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Urlaub macht mehr Spaß, wenn Hotels und Verkehrsmittel nicht überfüllt sind. Wer bestimmte Feiertage und Ferienzeiten meidet, reist entspannter

Urlaub macht mehr Spaß, wenn Hotels und Verkehrsmittel nicht überfüllt sind. Wer bestimmte Feiertage und Ferienzeiten meidet, reist entspannter

SCHULFERIEN WELTWEIT Overtourism - Deutsche sind keine Reiseweltmeister mehr

Die Hochsaison ist vielen ein Gräuel: überfüllte Strände, proppenvolle Städte, hohe Preise. Während in Südeuropa die Hauptreisezeit traditionell in die Zeit um den Ferragosto-Feiertag (15. August) fällt, reisen Asiaten und Amerikaner zu höchst unterschiedlichen Zeiten. REISE & PREISE sagt, wann in der Ferne Touristenmassen drohen.

Hochsaison in Asien war früher immer dann, wenn die Europäer dem kalten Winter zu Hause den Rücken kehrten. Zwischen Mitte November und Mitte März waren Flüge und Hotels am teuersten, mit Spitzenwerten um Weihnachten und Neujahr. Der Rest des Jahres war »Low Season«. Wer sich zudem mit den Regenzeiten auskannte, dem war ein sonniger Urlaub am einsamen Traumstrand sicher.

Das hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Die Mittelschicht ferner Industrieländer ist größer geworden und damit auch ihr Wunsch, das eigene Land und die Welt zu entdecken. Davon zeugt das explosionsartige Passagierwachstum von Low-Cost-Carriern wie Air Asia und Jetstar, der indischen Indigo oder der chinesischen Spring Airlines. Und auch die Zahl der Autobesitzer ist insbesondere in Asien im letzten Jahrzehnt sprunghaft gestiegen. Auch in ehemaligen Drittwelt-Ländern fährt und fliegt man in den Urlaub.

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Die Chinesen hat das Reisefieber gepackt

Einen wahren Reiseboom erlebt China. Allein im Inland unternahmen Chinesen vier Milliarden Reisen. 130 Millionen Chinesen verreisten ins Ausland (fast zehnmal so viele wie vor zehn Jahren!). 2020 sollen es 160 Millionen sein, und angesichts einer Mittelschicht von 300 bis 500 Millionen dürfte der Trend so weitergehen. Doch wann ist die chinesische Reisewelle am größten? China hat drei Hauptferienzeiten: die Woche um das chinesische Neujahrsfest herum (variiert, 2020 am 25.1.), um den Tag der Arbeit (1. Mai) und die »Golden Week« um den Nationalfeiertag (1. Oktober). Dann macht China mobil und geht auf Familienbesuch. Verkehrsmittel sind oft Monate im Voraus ausgebucht, selbst in den zwei Wochen davor und danach bekommt man nur mit Glück einen Platz. Schüler und Studenten haben im Juli und August Ferien. Beliebte Termine für Kurztrips sind auch das Mondfest (13.–15.9.2019), Silvester und das Drachenbootfest (25.6.2020). Dann ist es nicht nur in China voll und teuer, diese Termine machen sich auch in allen Städten und Strandorten mit Flugverbindungen nach China bemerkbar.

Japaner und Koreaner haben wenig Urlaub am Stück

Ähnlich machen es die Japaner. Sie haben frei an Silvester, in der »Golden Week« Anfang Mai, zum Obon-Fest (13.–15.8.2019, viele Firmen schließen) und alle paar Jahre zur »Silver Week« (19.–22.9.2020). Dazu kommen mindestens 17 Feiertage und die Schulferien im August und im März/April. Der Inlandtourismus boomt vor allem zur Kirschblütenzeit (März/April), im Herbst (zum »Indian Summer«) und im Winter (Skifahren, Onsen-Bäder). Außerdem zieht es die Japaner nach Korea (ein beliebtes Wochenend- Ziel zum Shopping), nach Guam, Thailand, Vietnam, Bali, Hawaii und nach Australien.

Die Südkoreaner haben nur sehr kurze Ferien, Arbeitgeber gestatten oft nur fünf Urlaubstage am Stück. Aber sie haben 15 Feiertage, die sich mit Brückentagen zu 3–4-tägigen Wochenenden kombinieren lassen. Länger geht es nur um das Erntedankfest Chuseok (12.–14.9.2019) und zum Neujahrsfest Seollal (24.–27.1.2020). Dann zieht es Koreaner auf ihre einzige Badeinsel Jeju, nach Japan zum Essen und Shoppen und in die Warmwasserziele Südostasiens (Vietnam und Thailand) – und wenn das Geld reicht, nach Fidschi. Junge Südkoreaner folgen gern den Tipps koreanischer Reiseblogger und »KakaoStory«-Influencern. Wer diese also an seinem Strand sieht, weiß: Nächstes Jahr kommen ihre Follower!

Auch in den ASEAN-Staaten wird Reisen immer beliebter

Die »Thailänder« haben keine typischen Ferienzeiten. Es gibt jedoch 18 Feiertage, darunter Silvester/ Neujahr, der 1. Mai, buddhistische Feiertage und Geburtstage in der Königsfamilie. Um das Wasserfest Sonkran (13.–15.4.2020) reisen Millionen Thais in ihr Heimatdorf oder machen Urlaub. Ansonsten gilt es bei Thailand-Reisen darauf zu achten, wann in China (über 10 Millionen Thailand-Touristen), ASEAN-Staaten (ebenfalls 10 Millionen) und Malaysia (4 Millionen) frei ist. Chinesische Touristen haben mittlerweile nicht nur auf Koh Samui das Straßenbild spürbar verändert. Achtung: Gegenden mit Full-, Half- und Black-Moon-Partys (vor allem Koh Pha Ngan) sind schon Tage vorher überfüllt. Thais und Malaysier nutzen aber auch gern die Wochenenden, um an die Strände zu fahren: Malaysier setzen z. B. mit der Fähre von Langkawi nach Koh Lipe über, um dort das lockere Leben zu genießen. Die Hauptstädter aus Bangkok stürzen sich eher auf die nahe Bangkok gelegenen Inseln Koh Samet und Koh Chang.

Vietnam hat eine Haupturlaubszeit, und die fällt in die Woche um das Neujahrsfest Tet (25.1.2020). Dann sind Verkehrsmittel ausgebucht, die Hotels teurer und viele Läden, Restaurants und Museen geschlossen. Die Städte wirken verlassen wie sonst nie – bis auf die Touristenorte. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl von Hot Spots, etwa die beliebte Lampion-Stadt Hoi An, dort ist es nie so richtig ruhig.

In Malaysia und Indonesien gilt es einige Besonderheiten zu beachten. Der neunte Monat des islamischen Kalenders ist Ramadan (23. 4.– 23.5.2020). Außerhalb der touristischen Hot Spots haben viele Restaurants und Cafés tagsüber geschlossen. Auch Alkohol ist dann nicht überall erhältlich. In Indonesien sind während des Ramadans viele Hotels ausgebucht, zum Fastenbrechen sind die Verkehrsmittel voll und die Geschäfte geschlossen. Das hinduistische Bali bleibt davon weitgehend unberührt; hier ist es im Dezember und Januar besonders voll, wenn die Australier Sommerurlaub machen, und um das Neujahrsfest Nyepi (25.3.2020). Von Mitte Mai bis Ende Juni verbringen viele Singapurer die Schulferien an Malaysias Stränden. Von Juni bis Mitte September sind viele Hotels in Malaysia mit Großfamilien aus dem arabischen Raum ausgebucht, die die Schulferien nutzen, um der heimatlichen Hitze zu entfliehen.

Auch Russen und Inder sind auf den Geschmack gekommen

Die meisten Russen machen Urlaub im August, wenn ihre Firma zwei bis drei Wochen Betriebsferien macht, und in den kalten Monaten. Ihr mit Abstand beliebtestes Urlaubsland ist die Türkei, gefolgt von Spanien, Italien, Griechenland und Zypern. In Asien sind Thailand und Vietnam beliebt, allen voran Phuket, Koh Phi Phi, Pattaya und Nha Trang. Insgesamt ist die Zahl russischer Touristen auf Grund des schwachen Rubels inzwischen wieder zurückgegangen.

Indien: Die Reiseplanung der indischen Mittel- und Oberschicht orientiert sich meist an Schulferien und hinduistischen Festen. Im April/Mai ist das Reiseaufkommen am größten, die heiße Jahreszeit wird für Verwandtenbesuche oder Reisen in die kühleren Regionen (Hill Stations) genutzt. In den kürzeren Winterferien von Weihnachten bis Anfang Januar wird es voll den Touristenorten, etwa in Rajasthan, Kerala und Goa, auch weil dort Alkohol ausgeschenkt wird. Rund um jedes Hindu-Fest sind Verkehrsmittel weit im Voraus ausgebucht, insbesondere um Durga(4.–8.10.2019), Diwali (27.10.2019) und Holi (9./10.3.2020). Die indische Mittelschicht nutzt außerdem gern die Wochenenden, um ans Meer zu fahren.

Was in Nord- und Südamerika zu erwarten ist

Wenige Nationen haben so wenig Jahresurlaub wie Kanadier (2 Wochen) und US-Amerikaner (kein gesetzlicher Mindesturlaub!). Die meisten Nordamerikaner gönnen sich höchstens eine Woche am Stück. Ins Ausland reisen insbesondere seit 9/11 verhältnismäßig wenige Amerikaner. Die Flugpläne der Billigairlines zeigen, wo es dann hingeht: in die Dominikanische Republik, nach Jamaika, Puerto Rico, Costa Rica. Und natürlich nach Mexiko: In Tijuana, Los Cabos oder Puerto Vallarta sind Amerikaner und Kanadier unter sich. Während des Springbreak (ein- bis zweiwöchige Studienpause im März) sollte man besser auch Orte wie Cancún, Nassau (Bahamas), Punta Cana sowie Panama City und Daytona Beach in Florida meiden.

Da Südamerika auf der Südhalbkugel liegt, fallen die Wintermonate in Europa und Amerika mit den Sommerferien vor Ort zusammen. In Brasilien reicht die absolute Hochsaison darum von Silvester bis Karneval (21.–26.2.2020). An beiden Terminen quellen Städte und Urlaubsorte über mit Feierlustigen, was die Hotelpreise in astronomische Höhen treibt. Weihnachten hingegen ist ein Familienfest, und die meisten Restaurants und Geschäfte haben zu. Überlaufen sind die Strände außerdem in der Osterwoche, im Juli, wenn Brasiliens Schulen und Universitäten Winterferien haben, und im August, wenn die Touristen von der Nordhalbkugel kommen – dann wird es richtig teuer. Ähnlich ist es in Argentinien: Während der Sommermonate sind die Städte leer und Strände überfüllt. In Buenos Aires kommt es neben dem Karneval im November/Dezember beim weltgrößten Poloturnier zu Zimmer-Engpässen.

Dann haben die anderen Ferien

 

Brasilien Dezember/Januar, Karneval, Ostern, Juli China Juli und August Indien Weihnachten bis Neujahr, Mitte Mai bis Mitte Juni, Anfang bis Mitte November USA Springbreak zwischen Ende Februar und Mitte April (je nach Bundesstaat), Sommerferien zwischen Juni und August Thailand Ende Februar, Mitte April, Mitte Juni bis Mitte April, Mitte Oktober, Mitte Dezember bis Anfang Januar Vietnam Sommerferien Mitte Juni bis Ende August

Autorin: Andrea Bonder (3/2019)

 

 

 

 

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