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Für ein paar Euro in den Urlaub fliegen ist in. Doch wer nicht auf der Hut ist, zahlt unterm Strich drauf

Für ein paar Euro in den Urlaub fliegen ist in. Doch wer nicht auf der Hut ist, zahlt unterm Strich drauf

 

Billigflieger im Test Low-Cost-Airlines auf dem Prüfstand

Wie »billig« sind die Tickets unterm Strich wirklich, und stimmt das Preis- Leistungs-Verhältnis?

Ja, diese Angebote gibt es wirklich: ab € 9,99 nach Barcelona (Ryanair), ab € 7,50 von Kuala Lumpur an den Strand (Air Asia), ab € 92 von Singapur nach Australien (Scoot) und ab € 159 von Deutschland aus über den »großen Teich« nach New York (Norwegian). Wenn man das Glück hat, eines der wenigen Schnäppchen-Tickets zu erwischen, kommt man wirklich billig weg. Ein bisschen zu schön, um wahr zu sein. Das Konzept der Billigflieger ist ja seit fast 20 Jahren bekannt: günstige Schnäppchenpreise bewerben und sich dann Gepäck, Sitzplatzreservierung, Essen und Getränke an Bord teuer bezahlen lassen. Selbst fürs Bezahlen muss man oft noch zusätzlich zahlen…

»No frills« nennen die Low-Coster das. Aber »was nicht viel kostet, taugt nichts« stimmt so nicht, da muss man schon genauer hinsehen. Manche Airlines bieten einen großen Sitzabstand, Freigepäck und Inklusiv-Verpflegung – andere verlangen horrende Gepäckzuschläge und bieten nicht einmal eine kostenlose Bezahlmöglichkeit an.

Im Test haben wir 16 bedeutende und die für Reisende interessantesten Billigairlines weltweit berücksichtigt. Die Tabelle gibt Auskunft über Ziele, Flotte, Einstiegspreise und Zusatzkosten, inklusive der Getränke- und Essenspreise an Bord. Während viele Easyjet, Ryanair, Air Asia oder Southwest mit ihren riesigen Streckennetzen schon aus eigener Erfahrung kennen, sind andere Airlines weniger geläufig. Wie Fly- Be, deren kleine Maschinen zahlreiche Ziele in Großbritannien ansteuern. Oder Norwegianund Vueling, die beide – obwohl es auch Direktverbindungen gibt – überwiegend Umsteigeverbindungen über ihre Drehkreuze Oslo und Barcelona fliegen. Wow Air macht das gleiche in Richtung Nordamerika, mit Stopp in Reykjavik. Air Arabia ist eine interessante Wahl für Weiterflüge ab Sharjah (inklusive Shuttlebus von Dubai und Abu Dhabi!) in Richtung Indien und weiter. In ihren Heimatländern sind Indigo, Kulula und Nok Air preiswerte Alternativen zu den Liniencarriern. In Australien und Vietnam ist es die Qantas-Tochter Jetstar, die außerdem günstige Mittel- und Langstreckenflüge zwischen Ostund Südostasien, Australien und Neuseeland durchführt. Von Singapur aus fliegen auch die Singapore Airlines-Töchter Scoot und Tigerair, die dieses Jahr fusionieren, Ziele in Asien und Australien an.

Es tut sich wieder einiges auf der Langstrecke

Vor allem auf der Langstrecke tut sich wieder einiges. Vor ein paar Jahren hatten sich schon mal einige Airlines wie Air Asia X oder L’Avion an Fernflügen versucht und waren gescheitert. Denn die Kostenvorteile der Kurzstrecke kommen nicht zum Tragen: Schnelle Turnaround-Zeiten bringen kaum etwas, wenn nur ein Flug pro Tag durchgeführt wird – statt mehrmals am Tag auf europäischen Rennstrecken hin und her zu fliegen. Crews müssen übernachten, und wenn der Flug nicht täglich geht, hängen sie auf einem längeren Layover fest. Und Kerosin ist für alle Airlines gleich teuer. Und trotzdem gehen seit einiger Zeit wieder Billigflieger verstärkt auf die Langstrecke. Lufthansa trimmte Eurowings auf billig und fliegt seit Anfang 2016 europäische und weltweite Urlaubsziele an. Norwegian fliegt seit 2015 nach Nordamerika und in die Karibik. WOW air lockte schon 2014 mit 99-Euro-Tickets gen USA, mit Stopp in Island. Ryanair dringt in viele Strecken vor, aus denen sich Air Berlin zurückzieht; außerdem arbeitet man an Kooperationen, damit Ryanair-Passagiere in London bzw. Dublin in Norwegian- bzw. Aer-Lingus-Flieger gen USA umsteigen können. Da schauen auch die etablierten Airlines nicht länger zu. Air France-KLM will ebenso eine Langstrecken- Günstigtochter starten wie der Luftfahrtkonzern IAG (u. a. British Airways und Iberia), der ab Sommer von Barcelona über den Atlantik fliegen will.

In Asien funktionieren Low-Cost-Langstrecken schon seit Jahren. Air Asia fliegt bis nach Indien, Australien, Neuseeland und Hawaii. Auch Scoot, Tigerair und Jetstar pendeln zwischen Südostasien und Australien, mit Flugdauern von acht Stunden und mehr. Und die Preise können sich sehen lassen: Eine der wohl längsten Flüge geht von Kuala Lumpur nach Osaka (9,5 Std.) und weiter nach Honolulu (7 Std.) und kostet pro Strecke nur rund 100 Euro – inklusive 20-Kilo-Koffer, Sitzplatzwahl und warmem Essen. Jetzt strecken die Asiaten ihre Fühler wieder nach Europa aus. Scoot ist mit 12 Dreamlinern B 787 bestens auf eine mögliche Expansion auf der Langstrecke vorbereitet. Ein Anfang ist bereits gemacht: Am 20. Juni wird erstmals die Strecke Singapur–Athen geflogen. Auch Air Asia X, die 2012 ihre Paris- und London-Flüge eingestellt hatte, kehrt zurück. Ab 30. Oktober fliegen die Malaysier von Kuala Lumpur nach Istanbul und weiter nach Barcelona. Auch die Strecken KL–London und Bangkok–Frankfurt sind angedacht, zum Preis von 200 Euro.

Immer mehr Abflüge von »richtigen« Flughäfen

Auch die Zeiten, in denen man wegen billiger Tickets bis an den Niederrhein oder in den Hunsrück reisen musste, sind vorbei. Düsseldorf, Hamburg und Köln stehen schon lange im Flugplan von Easyjet, Ryanair & Co. Auch die Bastion München fällt. Nachdem sich dort vor allem Norwegian und die holländische Transavia breitgemacht haben, schlägt Eurowings mit einem Paukenschlag in München auf: Im Frühjahr 2017 wird dort sogar eine Basis eingerichtet, von der aus es gleich zu 30 Zielen gehen soll. Und weil Ryanair und auch Wizz Air seit diesem Jahr in Frankfurt/Main abfliegen, will Eurowings 2018 nachziehen.

Sitzkomfort und Gepäckgrenzen: sehr unterschiedlich

Damit die Billigflieger auf ihre Kosten kommen, sind die Flieger in der Regel eng bestuhlt. Geringste Sitzabstände findet man bei Air Asia und Vueling (ab 71 cm), Easyjet (73 cm) sowie Jetstar, Kulula und Norwegian (ab 74 cm) – da wird es selbst auf Kurzstrecken ungemütlich. Am oberen Ende liegt Air Arabia mit 81 Zentimetern. Bei Air Asia, Eurowings, Jetstar, Norwegian (im B787), Scoot und Southwest kann man den Sitz etwas zurücklehnen; gut für einen selbst, schlecht für den Hintermann. Und irgendwo muss schließlich auch das ganze Handgepäck hin. Bei Air Arabia, FlyBe, Norwegian, Ryanair und Vueling darf man einen 10-Kilo-Koffer mit an Bord nehmen, Easyjet und Southwest haben gar keine Gewichtsbeschränkung! Und das schöpfen natürlich viele Passagiere aus, um an den Gebühren für das eingecheckte Gepäckstück zu sparen.

Denn beim Aufgabegepäck schlagen die Airlines am stärksten zu. In der niedrigsten Tarif- klasse sind meist keine Koffer kostenlos. Es gibt in der Regel Festpreise für 15, 20 und 23 Kilogramm. Für 20 Kilogramm werden innerhalb Europas pro Strecke zwischen moderaten € 9 (Eurowings, Norwegian) und bis zu € 50 (Ryanair) fällig. Und das nur, wenn das Gepäck online gleich mitgebucht wird; am Schalter kann es bis zu doppelt so teuer werden. Das Gleiche gilt in der Regel bei Umsteigeverbindungen, denn die Gepäckgebühr gilt ja pro Flugstrecke. Und wenn man die Grenzen überschreitet, werden teure Aufschläge pro Kilo verlangt. Das schlägt sich besonders nieder, wenn man auf der Langstrecke 23 oder sogar 30 Kilogramm Freigepäck dabeihatte und in Asien, Australien oder Amerika in einen Billigflieger mit knappen Gepäckvolumina umsteigt. Wir haben für unseren Vergleich von Einstiegs- und Endpreis mit 23 Kilogramm gerechnet. Bei Southwest sind zwei Gepäckstücke à 22,6 Kilogramm kostenfrei. Bei Air Arabia ist das Gepäck auf vielen Strecken gratis oder kostet nur wenige Dollar, auch bei Indigo ist der Kilopreis oberhalb der 15-Kilo-Marke vertretbar. Bei Air Asia, Jetstar, Nok Air und Scoot fallen wir in die 25-Kilo-Kategorie und müssen dafür US$ 7,60–70 zahlen. Bei Kulula müssen wir € 21 extra zahlen, dürfen aber von 20 auf 40 Kilo aufstocken.

Sitzreservierung kostet extra

Zwei weitere, oft nicht zu umgehende Zusatzkosten haben wir unter die Lupe genommen:
Für eine Sitzplatzreservierung verlangen europäische Airlines je nach Strecke € 2–11, auf der Langstrecke bis zu € 35. Bei den außereuropäischen Airlines sind die Preise ähnlich. Bei Nok Air und z.T. bei Indigo ist die Sitzplatzreservierung gratis, und Southwest hat sie nicht – dort herrscht »free seating«. Die Bezahlkosten hingegen halten sich überraschenderweise in Grenzen. Die europäischen Airlines bieten alle eine gängige Bezahlart kostenfrei an, mit Ausnahme von WOW Air, es sei denn Sie haben eine Debitcard von Visa oder Mastercard. Die außereuropäischen Airlines (mit Ausnahme von Kulula und Southwest) bieten keine kostenfreie Bezahlart, die Mehrkosten hielten sich im Test aber in Grenzen. Lediglich die € 6,20, die Jetstar pro Strecke kassiert, sind etwas happig.

Nun haben wir die Einstiegspreise mit dem Endpreis verglichen, der die Zusatzkosten für 23 Kilogramm Gepäck, die Reservierung eines einfachen Sitzplatzes und die Bezahlgebühr umfasst. Den höchsten prozentualen Anstieg von 850 Prozent (!) verzeichnete Ryanair, insbesondere weil die Einstiegspreise so tief sind und das Gepäck so teuer. Das gilt auch bei AirAsia, Indigo und, Wizzair. Easyjet und Vueling wiederum überraschten mit moderaten Aufschlägen.

Bleibt der Blick aufs Tablett, der noch die eine oder andere Überraschung zutage geführt hat. Bei Southwest sind alkoholfreie Getränke gratis, aber zu essen gibt’s außer ein paar Knabbereien nichts; man darf sich aber gern selbst was mitbringen. Ansonsten haben alle Airlines in der Regel eine genügende Auswahl an Schokoriegeln (ab € 1,50), Chips und Muffins (ab € 3), Instant-Noodles, Sandwiches und belegten Brötchen (ab € 4), um einen ein- bis dreistündigen Flug zu überstehen. Für längere Strecken bieten sie in der Regel Menüs an (ab € 7), die man online vorbuchen muss, wenn man nicht mit der verbliebenen Auswahl an Bord vorlieb nehmen möchte. Alkoholfreie Getränke kosten ab € 2, Bier ab € 4 und Wein ab € 5. Besonders teuer ist FlyBe (Dose Bier € 6,75!). Diese Thematik stellt sich bei Air Arabia, Air Asia, Indigo und Nok Air gar nicht, denn an Bord wird gar kein Alkohol serviert.

(REISE & PREISE 2-2017)
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