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Sitzkomfort Economy Class: Ein Herz für Holzklässler

Sitzkomfort Economy Class: Ein Herz für Holzklässler

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SITZKOMFORT ECONOMY CLASS

Ein Herz für Holzklässler

Im Gegensatz zu Business-Reisenden müssen Economy-Passagiere weiter in engen Sitzreihen Platz nehmen. Trotz neuer Flugsessel mangelt es weiter an Beinfreiheit und Sitzbreite. Da ist es von Vorteil zu wissen, welche Airlines ein paar Zentimeter drauflegen und wo sich im Flieger die besten Plätze verstecken.

Auch die neue Flugsesselgeneration des A 340 hilft Ernst Langbring mit seinen 1 Meter 92 nicht wirklich weiter. Mit weit zur Seite geschobenen Knien klemmt er hinter dem Vordersitz – und so bringt er den Großteil seines Fluges nach Denpasar zu. »Das geht diesmal überhaupt nicht«, meint der 34-jährige Inhaber eines Geschäfts mit Wohnaccessoires aus aller Welt. Der Vordermann quittiert jede Änderung der Sitzposition mit einem vorwurfsvollen Blick zur Seite. Und der Sitznachbar zur Linken orientiert sich zwangsläufig Richtung Kabinenwand.

Normalerweise setzt Langbring, der aus Kostengründen Economy Class fliegt, alles daran, einen der Sitze am Notausgang mit unbegrenzter Beinfreiheit zu ergattern. Ansonsten tut’s auch mal ein Gangplatz. Doch dieses Mal war er zu spät am Check-in. Zugverspätung. »Eine reelle Chance hat man nur, wenn man gleich nach dem Öffnen des Schalters zur Stelle ist oder, noch besser, den Vorabend-Check-in nutzt«. Warum die Fluggesellschaften bisher nicht besser auf große Kunden eingestellt sind, versteht er nicht. Schließlich werden die Menschen von Generation zu Generation größer. Offen spricht er sich für eine »Zwei-Klassen-Economy« aus, für etwas mehr Raum würde er auch gern einen »Hunni« mehr ausgeben.


Sitzkomfort Economy Class: Ein Herz für Holzklässler

Premium-Economy: Viel zu teuer

Was Langbring nicht entgangen ist: Mehr als ein Dutzend Airlines bieten auf Fernflügen bereits eine Premium Economy mit großzügigen Sitzplatzabständen (je nach Airline von 91 bis 107 Zentimeter), zu Mehrpreisen von 300 bis 1.000 Euro pro Strecke, was schnell zu einer Verdopplung des Flugpreises führt. Viel zu viel, wie er findet. Bei 10 Sitzreihen Economy-Plus gingen den Airlines bei einem zusätzlichen Sitzabstand von zehn Zentimetern etwa zehn Plätze verloren. Bei einem angenommenen Flugpreis von 1.000 Euro, so rechnet er vor, könnten die Airlines die Klasse für 50 Euro Aufpreis pro Strecke anbieten – noch nicht einmal eingerechnet, dass für weniger Passagiere auch weniger Bewirtungskosten anfallen und sich das geringere Gesamtgewicht kerosinsparend auswirken würde.

Gegen Geld am Notausgang sitzen

Immer mehr Fluggesellschaften gehen dazu über, die geräumigeren Sitzreihen an den Notausgängen, den Übergängen zur Business-Class und im Servicebereich gegen Aufpreis abzugeben. Was bei Low Cost Airlines längst an der Tagesordnung ist, haben Air Transsat (€ 43 je Strecke), KLM(€ 50) und Singapore Airlines(US$ 50) auf der Fernstrecke als zusätzliche Einnahmequelle entdeckt. Doch aufgepasst: Oftmals befinden sich diese Plätze im direkten Umfeld der Küchen und Toiletten, so dass dem Mehr an Beinfreiheit Duftnoten unterschiedlicher Prägung und nächtliche Betriebsamkeit gegenüberstehen. Zudem ragen die bauchigen Türen der Notausgänge oft so weit in die Kabine, dass die Fensterplätze meist kein Plus an Komfort bringen. In unserer Auflistung der BESTEN PLÄTZE haben wir daher Fenster-Notsitze und den Toilettenbereich weitgehend unberücksichtigt gelassen, sofern es bessere Alternativen gab. Hundertprozentig verlassen kann man sich auf die Angaben der Best-Position-Seats allerdings nicht.

Allein von der Boeing 747 gibt es über ein Dutzend Baureihen und Versionen, ältere und neuere Baureihen, Passagier-Fracht-Kombinationen und Long Versions. Dazu gibt es Zwei-, Dreiund Vier-Klassen-Variationen – die je nach Flugziel und Einsatzgebiet unterschiedliche Sitzkonfigurationen aufweisen. Für die Tabelle haben wir Airlines gebeten, uns jene Flugzeugtypen zu nennen, die ab/bis Europa eingesetzt werden. Trotzdem kann es vorkommen, dass ein planmäßiger Flieger ausfällt und kurzfristig ein anderes Flugzeug zum Einsatz kommt. Dann nützt es auch nichts, wenn man vorher die besten Plätze des Flugzeugs kennt und diese frühzeitig im Voraus reserviert hat.

Wie viel Platz braucht der Mensch?

Wie viel Platz ein Mensch auf Langstreckenflügen mindestens braucht, ist schwer zu sagen. Ein REISE & PREISE-Praxistest ergab, dass ein 1,85 Meter großer Passagier mit normalen Proportionen einen Sitzplatzabstand von etwa 80 Zentimeter benötigt, um seine Knie in aufrechter Sitzposition zusammenbringen zu können und so ein Mindestmaß an Bewegungsfreiheit zu haben. Ein Passagier ändert einer Studie des Sitzherstellers Recaro zufolge bis zu dreimal pro Minute seine Sitzposition. Doch den Konstrukteuren der Jetbestuhler sind Grenzen gesetzt. So müssen kleine, große, dicke und dünne Menschen auf dem gleichen Modell möglichst bequem und schmerzfrei sitzen. Bei einem Größenunterschied von 30 bis 40 Zentimetern endet die ergonomische Sitzoptimierung also immer in einem Kompromiss. Dennoch: Die neuen Sitzgenerationen bieten bei gleichem Sitzabstand mehr Platz für die Beine, weil die Lehnen dünner geworden sind bzw. weil Ausbuchtungen im Vordersitz zusätzlichen Raum schaffen.

Fakt aber ist, dass 87 Zentimeter bei Economy- Spitzenreiter Asiana Airlines und die 48 cm breite Sitzfläche im A 380 von Singapore Airlines den »Holzklässlern« spürbar mehr Komfort bieten als die 76 Zentimeter in der Touristenklasse von Condor und die mit 41 cm sehr schmalen Sitze von Transsat. Zum Vergleich: In Reisebussen beträgt der Sitzplatzabstand vergleichbare 74 bis 85 Zentimeter, in der 2. Klasse eines ICE je nach Ausführung 92 bis 97,1 Zentimeter.

Eine Mysterium für sich sind die Angaben der Airlines für die Neigung der Sitzlehne. In diesem Bereich sind aufgrund unterschiedlicher Sitzhersteller kaum vergleichbare Maße auffindbar. Die einen geben die Neigung – sinnvollerweise – in Grad ab Kabinenboden an, andere wiederum in inch (1 inch = 2,54 cm) bzw. Zentimeter oder in Grad ab Senkrechtstellung der Lehne, was die Verwirrung komplett macht, schließlich steht die Sitzlehne in Nullstellung nicht exakt auf 90 Grad, sondern irgendwo zwischen 100 und 105°. Gut: Die gefühlte Lehnenneigung ist immer etwas höher, weil sich Flugzeuge mit einem Steigungswinkel von etwa zehn Prozent fortbewegen, was einige Airlines bei der Befragung wohl auch dazu bewegt, schon bei einer Sitzneigung von 165 bis 170 Grad in der Business-Class von Lie-Flat-Flugsesseln (Schlafsessel mit gerader Liegefläche) zu sprechen.


Sitzkomfort Economy Class: Ein Herz für Holzklässler

Der Flugsessel der Zukunft schafft Platz

So lange sich die Airlines genötigt sind, die Maschinen über den Preis zu füllen, dürfte sich der Sitzabstand in der Economy kaum vergrößern. Das Problem aber könnte sich schon in wenigen Jahren von selbst lösen: Die Zukunft gehört hauchdünnen Flugzeugsitzen mit elastischer Polyester-Bespannung und weiter oben angeordneter Literaturtasche, die nicht nur zusätzlichen Raumgewinn versprechen, sondern über eine flexible Sitzkante auch ein besseres Ausstrecken der Beine ermöglichen. Vermutlich aber wird es auch dann Gesellschaften geben, die den technischen Fortschritt nutzen und die Sitzreihen noch weiter zusammenschrauben.

(Mai 2009)