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Die Zahl der Ägypten-Touristen ist seit den Unruhen 2011 stark geschrumpft. Doch das diesjährige ITB-Partnerland blickt mit Optimismus in die Zukunft.

Die Zahl der Ägypten-Touristen ist seit den Unruhen 2011 stark geschrumpft. Doch das diesjährige ITB-Partnerland blickt mit Optimismus in die Zukunft.

Foto: Egypt 2012

Urlaub in Ägypten Reisen nach Ägypten günstiger

Nach kräftigen Besuchereinbrüchen sollen die Touristen endlich wieder nach Ägypten reisen. Doch neue Negativ-Schlagzeilen zeigen ihre Wirkung. Beim Urlaub in Tunesien ist man da schon weiter.   

Kunsthandwerk, Tänzerinnen, exotische Köstlichkeiten - die Tourismusverantwortlichen von Ägypten fahren in diesen Tagen auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin groß auf. Das ist auch bitter nötig. Die Unruhen in dem nordafrikanischen Land haben den Tourismus zeitweise fast komplett zum Erliegen gebracht.

Die Besucherzahlen der vergangenen Monate sprechen eine deutliche Sprache. Im kompletten Jahr 2011 kamen 33 Prozent weniger Touristen nach Ägypten, aus Deutschland betrug das Minus 27,4 Prozent. Doch ein genauer Blick zeigt auch, dass die Verluste im Jahresverlauf kleiner wurden - sofern es keine neuen Negativschlagzeilen aus dem Land am Nil gab. Diese schlugen sich dann gleich wieder in den Buchungszahlen nieder. So wurde das Minus im Januar 2012 nach neuen Ausschreitungen wieder größer.

Bei den Reiseveranstaltern gibt man sich deshalb betont zurückhaltend: »Ägypten hat weiterhin mit einer schwächeren Nachfrage im deutschen Markt zu kämpfen«, sagt beispielsweise Peter Fankhauser, Vorstandsvorsitzender von Thomas Cook. Das Land habe sich noch nicht von den Ereignissen der vergangenen Monate erholt.

Auch Marktführer Tui liegt nach eigener Aussage noch unter dem Vorrevolutionsniveau. »Voraussetzung für eine schnelle Erholung ist politische Stabilität, denn die neuen Unruhen in Kairo bremsen die Erholung erneut«, sagte Tui-Deutschland-Chef Volker Böttcher auf der ITB. Nach wie vor »dunkle Wolken am Himmel« sieht auch Edwin Doldi. »Niemand weiß derzeit, wohin die Reise genau geht«, sagt der Sicherheitsmanager von Studiosus. Nach wie vor sei die Nachfrage nach Ägypten-Reisen gering. Nur FTI gibt sich optimistischer: Man sehe eine »sehr gute Entwicklung der Buchungszahlen«, ließ das Unternehmen verlauten.

Mit verschiedenen Maßnahmen will das Land den Tourismus wieder ankurbeln. So verkündete Ägypten auf der ITB, dass der Nil ab sofort wieder bis Kairo für Flusskreuzfahrten freigegeben wird, Sharm el Sheich soll zu einem grünen Tourismusziel ausgebaut werden und dafür 20 Hotels nach ökologischen Richtlinien umrüsten. Ansonsten heißt das Gebot der Stunde: um Vertrauen werben. Es war alles gar nicht so schlimm und wird schon alles nicht so schlimm - das ist der Tenor, in allen Reden auf der ITB.
 

Und in der Tat war in den klassischen Urlauberhochburgen am Roten Meer von den Unruhen nichts zu spüren. Auch Gerüchte um Bikini- oder Alkoholverbot, die nach dem Wahlsieg der Islamisten die Runde machten, bezeichnen die Verantwortlichen als völlig überzogen. »Ich kenne kein islamisches Land, das den Tourismus einschränkt, selbst wenn moslemische Parteien an der Regierung beteiligt sind«, sagt Ägyptens Tourismusminister Mounir Fakhry Abdel Nour.

Ist es bloßes Wunschdenken oder geht es wirklich wieder bergauf? 2012 will Ägypten schon wieder das Vorrevolutionsniveau erreichen, in den kommenden fünf Jahren soll die Zahl der Touristen sogar verdoppelt werden. Woher nimmt das Land diese Hoffnung? »Ägypten ist nach Krisen immer wieder schnell auf die Beine gekommen«, lautet die Erklärung von Abdel Nour. Tourismusforscher Prof. Martin Lohmann spricht von einem Grundinteresse der Deutschen an Ägypten. »Das Interesse ist trotz der Ereignisse nie gänzlich zum Erliegen gekommen, der Rückgang war lange nicht so stark wie man eigentlich hätte erwarten müssen.«

Trotz allem Optimismus: Das Auswärtige Amt bleibt bei seiner Sicherheitseinschätzung vorsichtig. »Reisen nach Ägypten sollten bis auf weiteres auf den Großraum Kairo, die Urlaubsgebiete am Roten Meer, die Touristenzentren in Oberägypten und auf geführte Touren in der Weißen und Schwarzen Wüste beschränkt werden«, heißt es im Sicherheitshinweis. Von Reisen in die anderen Landesteile werde weiterhin abgeraten.

Ähnlich lautet auch die Einschätzung von Studiosus-Manager Doldi. «Reisen in die touristischen Regionen des Landes sind derzeit vertretbar, aber wir beobachten die Sicherheitslage ganz genau», erklärt er. Sehr skeptisch sieht er dagegen die Lage auf der Halbinsel Sinai. Hier verschlechtere sich die Sicherheitslage immer weiter. Deshalb schaue man unter anderem auch auf Sharm el Sheich besonders intensiv.

Nur wenige hundert Kilometer von Kairo entfernt ist die Lage in Tunesien schon wieder fast so, wie es sich die Tourismusverantwortlichen von Ägypten erhoffen. »Das Land präsentiert sich wieder politisch stabil und hat damit das Vertrauen bei den Kunden wieder hergestellt«, so Thomas-Cook-Chef Fankhauser. »Wenn sich die Buchungen so fortsetzen, könnte Tunesien im Sommer wieder das Niveau von 2010 erreichen.«

Ähnlich sieht Tui die Lage: »In Tunesien ist die Aufwärtsentwicklung noch stärker zu spüren als in Ägypten«, sagt Böttcher. Tunesien liegt bei Studiosus nach der Aussage von Edwin Doldi zwar nach wie vor unter dem Niveau von vor der Revolution. »Hier ist der Ausblick aber positiv, die Sicherheitslage ist gut, die Regierung funktioniert - wenn das so weiter geht, können wir 2013 wieder alte Höhen erreicht haben«, so Doldi.

Von einem Buchungsplus von 68 Prozent im Januar berichtet Andrea Philippi, Sprecherin des tunesischen Fremdenverkehrsamtes. »Damit sind wir fast schon wieder auf dem Niveau von 2010.« Und auch die Tendenz für den Sommer weise in diese Richtung. Insgesamt wolle man 2012 die Hälfte des verloren gegangenen Terrains zurückholen und 2013 wieder über dem Vorrevolutionsniveau liegen.

Vor allem bei Familien mit Kindern verzeichnen Reiseportale einen starken Zuwachs in Tunesien. Philippi hat auch ein neues kulturelles Interesse an dem Land ausgemacht. Ausflüge, Individualtouren und Studienreisen würden deutlich stärker nachgefragt als früher. Damals endete der Urlaubshorizont meist direkt an der Hotelmauer. »Wir haben uns in der Vergangenheit zu sehr auf Badetourismus konzentriert«, gibt Tunesiens Tourismusminister Elyes Fakhfakh auf der ITB unumwunden zu. Nun wollen die Tourismusverantwortlichen auch die kulturellen Sehenswürdigkeiten, die Wüste und die Wellness-Angebote des Landes in den Vordergrund rücken.

Von den Unruhen in Ägypten und Tunesien haben in den vergangenen Monaten vor allem zwei Ziele profitiert: die Türkei und die Kanaren. Ersteres vor allem als Ziel für den Sommerurlaub, letztere für Sonnenhungrige im Winter. Dennoch gibt Tourismusforscher Prof. Martin zu bedenken: »Das ist keine riesige Masse.«

So gut die Lage hier, so schlecht dort - eines kommt Touristen sowohl in Tunesien als auch in Ägypten zugute: Das Portemonnaie wird nicht besonders stark belastet. Mit Sonderpreisen versucht Ägypten die Urlauber wieder zurückzugewinnen. Ohnehin schon immer günstig war Tunesien. »Hier liegen wir wieder auf einem normalen Niveau«, sagt Thomas-Cook-Sprecher Brandes.

Reisen nach Ägypten sind im Vergleich zum letzten Normaljahr 2010 um 0,5 Prozent günstiger geworden. Tunesien dagegen hat sich um 3,6 Prozent verteuert. Doch hier kommt den Touristen auch noch eine Nebenwirkung der Revolution zugute: Die Zwangspause haben viele Hotels für Modernisierungen genutzt. »Der Urlauber bekommt hier mehr für sein Geld«, so Brandes. 

(12.3.12, dpa)
 

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