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Auf den Philippinen hält man Pünktlichkeit für unhöflich

Auf den Philippinen hält man Pünktlichkeit für unhöflich

Fettnäpfchen im UrlaubIn fremder Umgebung richtig benehmen

Komplimente verteilen in den USA? In Japan ein Taschentuch verwenden? Gelbe Blumen mitbringen in Russland? Was hierzulande selbstverständlich ist, kann in anderen Ländern peinlich werden. Die folgenden Tipps helfen, auf Reisen unliebsame Fettnäpfchen zu umgehen.

In Frankreich gelten strikte Tischmanieren. Selbst eine Hähnchenkeule oder den Apfel zum Nachtisch bearbeitet man mit Messer und Gabel. Die Beine übereinander zu schlagen oder sich entspannt zurück zu lehnen, gilt als rüpelhaft. Französisch wird als Weltsprache angesehen, wer die Sprache nicht spricht, der kommt oft nicht weit.

In Italien legt man Wert auf Stil. Legere Freizeitkleidung oder gar kurze Hosen zieht man in der Öffentlichkeit nicht an. Beim Betreten eines Restaurants wartet der Gast, bis ihm ein Platz zugewiesen wird. Tabuthemen sind die Mafia und das Nord-Süd-Gefälle. Jederzeit punkten wird dagegen, wer Italiens Vorrang als herausragende Kulturnation zum Thema macht.

Im gesamten Mittelmeerraum wird zur Begrüßung auf die Wange geküsst, was das Zeug hält. Und oft auch noch in den Arm genommen. Körperliche Nähe – selbst unter bisher Unbekannten – ist selbstverständlich. Wem das nicht recht ist, der berührt einfach nur die Wangen. Erst rechte Wange an rechte Wange, dann die andere Seite. In Norditalien gern zum Schluss noch mal rechts auf rechts. Der Wangenkuss ist zwischen Mann und Frau sowie von Frau zu Frau üblich. Männer begrüßen Männer dagegen per Handschlag oder Schulterklopfen.

In Spanien spricht man gern laut, erregt ist man deshalb noch lange nicht. Eine halbe Stunde Verspätung gilt als pünktlich. Das Abendessen kommt meist erst nach 22 Uhr so richtig in Fahrt. Im Restaurant gilt es als unhöflich, sich zu anderen zu setzen, auch wenn der Tisch nur halb belegt ist. Über die Franco-Diktatur, Kataloniens Unabhängigkeitsbestrebungen sowie Sinn und Unsinn des Stierkampfes debattiert man mit Spaniern besser nicht.

Auch in Großbritannien sollten gewisse Themen nicht angeschnitten werden. »Not amused« sind Engländer, wenn man sich über das Königshaus oder den Brexit lustig macht. Vor dem Essen wünscht man keinen guten Appetit. Die heimische Küche hält der Brite trotzdem für das Maß aller Dinge. Und natürlich sind Schotten zwar Briten, aber auf gar keinen Fall Engländer.

In den USA wird man gleich beim Vornamen angesprochen und sofort nach Hause eingeladen – das ist allerdings nur selten ernst gemeint. Auf »How are you« antwortet man selbstverständlich nie anders als »Great«. Bei Tisch ist das Naseputzen verpönt, der wohlerzogene Gast verschwindet dazu in den »Powder Room«. Am Strand gilt oben ohne als völlig unmöglich. Im Supermarkt kommen die breiten Gänge nicht von ungefähr: Amerikaner mögen es überhaupt nicht, wenn man ihnen zu nahe kommt. Mit Komplimenten geht man besser sparsam um: Sie könnten schnell als sexuelle Belästigung verstanden werden.

In Kanada ist vieles ähnlich wie in den USA – doch das so zu sagen, wäre ein Tabubruch. Im Geschäftsleben herrscht eine auffällig strenge Kleiderordnung. Hosen für Damen sind verpönt. Und kommt die Rede auf das französischsprachige Quebec und andere innenpolitische Besonderheiten, dann hilft nur eins: Themawechsel.

In Japan sind zweisprachige Visitenkarten unabdingbar, sie werden mit beiden Händen ausgeteilt und entgegengenommen. Fremde Räume – auch Gasthäuser – betritt man grundsätzlich ohne Straßenschuhe. Wer im Land der aufgehenden Sonne laut lacht, der ist bereits unten durch. Die Beine beim Sitzen von sich zu strecken, beleidigt das Gegenüber genauso wie ein Essstäbchen, das man senkrecht in die Reisschale steckt. Gute Manieren beweist hingegen, wer beim Tee um eine zweite Schale bittet. Vorsicht geboten ist im Umgang mit Geschenken: Schwarzweißes Geschenkpapier ist tabu, denn das bringt Unglück. Überreicht werden Geschenke erst beim Abschied, ausgepackt wird nicht vor den Augen des Gebenden.

In China wird Pünktlichkeit sehr geschätzt, ebenso förmliche Kleidung. Aber bitte nicht schwarz oder weiß, das sind Trauerfarben. Beim Essen erwartet der Gastgeber, dass fröhlich gerülpst und geschmatzt wird, wenn es schmeckt. Geschenke müssen durch zwei teilbar und möglichst in rotes Papier eingewickelt sein. Immer noch nicht überall üblich sind Trinkgelder. Auch lautes Reden, Sprechen mit den Händen und ausdrucksstarke Mimik gelten als unfein. Beim Händeschütteln achtet man darauf, dass der Händedruck weicher ausfällt als in Europa üblich. Achtung bei Fragen: Der Chinese sagt niemals Nein, eine Ablehnung muss man aus verschiedenen Ja-Varianten heraus lesen.

In Thailand ist das freundliche Streicheln über das Haar eines Kindes ein echter Fauxpas: Der Kopf gilt dem Buddhisten als heiliges Körperteil. Noch schlimmer wäre es, mit den Fingern auf andere Menschen zu zeigen oder sie gar mit dem Fuß zu berühren. Fußsohlen dürfen nie auf Personen oder Buddha-Statuen gerichtet sein. Empfindlich reagieren Thailänder auf das Zerknüllen von Geldscheinen – das gilt als Majestätsbeleidigung, denn der Monarch ist darauf abgebildet. Thais legen großen Wert auf gepflegte Kleidung – mit T-Shirt und kurzer Hose gilt man als bettelarm.

Auf den Philippinen hält man Pünktlichkeit für unhöflich. Wer zum Essen eingeladen wird und nicht gierig erscheinen will, der kommt mindestens eine Viertelstunde zu spät. Das Essen wird gern mit den Fingern gegessen, es empfiehlt sich, frischen Fisch, Meeresfrüchte und gegrilltes Fleisch ebenfalls in die Hand zu nehmen. Mit einem »Barong Tagalog«, dem typischen philippinischen Oberhemd aus Ananasfaser, können Männer modisch eigentlich nichts falsch machen – außer sie tragen ein Sakko darüber, das gilt als grob unhöflich.

In Russland kritisiert man besser weder das Land noch die Regierung – auch wenn die Einheimischen das selbst ungeniert tun. Bei Einladungen liegt man nicht falsch, eine Kleinigkeit aus der eigenen Heimat mitzubringen oder notfalls auch Blumen – gern auch an Männer, doch um Himmels willen keine gelben, das brächte Unglück. Im Geschäftsverkehr sind Ausländer ohne das neueste Handy und den modernsten Laptop nichts wert. Beim Wodka darf der Ausländer dagegen mittlerweile auch mal »Nein« sagen.

In Südamerika gilt bei Einladungen eine Stunde Verspätung und mehr als angebracht. Bei der Begrüßung in Brasilien nehmen sich auch wildfremde Menschen in den Arm und deuten einen Kuss auf jede Wange an. Komplimente dürfen gern direkt und sehr persönlich sein. Rote Blumen schenkt man aber nur zu Begräbnissen. In Mexiko reicht man niemals den Salzstreuer von Hand zu Hand – das bringt Unglück.

In Südafrika gilt der ausgestreckte Finger als Angriffssymbol. Augenkontakt und ein fester Handschlag zur Begrüßung werden dagegen geschätzt. Verspätungen von einer halben Stunde und mehr sind üblich. Von Afrika als einer Entwicklungsregion zu sprechen, beleidigt den Gesprächspartner. Und: Südafrikaner mögen es nicht, wenn beim Sprechen die Hände in den Hosentaschen bleiben.

In arabischen Ländern vermeiden es Besucher, beim Gespräch die Arme vor der Brust zu verschränken. Wohlerzogene Frauen schlagen dort auch ihre Beine nicht übereinander. Bei der Begrüßung reicht man sich niemals die linke Hand – sie gilt als unrein. Deshalb wird auch nur mit der rechten Hand gegessen. Wer eingeladen wird, der lehnt nach der dritten Schale Kaffee dankend ab. Touristinnen tun gut daran, ihre Augen mit einer großen Sonnenbrille vor aufdringlichen Männerblicken zu schützen. Schon offen getragenes Haar, enge Hosen oder kurze Röcke könnten falsche Erwartungen wecken. Beim Fotografieren, vor allem von verschleierten Frauen, ist Zurückhaltung angebracht.

In der Karibik – vor allem auf Jamaika – sind viele Insulaner nicht gerade kamerafreundlich. Taktgefühl beweist aber überall auf der Welt, wer Einheimische grundsätzlich um Erlaubnis bittet, bevor er sie ablichtet. Das gebietet die Achtung vor dem anderen Menschen und kann auch im eigenen Land nicht schaden.

(20.08.2018, srt)