Rechtswahl darf den deutschen Urlauber aber nicht schlechter stellen als das deutsche (Miet- und Beherbergungs-)Recht. Natürlich können Reiseveranstalter auch nach wie vor das deutsche Pauschalreiserecht für solche Einzelleistungen analog weiter gelten lassen, was einige auch tun werden.

Wie bucht man künftig Einzelleistungen mit Pauschalreiserechtsschutz?

Das neue Gesetz definiert nur Mindestleistungen. Den Reiseanbietern steht es frei, mehr Rechte zu gewährleisten. Bereits jetzt hat zum Beispiel die Tui angekündigt, dass bei ihr in Zukunft auch alle einzeln gebuchten Bausteine – ob Hotelnächte, Rundreisen oder Mietwagen – automatisch dem gleichen Schutz wie jede Pauschalreise unterliegen werden. Andere werden vermutlich folgen.

Was bemängeln die Verbraucherschützer?

Konsumentenschützer monieren, dass der Pauschalreiseschutz bei verbundenen Leistungen leicht unterlaufen werden kann. Dazu reicht es bereits, wenn sich der Urlauber „getrennt zur Zahlung verpflichtet“ - was das in der Praxis heißt, werden wohl erst Gerichte klären. Ebenfalls ärgerlich: Nachträgliche Preiserhöhungen - auch über acht Prozent -gelten als stillschweigend genehmigt, wenn der Konsument nicht widerspricht. Und selbst wer das tut, hat ein Problem: Kurz vor Ablauf der 20-Tage-Frist wird er für ein beliebtes Ziel in der Hochsaison keinen gleichwertigen Ersatz zum alten Preis finden.

Weitere Ärgernisse aus Sicht der Verbraucherschützer: Wenn eine Reise sich "erheblich ändert", muss der Veranstalter keine "Ersatzreise" mehr anbieten. Ein Schweigen des Urlaubers auch bei erheblicher Vertragsänderung gilt als Zustimmung. Kleinere („unwesentliche“) Abweichungen von der gebuchten Reise müssen toleriert werden, wenn sie für den Durchschnittsurlauber akzeptabel sind - etwa wenn auf einer Rundreise ein ähnliches toskanisches Bergdorf wie das ausgeschriebene besichtigt wird.

Worauf soll man als Konsument künftig besonders achten?

Als erstes auf die Formulare, die künftig jedem Urlauber zur Unterschrift vorgelegt werden. Dort steht nämlich, welche Reiseform man bucht: Ist es eine echte Pauschalreise (mit den meisten Rechten), sind es „verbundene Reiseleistungen“ (mit weniger Rechten, aber einer Insolvenzabsicherung) oder sind es getrennte Einzelleistungen (mit den wenigsten Rechten)? Und ganz wichtig: Will das (Online-)Reisebüro getrennte Rechnungen ausstellen, also zum Beispiel für Flug und Hotel, Hotel und Mietwagen, und besteht es dann vielleicht auch noch auf getrennter Bezahlung? Dann heißt es: Vorsicht! Denn dann stiehlt es sich offenbar aus der Verantwortung.

Ist es sinnvoll, im Zweifelsfall noch vor dem 1. Juli zu buchen?

Das alte Reiserecht ist in einigen Fällen günstiger für Urlauber als das neue. Das gilt für Preiserhöhungen und erhebliche Vertragsänderungen nach Vertragsschluss, besonders aber für Buchungen von Einzelleistungen über einen Veranstalter. Da wird bisher das Reiserecht angewandt.

Verbraucherschützer fordern Schlichtungsstelle

Das Bundesjustizministerium hat im vergangenen Jahr eine Schlichtungsstelle für Pauschalreisen ins Gespräch gebracht. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen würde es sehr begrüßen, wenn sich die Reiseveranstalter an der freiwilligen Schlichtung beteiligen würden. Es wäre ein Schritt auf ihre Kunden zu. Bislang stoßen sie da allerdings auf wenig Gegenliebe.

(05.06.2018, srt)

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