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Wer viel Gepäck hat, ist der Dumme

Auf der Nordatlantik-Strecke wird mit besonders günstigen Tarifen geworben. Doch es hagelt Zusatzgebühren

 

FLUGREISEN USA UND KANADA Wer viel Gepäck hat, ist der Dumme

Für Nordamerika-Flüge wird mit Dumpingpreisen und supergünstigen Handgepäcktarifen geworben. Unterm Strich sieht die Rechnung dann leider ganz anders aus.

Vorbei die Zeiten, als man als USA-Reisender mehr Gepäck gratis aufgeben durfte, als man tragen konnte. Zwei Koffer à 32 Kilogramm sind heute nur noch für Statusflieger erlaubt, für First- und Business-Passagiere oder für diejenigen, die in Südamerika oder Indien ihre Reise antreten. Für alle anderen wurde das Koffergewicht erst von 32 auf 23 Kilo und dann von zwei auf einen Koffer zusammengestrichen. Und es geht weiter abwärts, denn seit einigen Jahren bringen Airlines wie Norwegian und Wow Air das Billig-Konzept erfolgreich auf die Langstrecke. Seitdem machen Handgepäck-Tarife (sogenannte »HBO«-Tarife, kurz für »Handbagge only«) auch bei Linienfliegern Schule.

Auf der Transatlantikstrecke stiegen die USAirlines als erstes in den Preiskampf mit den Low-Costern ein. Delta Air Lines dehnte seine »Basic Economy« Ende 2017 nach Übersee aus, American Airlines im März 2018 und United Airlines im Juni 2018. Amerikaner sind es von Inlandflügen schon lange gewöhnt, für jedes eingecheckte Gepäckstück zu bezahlen. Ein echter Nachteil ist, dass diese Tarife von der Sitzplatzreservierung ausgeschlossen sind und man am Check-in mit den verbliebenen Plätzen vorlieb nehmen muss.

Handgepäcktarife für Urlauber selten interessant

Die Europäer zogen in Sachen Billigtarifen auf der Langstrecke schnell mit: TAP startete im September 2017, Scandinavian im Dezember, British Airways, Finnair sowie Air France/KLM im April 2018. Im Sommer 2018 hat dann die Lufthansa-Gruppe mit Austrian, Brussels Airlines und Swiss die »Light«-Tarife, die 2015 europaweit eingeführt wurden, auf die Nordamerika-Strecken ausgedehnt. Seit Oktober ist auch Condor dabei. Hier gilt in der Regel: kein aufgegebenes Gepäck, keine Sitzplatzreservierung, keine Vielfliegermeilen und weder Umbuchung noch Stornierung.

Handgepäcktarife mögen für Geschäftsleute interessant sein, die ihre Utensilien für Kurzreisen »über den Teich« im Trolley unterbekommen. Bei Urlaubern hingegen läuft es in aller Regel darauf hinaus, dass doch ein Koffer gebucht werden muss. Als Zusatzleistung kostet der bei den Linienairlines online vorgebucht pro Strecke € 40–70 und am Flughafen € 45–88. Damit lohnt sich der Handgepäckstarif i. d. R. nicht mehr, denn der Preisunterschied zum nächsthöheren Tarif inklusive Aufgabegepäck ist durch die Bank kleiner als die Kosten für das Zusatzgepäck. Ein Beispiel: Bei einem Lufthansa-Return-Flug im März nach New York fallen im »Light«-Tarif € 100 für den Koffer an. Der »Basic«-Tarif war nur € 80 teurer, enthält den Koffer sowie die Möglichkeit zu stornieren. Und wie sieht es bei den Billigfliegern aus? Wow Air wirbt mit besonders günstigen Einstiegspreisen. Mitnehmen kann man dann aber nur eine Handtasche bzw. Laptoptasche. Für einen normalen Bordtrolley werden pro Strecke € 40–52 berechnet, für einen aufgegebenen Koffer € 54–64, so dass am Ende € 94–116 zusätzlich zusammenkommen können. Bei Norwegian sollte man den Koffer unbedingt online vorbuchen (€ 52–55), sonst zahlt man am Flughafen sagenhafte € 160 – oneway, versteht sich.

Ins Geld geht es auch bei »normalen« Tarifen, wenn ein zweiter Koffer aufgegeben wird. Am teuersten ist es am Flughafenschalter bei Aeroflot (€ 200), Norwegian (€ 160), Austrian (€ 120–150), LOT (€ 115). Online sind es € 5–23 weniger, bei Norwegian über 50 Prozent. Eine Ausnahme ist Singapore Airlines: Hier sind stets zwei Koffer gratis. Schade, dass die Asiaten ab Deutschland in den USA nonstop nur New York anfliegen!

Handgepäck ist nicht gleich Handgepäck!

Wer angesichts solcher Gebühren aufs Handgepäck setzt, muss genau hinschauen. In der Regel darf man ein Handgepäckstück (z. B. einen Bordtrolley) mitnehmen sowie einen »persönlichen Gegenstand« (z. B. eine Handoder Laptoptasche). Keine Gewichtsbeschränkung haben die vier nordamerikanischen Airlines Air Canada, American Airlines, Delta Air Linesund United Airlines. Bei British Airways darf man theoretisch sogar zweimal 23 Kilo mit in die Kabine nehmen – aufgrund der vorgeschriebenen Gepäckmaße würde man die aber nur zusammenbekommen, wenn man Goldbarren oder Steine transportieren würde… Knauserig sind dagegen Singapore Airlines mit sieben Kilo und Finnair mit acht Kilo – wo doch ein normaler Trolley schon leer zwei bis drei Kilo auf die Waagebringt. Die meisten anderen er lauben zehn Kilo.

Wer einen Standardsitz reservieren möchte, kann dies oft nur noch gegen Gebühr tun. Löbliche Ausnahmen sind Aeroflot, Delta Air Lines, Icelandair, Norwegianund United. Ansonsten hat jede Airline ihr eigenes Preiskonzept. Bei Aer Lingus, Scandinavian, Singapore Airlines, TAPund Wow Air sitzt man hinten gratis. Bei anderen wird es je teurer desto weiter vorne, sind Fensterplätze teurer als Gang- oder Mittelplätze. Billigtarife sind oft von der Sitzplatzwahl ausgeschlossen oder haben höhere Reservierungsgebühren. Im Test zeigte sich, wie tief man für »stinknormale« Sitzplätze auf einem Flug von Frankfurt nach New York und zurück bei einigen Airlines in die Tasche greifen muss. Am teuersten war es bei TAP (€ 88), British Airways (€ 83) sowie Austrianund Swiss (€ 80), gefolgt von Finnair und Air Canada (€ 68). Zum Teil waren die Sitze allerdings auf den Zubringern zum Umsteigeflughafen nicht buchbar, weil diese z. B. von Lufthansa geflogen werden. Denn die jeweiligen Regelungen für Ge päck und Sitzreservierung gelten zumeist nur dann, wenn der ganze Flug mit der entsprechenden Airline durchgeführt wird – nicht aber für Codeshare-Flüge, die mittlerweile Gang und Gäbe sind. Bei SAS z. B. wurde für fast alle New-York-Flüge auf dem Hinflug ein Zubringer der Lufthansa bis Stockholm eingesetzt. Dann ließ sich online z. B. kein Zusatzkoffer anmelden. Auch die beworbenen »Go Light«-Tarife ließen sich bei Abflug von Deutschland nicht buchen – diese gibt es nur bei Abflug von einem skandinavischen Airport.

Über 300 Euro Gebühr für einen XL-Sitz

Besonders extrem ist die Preisgestaltung bei den XL-Sitzen. Am Notausgang kann man nur bei Norwegian gratis reservieren. Ansonsten variieren die Gebühren auf der Langstrecke zwischen € 28 pro Strecke (Iceland Air), um die € 50 (Aer Lingus, Air France/KLM, Scandinavian) und bis zu € 100 (Austrian, Lufthansa). Die meisten liegen bei € 75–85. Das läppert sich ganz schön. Auf unserer Test-Strecke war United Airlines mit € 306 für den Returnflug mit Abstand am teuersten, obwohl es sich nicht mal um eine Umsteigeverbindung handelte. Bei den Zubringern ist die Sitzplatzreservierung gratis, ließ sich allerdings online nicht durchführen.

Und wie sieht es mit der Verpflegung an Bord aus? Das Essen ist außer bei den Low-Costern bei allen Airlines kostenfrei. Wow Air verkauft Pizzen, Sandwiches und belegte Baguettes für € 8,50–9,50, inklusive Getränk und Schokoriegel für € 14,50. Wer ein warmes Essen möchte, muss dies vorbestellen (€ 12). Bei Norwegian wird ein waremes Menü sowie später ein Snack serviert. Außer beim Billigtarif, da kann das Menü für happige € 35 zugebucht werden.

Anders sieht es aus bei den Getränken. Lediglich bei der Hälfte der Airlines sind auf den Nordatlantikrouten sowohl alkoholfreie als auch alkoholische Getränke gratis, bei weiteren drei Airlines gibt’s Bier und Wein umsonst, Spirituosen gegen Bezahlung. Finnair serviert Bier und Wein nur zum Essen gratis. Nur alkoholfreie Getränke gibt’s bei Aer Lingus, Iceland Air und Scandinavian umsonst. Selbst für Wasser bezahlen muss man bei den Low-Costern Norwegian und Wow Air: Wasser, Cola und Kaffee kosten bei Wow Air € 2,70, bei Norwegian sind sie mit € 4–5 sogar fast doppelt so teuer.

(REISE & PREISE 1-2019)
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