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Mietwagen-Urlauber werden zu nehmend abgezockt. REISE & PREISE nimmt Anbieter, Leistungen und Preise unter die Lupe

Mietwagen-Urlauber werden zu nehmend abgezockt. REISE & PREISE nimmt Anbieter, Leistungen und Preise unter die Lupe

 

Mietwagen Billiger Mietwagen-Urlaub ist selten gut

Wer online einen Mietwagen bucht, erlebt manch Überraschung. Die Premium-Anbieter sind zuverlässig in der Abwicklung, aber vergleichsweise teuer. Doch wer bei der Buchung einzig auf den Preis achtet, zahlt am Ende oftmals kräftig drauf. REISE & PREISE sagt, wie Sie alles richtigmachen.

zu den Test-Ergebnissen

Es ist bei den Mietwagen wie bei allen Angeboten im Internet: Am besten verkauft sich, was am billigsten ist und in den Preisvergleichslisten ganz oben steht. Am Mietwagenschalter folgt dann oft die Ernüchterung: Die Warteschlange ist lang und die Diskussion mit den Kundenberatern über nicht gewünschte Versicherungen, überhöhte Benzinpauschalen und nicht verfügbare Fahrzeugklassen erzeugt eher Stress als Urlaubsfreude.

Die billigsten Anbieter stehen in den Preisvergleichen ganz oben

Um sich bei den Vergleichsportalen weit vorn zu positionieren, greifen die Mietwagenunternehmen tief in die Trickkiste: Es werden immer mehr Leistungen herausgerechnet, die dem Kunden dann im Laufe der Buchung oder später vor Ort als kostenpflichtige Extras angepriesen werden. Doch die Betreiber großer Vergleichsportale haben intelligente Auswahlfilter programmiert, die Kundenwünsche berücksichtigen und nur zutreffende Angebote auflisten. Für den REISE & PREISE-Test haben wir die Mietwagenpreise und -bedingungen an zehn bei Urlaubern beliebten Airports in Südeuropa recherchiert. Um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, wurden folgende Kriterien vorgegeben: gleiche Miet- und Versicherungsleistungen, unbegrenzte Kilometer, faire Tankregelung und kostenlose Stornierungsmöglichkeit. Der Test ergab Preisunterschiede von über € 400 pro Woche. Zu Ihrer Orientierung geben wir auch das absolut billigste verfügbare Angebot an – außer Konkurrenz, versteht sich, weil die Bedingungen dort deutlich schlechter sind.

Premiumanbieter wie Avis, Hertz, Europcar, Sixt und Enterprise haben viele Vorteile: Die Schalter sind i. d. R. schnell auffindbar, die Fahrzeuge selten älter als zwei Jahre, immer vollgetankt und die Übergabe geht meist reibungslos über die Bühne. Wer direkt über die Homepage der Marktführer bucht, muss jedoch tief in die Tasche greifen. Fallstricke und Zusatzkosten in den Buchungsstrecken lauern nicht nur bei den »Billigheimern«, sondern auch hier. Extraleistungen kosten auch immer extra, fürs Navi z. B. werden bis zu € 20 pro Tag verlangt. Die verlocken den Einstiegspreise sehen zudem einen Selbstbehalt bei Schäden und Diebstahl vor, je nach Anbieter und Fahrzeugklasse € 600 bis 2.200, die als Kaution über die Kreditkarte zu hinterlegen sind. Wer den Selbstbehalt vermeiden will, schließt eine Haftungsausschluss-Versicherung ab – eine sinnvolle Investition, denn in Südeuropa werden kleine Beulen vom Verursacher oft als unbedeutend ignoriert. Der Verleihersieht das natürlich anders – und schnell geht für die Reparatur die Kaution drauf.

Haftungsausschluss ist mitunter teurer als die Wagenmiete

Beim Haftungsausschluss schlagen die Premium-Anbieter dann zu. Vollkasko ohne Selbstbehalt kostet pro Tag von € 10 (Teneriffa) bis € 37 (Neapel) zusätzlich. Europcar schießt mit dem »Premium-Schutz« (inkl. Glas, Reifen, Insassenschutz und Gepäckversicherung) in Griechenland den Vogel ab: Der kostet € 260 pro Woche zusätzlich, einzige Alternative ist der »Basic Tarif« mit Selbstbehalt. Ein Betrag, für den man bei einem Mietwagenbroker ein Fahrzeug der Kompaktklasse für zwei Wochen bekommt – inklusive Volldeckung und Diebstahlschutz (siehe Kästen Thessaloniki und Heraklion).

Mietwagen-Broker wickeln den Großteil des Feriengeschäfts ab

Wer im Urlaub lieber einen Wagen eines Markenanbieters fährt, findet diese auch auf Vergleichsportalen und über Mietwagen-Broker (Autoverleiher ohne eigene Fahrzeugflotte, die sowohl mit kleinen lokalen Anbietern als auch mit großen Flottenbetreibern zusammenarbeiten). Im Filter der Vergleichsportale lassen sich unter »Vermieter« fast alle großen Flottenbetreiber auswählen. Avis vermarktet sich meist in Eigenregie, Hertz und Europcar schalten als Subunternehmer Mietwagenbroker wie CarDelMar, Auto Europe oder TUI Cars ein. Unser Test ergab Erstaunliches: Wer direkt auf den Homepages der Premiumanbieter bucht, zahlt dort mitunter mehr als doppelt so viel wie bei einem Broker. Beispiel Neapel: Ein Kompaktwagen von Avis kostet direkt gebucht € 628 pro Woche, über einen Broker nur € 282. Einen vergleichbaren Kleinwagen gab es über Auto Europe schon für € 201 pro Woche, bei Avis kostete er € 495, bei Hertz € 521 und bei Sixt sogar € 575. Den günstigsten oder teuersten Premium-Anbieter gibt es aber nicht: Im Test war Sixt in Neapel der teuerste, auf Teneriffa Europcar und in Nizza Enterprise.

Um im Preiskampf bestehen zu können, haben sich übrigens auch die großen internationalen Mietwagenkonzerne längst Billigmarken zugelegt. Wussten Sie, dass Firefly zu Hertz gehört, InterRent zu Europcar, Payless zu Avis und Flizzr zu Sixt?

Am Markt tummeln sich inzwischen Hunderte lokaler Flottenbetreiber, die ihre Autos über Mietwagenbroker und gängige Portale vertreiben. Je billiger der Mietwagen, desto ambitionierter die Mitarbeiter, zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Besonders erfindungsreich sind die No-name-Anbieter bei den Tankregelungen. Am dreistesten ist die sogenannte Full/empty-Tankregel: Das Fahrzeug wird voll betankt entgegengenommen (oder so voll, dass die Tankanzeige gerade noch voll anzeigt!) und muss mit leerem Tank zurückgegeben werden. Über die Kreditkarte wird dann eine vertraglich festgelegte Benzinpauschale plus Servicegebühr abgebucht, die den Gegenwert einer Tankfüllung bei weitem übertrifft. Inklusive dem Restbenzin macht der Vermieter über diesen Weg bis zu 50 Euro wett. Leider häufen sich auch die Klagen über fingierte Schadensfälle. Um das zu vermeiden, ist es ratsam, bei der Fahrzeugübernahme einmal mit dem Handy ums Auto zu laufen, um Fotos bereits bestehender Lackschäden zu machen. Wer auf diesen Zirkus keine Lust hat, der macht es einfach so wie früher und sucht sich einen Mietwagen-Einzelkämpfer vor Ort, übers Hotel oder über das Internet. Da taucht dann der Chef noch persönlich am Flughafen auf – mit einem Namensschildchen in der Hand. Das Fahrzeug entpuppt sich dann zwar oft als ein etwas betagteres Modell – dafür muss man sich bei der Rückgabe wegen eines Kratzers im Auto keine grauen Haare wachsen lassen.

TIPP: Darauf sollten Sie achten

> Woran erkenne ich ein unseriöses Angebot? Im Zweifelsfall am Preis: je günstiger der Mietwagen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass nachträglich Kosten entstehen, z. B. über nicht inkludierte Zusatzversicherungen und überzogene Tankpauschalen.

> Worauf muss ich bei der Buchung achten? Stellen Sie die Auswahlfilter der Portale wie folgt ein: 1. Faire Tankregelung, 2. Freie Kilometer, 3. Vollkasko ohne Selbstbehalt, 4. Gute Bewertungen. Die Einstellung »Innerhalb des Terminals« hilft nur bedingt, weil zu selten verlässliche Angaben hinterlegt sind.

> Gebuchte Fahrzeugklasse nicht verfügbar – was tun? Viele Anwälte raten dazu, den geforderten Aufpreis nicht zu akzeptieren und ggf. vor Ort einen anderen Anbieter zu wählen. Die Mehrkosten können später vom Vermieter zurückgefordert werden. In der Praxis ist das bei ausländischen Anbietern oft problematisch. Besser ist es, den gleichen Preis durchzusetzen oder Sie schlagen vor, dass das Auto am Folgetag an Ihrem Hotel durchgetauscht wird. Wichtig: Immer alles schriftlich festhalten und z. B. handschriftlich in den Vertrag aufnehmen.

So haben wir getestet

Zunächst wurden die Wochenpreise der Premiumanbieter Avis, Hertz, Europcar, Sixt und Enterprise für den Zeitraum 15.–22.Mai 2020 ermittelt – inkl. Vollkasko ohne Selbstbehalt, Full/Full-Tankregelung, unbegrenzte Kilometer und Gratis-Storno. Zum Vergleich wurden ermittelt: a) das günstigste Mietwagenangebot, unabhängig von den inkludierten Leistungen b) ein Preis-Tipp mit hoher Kundenzufriedenheit, der die gleichen Leistungen umfasst. Standortnachteile und Kundenservice etc. blieben dabei unberücksichtigt. Genannt wurde immer der Preis für die günstigste Altersstufe des Fahrers. Recherchezeitraum: 7.–9.12. 2019.

(REISE & PREISE 1-2020)