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Rund sieben Millionen Menschen bestaunen jährlich das Taj Mahal in Indien

Rund sieben Millionen Menschen bestaunen jährlich das Taj Mahal in Indien

OvertourismWohin man nicht unbedingt reisen sollte

Masse ist nicht gleich Klasse. Zu viele Besucher verursachen Probleme. Manche Orte wären dankbar, wenn Urlauber einen Bogen um sie machen würden.

Stress und hohe Preise sind in der Regel die Folgen, wenn alle nur an ein Reiseziel drängen. Von Erholung oder gar Genuss kann dann keine Rede mehr sein. Zu viele Touristen lassen nicht nur Kassen klingeln, sondern verursachen auch jede Menge Probleme: Müll, Wasserknappheit, Umweltschäden und den Verlust der Lebensqualität für die Einwohner, um nur einige zu nennen. Wer also an der Reiseplanung für dieses Jahr sitzt, tut gut daran, folgenden Sehnsuchtsstationen einmal ein „Urlauberfrei“ zu geben.

Amsterdam, Niederlande

Die niederländische Metropole genießt einen lässigen und sehr liberalen Ruf. Die meisten der jährlich 20 Millionen Urlauber pilgern also nicht wegen Rembrandts „Nachtwache“ ins Reichsmuseum, sondern zum Feiern ins Zentrum mit seinem Rotlichtbezirk. Betrunkene Besucher, die sich daneben benehmen, sind den Einwohnern ein ewiges Ärgernis. Mit strengen Auflagen für Privatvermieter, einer restriktiven Lizenzvergabe an touristische Geschäfte, dem Beer-Bike-Verbot sowie dem Versuch, auch Amsterdams unbekanntere Ecken zu vermarkten, versucht die Stadt die aus dem Ruder gelaufenen Touristenströme wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

Angkor Wat, Kambodscha

Angesichts von 2,5 Millionen Reisenden pro Jahr ist vom verwunschenen Zauber der Tempelanlagen nur noch wenig zu spüren. Am Haupttempel und den von riesigen Feigenbäumen überwachsenen Ta Prohm stauen sich die Menschenschlangen. Die vielen Urlauber wirken sich aber nicht nur direkt zerstörend auf die Kultstätten aus, sondern auch indirekt. Aufgrund der Urbanisierung der Gegend, hier lässt sich schließlich Geld verdienen, sinkt der Grundwasserspiegel. Das könnte neben Wassermangel zu einem Absinken der Tempel führen. Um die Massen etwas zu zügeln, wurden die Eintrittspreise drastisch erhöht (37 USD/1 Tag), die Kassen dezentralisiert und die Zahl der Besucher des zentralen Turms am Haupttempel auf 100 zur jeweils gleichen Zeit beschränkt.

Barcelona, Spanien

Zu viel Schönheit wird mit 32 Millionen Touristen jährlich bestraft. Ein zu großer Kreuzfahrtterminal produziert zu viele Tagesgäste – die Hälfte aller Barcelona-Gäste bleibt nur wenige Stunden und steuert nur die wichtigsten Sehenswürdigkeiten an. Das führt zu Staus und Gedränge auf der Flaniermeile La Rambla und in Antoni Gaudís nicht vollendeter Sagrada Família. Die Einwohner reagieren zunehmend genervt. Die Stadt versucht derweil illegalen Ferienwohnungen beizukommen und die Massen zu steuern. Wer Gaudís Werk im Park Güell sehen will, muss nun Eintritt bezahlen. Maximal 400 Besucher werden je halbe Stunde zugelassen. An vielen Sehenswürdigkeiten sind außerdem nur noch Gruppen von maximal 15 Personen erlaubt.

Dubrovnik, Kroatien

Die große Beliebtheit von Kreuzfahrten bedeutet für viele Reiseziele inzwischen mehr Fluch als Segen. Serien wie „Games of Thrones“ heizen den Erfolg zusätzlich an. Die übersichtliche Unesco-Altstadt mit ihrer intakten Stadtmauer wird von über 1,5 Millionen Reisenden pro Jahr angesteuert. In der Hochsaison wälzen sich bis zu 8000 Menschen gleichzeitig durch die engen Gassen. Deswegen hat man 2018 bereits mit den Reedereien vereinbart, die Ankunft der Schiffe zu entzerren. In diesem Jahr ist die Zahl der Kreuzfahrtschiffe mit maximal je 5000 Passagieren auf zwei pro Tag beschränkt.

Island

Der abgelegene Inselstaat hat es in Sachen Urlaub ganz an die Spitze geschafft. Seit 2010 haben sich die Besucherzahlen mit über 2,1 Millionen mehr als vervierfacht. Für ein Land mit insgesamt nur rund 340000 Menschen, das bis zu seiner Pleite 2008 wegen seines hohen Preisniveaus eher als Geheimtipp galt, ist das enorm. Die Infrastruktur hinkt hinterher. Einer Umfrage des Tourismusministeriums zufolge gaben bis zu 55 Prozent der Reisenden an, dass die Hauptsehenswürdigkeiten der Insel – meist entlang der Ringstraße Golden Circle – viel zu überlaufen seien. Zudem fehlt es an Zimmern, Parkplätzen, öffentlichen Toiletten und beschilderten Pfaden.

Machu Picchu, Peru

In der sagenhaften Inkastadt lebten einst nur knapp 800 Menschen. Weit mehr als 1,4 Millionen Besucher wollen jedoch die Ruinen jedes Jahr besichtigen. Erst als die Unesco damit drohte, Perus berühmteste Attraktion von der Welterbeliste zu streichen, setzte die Regierung 2017 strengere Maßnahmen zur Besucherkontrolle um. So werden nur noch 5000 Gäste pro Tag zugelassen. Sie haben die Wahl zwischen zwei Besuchszeiten und müssen von einem Guide begleitet werden. Außerdem dürfen sie sich nur auf vorgeschriebenen Pfaden bewegen.

Mogao-Höhlen, China

Rund 2400 Kilometer westlich von Peking am Rand der Gobi Wüste befindet sich eine der wichtigsten Stätten des Buddhismus. Mönche haben dort an der Seidenstraße vom vierten bis zum zwölften Jahrhundert in Hunderten von Höhlen Bilder von Buddhas Werdegang hinterlassen. Angesichts der Bedeutung der Seidenstraße für China erleben die Höhlen einen Boom. Weit über eine Million Besucher strömen alljährlich dort hin. Doch Licht, Temperaturwechsel sowie die menschlichen Ausdünstungen zerstören die Fresken. Konservatoren würden die Zahl der Ausflügler gerne auf 3000 pro Tag beschränken, aber die Nachfrage ist zu groß. 6000 Personen sind derzeit erlaubt.

Santorin, Griechenland

Die Kykladeninsel mit dem markanten Kraterrand ist ebenfalls ein Opfer der Kreuzfahrtreisenden. 2017 steuerten 406 Passagierschiffe das kleine Eiland an, ein Jahr später waren es bereits 439. Bis zu 15000 Kreuzfahrtpassagiere kapern pro Tag die Insel, und nicht wenige lassen sich auf Eseln die 600 Stufen nach oben in die Ortschaft Fira tragen – was wiederum die Tierschützer empört, weil viele Reiter übergewichtig sind. Hinzu kommen rund 4000 Inselgäste. Obwohl über eine Begrenzung der Kreuzfahrtschiffe nachgedacht wird und der wachsende Müll zum Problem wird, haben sich für 2019 bereits 451 Kreuzfahrtschiffe angemeldet.

Taj Mahal, Indien

Rund sieben Millionen Menschen bestaunen jährlich das berühmteste Mausoleum der Welt. Bis zu 50000 Gäste trampeln pro Tag durch die prächtige Grabstätte. Permanente Renovierungen sind die Folge. Um die Massen zu drosseln, haben die Behörden 2018 die Ticketpreise spürbar erhöht. Einheimische zahlen nun 250 Rupien (ca. 3 Euro) statt ehemals nur 70 Rupien, Ausländer 1300 Rupien (ca. 16 Euro). Zugleich wurde die Dauer des Besuches auf drei Stunden begrenzt.

Venedig, Italien

Der Massenansturm von rund 30 Millionen Touristen pro Jahr hat bereits viele Bewohner in die Flucht geschlagen. Die verbleibenden 55000 Einheimischen leiden unter hohen Mieten und Preisen. Daran wird auch der gerade beschlossene Eintritt für Tages- und vor allem Kreuzfahrttouristen, der je nach Saison zwischen 2,50 und zehn Euro liegt soll, nicht viel ändern. Ab wann und vor allem wie diese Gebühren eingetrieben werden sollen, steht zudem noch nicht fest. Bemühungen, einen Teil der Gäste jenseits der ausgetretenen Pfade – etwa nach Murano – zu lenken, fruchten ebenfalls nicht. In der Hochsaison schlängeln sich bis zu 80000 Reisende pro Tag durch die Gassen von La Serenissima.

( 23.01.2019, srt Tinga Horny)

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