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Langstrecken-Billigflieger: Für einen Hunderter nach Hongkong

Langstrecken-Billigflieger: Für einen Hunderter nach Hongkong

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LANGSTRECKEN-BILLIGFLIEGER

Für einen Hunderter nach Hongkong

Die asiatischen Billigflieger zieht es nach Europa - nachdem sie in ihrer Heimatregion Erfolge feiern und die Märkte gewaltig aufgemischt haben.

Zum Mallorca-Preis von Schönefeld nach Bangalore, zum Alicante-Tarif vom Nachbar-Gate aus nach Hongkong, zum Ayurveda-Wochenende mal eben nach Indien, zum Shoppen nach China - und für den Fernflug nach Asien um die 110 Euro pro Strecke ausgeben: Das wird nicht mehr lange Zukunftsmusik sein, denn Asiens boomende Billigflieger trauen sich Großes zu und sind auf dem Sprung nach Europa.

Die amerikanische Southwest Airline hat es vor inzwischen über zwanzig Jahren vorgemacht, Ryanair und Easyjet haben das Modell auf Europa übertragen - und unzählige andere folgten ihnen: Boom in der Billigfliegerwelt. Dabei ist das Geschäftsmodell mit reduziertem Service, extrem effektivem Flugbetrieb und günstigen »ab«-Preisen keineswegs mehr auf Europa und die USA beschränkt. Auch in Mittel- und Südamerika, in Australien und Teilen der arabischen Welt funktioniert das System bestens und lockt Millionen von Passagieren in die Jets junger Billigflieger-Firmen, die rasantes Wachstum hinlegen. Besonders stark sind die Billigflieger inzwischen in Fernost - vor allem in Thailand, Malaysia, Singapur und da insbesondere auf Kurzstrecken zwischen diesen Ländern, mehr und mehr auch in Indien. Von diesen Heimatmärkten aus setzen sie jetzt zum Sprung nach Europa an und werden bald Namen am Himmel über Köln, Berlin und Hahn im Hunsrück bekannt machen, die bislang allenfalls einzelnen Experten und preisbewussten Globetrottern bekannt sind.

Dabei galt in der Branche eigentlich, dass das Billigflug-Geschäftsmodell nicht wirtschaftlich auf die Langstrecke zu übertragen sei: Die Schnäppchen-Airlines leben üblicherweise von Kurzstrecken zwischen aufkommensstarken Zielen, vom schnellen Wechsel der Passagiere und Flügen nicht über zwei Stunden, von Zusatzverdiensten aus Gebühren für Sitzplatzreservierung, Gepäckbeförderung, Essen, Trinken, dem Bordverkauf von Bahn-Tickets für den Transfer am Boden. Sie profitieren von einfachen Abläufen, kleiner Crew, Flotten aus möglichst einunddemselben Flugzeugmodell, geringer Verspätungsanfälligkeit. Langstrecken galten dafür bislang als zu komplex.

Oasis Hongkong Airlines (www.oasis-air.com) tritt seit einigen Monaten den Gegenbeweis an und pendelt mit Boeing-747-»Jumbos« erfolgreich auf der Zwölf-Stunden-Strecke zwischen Hongkong und London - zu Ticketpreisen von ab 110 € für den einfachen Flug in der Economy Class. Das sind nur rund 20% der bis dato branchenüblichen Tarife etablierter Rivalen. Ende Juni stand die Aufnahme der neuen Strecke Hongkong-Vancouver auf der Agenda, nachdem drei weitere Boeing 747-400 zur Flotte von Oasis stießen - gekauft von der japanischen ANA.

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Der rasant wachsende malaysische Billigflieger Air Asia (www.airasia.com) will nachziehen und hat die Gründung des Ablegers Air Asia X angekündigt, der schon bald mit A330 Langstrecken aus Kuala Lumpur heraus nach Europa bedienen soll - nach Airlineangaben noch 2007, spätestens Anfang 2008 zu Einstiegspreisen, die sich noch unter dreistelligen Eurobeträgen für den Oneway-Flug bewegen dürften. Geplante Ziele: u.a. Berlin, Prag und London. Der regionale Hauptkonkurrent Tiger Airways (www.tigerairways.com), an der die namhafte Fluggesellschaft Singapore Airlines beteiligt ist, könnte sich unter Druck gesetzt sehen und ebenso nachziehen. Bereits angekündigt hat das Unternehmen neue Flüge zwischen Singapur und Indien - ebenso wie Air Asia. Die australische Jetstar, Tochter der etablierten Qantas und einst als deren Gegengewicht zum inneraustralischen Billigflieger-Rivalen Virgin Blue gegründet, verbindet den fünften Kontinent bereits mit Zielen in u.a. in Thailand, Vietnam, auf Taiwan und Hawaii auf bis zu zehnstündigen Flügen. Damit ist dort der Einstieg in den Langstreckenmarkt bereits gemacht - unter Wahrung des Billigflieger-Geschäftsmodells und mit vergleichsweise niedrigen »Ab«-Preisen, die freilich nur für wenige Sitze gelten und schnell auf wirtschaftliches Niveau ansteigen.

Vijay Mallya, Chef des größten indischen Brauereikonzerns und seit kurzem in Personalunion Manager des ambitionierten Billigfliegers Kingfisher Air (www.flykingfisher.com), hat zur Verblüffung der Konkurrenz insgesamt fünf Doppeldecker vom Typ Airbus A 380 geordert, um mit den Mega-Jets aus dem Wachstumsmarkt Indien heraus schon bald nach Europa zu fliegen. Weitere zu erwartende Ziele neben London und anderen britischen Metropolen mit großem ethnischen Verkehrsaufkommen nach und von Indien: vor allem Deutschland mit großem Geschäftsreiseaufkommen Richtung Subkontinent und hohem Urlauberinteresse - einschließlich einer Vielzahl innerindischer Anschlussmöglichkeiten im stark wachsenden Kingfisher-Netz, das zur Zeit u.a. Mumbai, Bangalore, Chennai, Delhi, Goa und Srinagar  umfasst.

Mancher mag sich an seinen Plänen noch verheben, aber sicher ist: Asiens Billigflieger sind auf Europa-Kurs, und mittelfristig ist sogar damit zu rechnen, dass sie ihr Geschäftsmodell abermals komplexer aufstellen und sich Allianzpartner in England und Deutschland suchen werden, um Zubringerflüge zu ihren hiesigen Drehkreuzen anbieten zu können.

Oasis Hongkong Airlines dürfte dabei der erste Asia-Schnäppchenflieger sein, der bei uns landet: Für die »nahe Zukuft« ist bereits die Aufnahme von Flügen nach Köln und Berlin angekündigt. Das war freilich vor einem Jahr schon mal der Fall, ohne dass etwas geschah - aber inzwischen ist die London-Route anders als damals bereits Wirklichkeit, und das Geschäft läuft. Oasis setzt mit seiner Jumbo-Flotte aus derzeit fünf Jets ausschließlich auf das Langstreckengeschäft, während das Rückgrat der Mitbewerber das Kurzstreckengeschäft in ihren Heimatmärkten ist.

Ungeachtet der bevorstehenden Langstreckenverbindungen sind die asiatischen Billigflieger schon jetzt gerade für reiseerfahrene Fernost-Urlauber eine interessante Alternative zu den Platzhirschen Thai Airways, Malaysia Airlines, Singapore Airlines, Cathay Pacific und zur australischen Qantas. Die Streckennetze sind in der Region dicht gewoben, die Flugpläne stabil, Buchung übers Internet und Zahlung mit  Kreditkarte funktioniert unkompliziert. Air Asia bedient beispielsweise derzeit zahlreiche innermalaysische Routen vor allem von und nach Kuala Lumpur, dazu einige innerthailändische Routen. Aus Kuala Lumpur fliegt Air Asia inzwischen ein Dutzend internationale Strecken - u.a. nach Phuket, Bali und ins südchinesische Spielerparadies Macau. Dort Tickets für 50 € pro Strecke zu bekommen, stellt auch kurzfristig keine große Schwierigkeit dar.

Konkurrent Tiger Airways fliegt derzeit vor allem Strecken im Vier-Stunden-Radius um Singapur, aber auch bis ins gut acht Stunden entfernte Melbourne. Wichtigstes Ziel ist Bangkok. Darüberhinaus steuern die Jets u.a. auch Ho Chi Minh-Stadt, Hanoi und Shenzen an.

Binnen weniger Jahre ist unterdessen Virgin Blue (www.virginblue.com.au) zur zweitgrößten australischen Airline nach Qantas geworden und hat diesen Hauptrivalen dazu gebracht, mit dem Tochterunternehmen Jetstar (www.jetstar.com) zwischenzeitlich selber einen Billigflieger zu gründen. Und während Virgin Blue sich auf Australien und Ozeanien konzentriert, hat Rivale Jetstar zwischenzeitlich den Ableger Jetstar Asia (www.jetstarasia.com) ins Leben gerufen, der vom Drehkreuz Singapur aus Ziele in Südostasien bedient.

Interessant für Urlauber wie für Geschäftsreisende werden die asiatischen Billigflieger auf den Kurzstrecken immer dann, wenn man möglichst flexibel sein will und sich erst vor Ort zum Flug entschließt oder die Weiterreise nicht unmittelbar an den Langstreckenflug hängt. Denn knappe Umsteigezeiten vom Langstrecken-Liniencarrier auf den Billigflieger oder umgekehrt sind riskant. Bei getrennten Buchungen garantiert keiner für irgendetwas: Hat die Langstreckenmaschine Verspätung, ist der Billigflieger abgehoben - und das Ticket ersatzlos verfallen.

Außerdem wichtig: Momentan fokussieren sich die asiatischen Billigflieger in ihrer Werbung und mit ihren Web-Auftritten vor allem auf die Heimtmärkte und noch nicht auf internationale Gäste. Die Buchung übers Internet wird zum Sprachproblem, wenn man nicht mindestens Englisch kann.

Es kann sich lohnen, vor dem entscheidenden letzten Buchungs-Klick auf der Website Vergleichspreise der etablierten so genannten »National Carrier« wie Thai Airways oder Singapore Airlines insbesondere in Kombination mit dem Langstreckenticket aus Europa einzuholen. Denn ähnlich wie bei uns Lufthansa mit den attraktiven Better Fly-Tarifen für 99 € reagieren auch die Platzhirschen am Himmel über Südostasien mit Kampfpreisen auf die neuen Rivalen. Das mag die Bilanz am Ende des Geschäftsjahres trüben - aber die Passagiere freut es.

Auf einen Blick:
Die Internet-Adressen der wichtigsten Billigflieger in Asien und Australien
Mittlerer Osten: www.airarabia.com
Indien: www.airdeccan.net, www.flykingfisher.com
Fernost: www.tigerairways.com, www.airasia.com, www.jetstarasia.com, www.oasis-air.com
Australien: www.virginblue.com.au, www.jetstar.com