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Blick auf den Göteborger Hafen

Blick auf den Göteborger Hafen

Foto: Mikael Miettinen, Flickr

GÖTEBORG Das Herz der Stadt Göteborg schlägt am Wasser

Hafen, Achterbahn und jede Menge Museen - ein herbstlicher Streifzug durch die südschwedische Miniaturausgabe der Europäischen Union.  
Am Fähranleger steht eine Frau mit wuscheligem Hund. Ihre Kopfbedeckung sieht aus, als sei sie aus dem Zwillingsbruder ihres Vierbeiners gefertigt. Über die Brücke verlassen gut gelaunte Passagiere das mächtige Schiff. Dabei unterscheiden sich die Einheimischen durch die Wahl des Zusatzgepäcks eindeutig von den Touristen. Denn nahezu jeder hat einen »Hackenporsche«, einen Einkaufstrolley, voll mit Wein und Paletten an Dosenbier im Schlepptau. Fast so, als gelte es, sich für die bevorstehenden Herbsttage und die mitunter langen Winter einen Vorrat anzulegen. Nicht dass es die Alkoholika in Göteborg, Schwedens zweitgrößter Stadt, nicht gäbe, nein, nur die stolzen Preise im Land der Elche laden die Einwohner immer wieder zu Hamsterkäufen auf den Skandinavien-Fähren ein.

»Göteborg ist eine Miniaturausgabe der Europäischen Union. Hier sind Menschen aus ganz Europa zuhause und bereichern das Leben auf vielfältige Art und Weise«, erklärt Francois Lecker, ein Deutscher, der seit Jahren in der südschwedischen Metropole lebt. Als Skandinavien-Liebhaber verdient er seine Brötchen im Management eines großen Ferienhausanbieters und freut sich, wenn er Besucher aus seiner alten Heimat die Schokoladenseiten seiner Wahlheimat vorstellen darf.

»Gegründet wurde Göteborg, das den größten Hafen Nordeuropas sein eigen nennt, 1621 von König Gustav II. Adolf«, beginnt Francois seine Führung mit einem Steifzug durch die Geschichte. Der Regent aus dem Hause Wasa beauftragte Holländer damit, so Lecker weiter, das Marschland durch den Bau von Kanälen trocken zu legen. Zwischen dem pittoresken Rathaus und dem Stora Hamnkanal, der alten Wasserstraße, die das historische Zentrum durchzieht, blickt das Denkmal des Stadtgründers von einem Sockel herab. Und keine Frage, der Gründungsvater wäre stolz auf »seine Stadt«, die sich mit gut 500.000 Einwohnern zur zweitgrößten in Schweden und zu einem pulsierenden Wirtschaftszentrum aufgeschwungen hat.

Vom Reichtum der Handelsstadt zeugt nur wenige Meter von der Statue des Monarchen das wuchtige Gebäude der Ostindien-Kompanie aus dem Jahre 1760. Heute beherbergt der Häuserkomplex hinter seiner Prachtfassade aus gelbem Ziegel das Stadtmuseum. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das »Kronhuset«, das älteste Gebäude der Stadt aus dem Jahre 1655.

»Kultur wird hier groß geschrieben«, schwärmt Lecker mit Blick auf die 25 Theater und 18 Museen der Stadt. Ältestes Museum am Platze ist das Naturhistoriska museet. In Sälen mit hohen Kassettendecken begegnet man unter anderem einem ausgestopften Blauwal. Derweil zeigt das »Konstmuseum« einen Querschnitt skandinavischer und europäischer Maler vom 16. Jahrhundert bis zur Moderne. Einen Steinwurf entfernt liegt das Hasselblad-Center, das in die Geheimnisse des Kamerabaus einweiht.

»Aber auch neben den Museen gibt es viel zu entdecken. Und dies zu jeder Jahreszeit«, erklärt Lecker mit Blick auf das pulsierende Herz Göteborgs: die Kungsportsavenyn. Die Prachtstraße, die im Volksmund schlicht »Avenyn« genannt wird, zieht sich vom gleichnamigen Platz in südöstliche Richtung. Zu beiden Seiten säumen Kaufhäusern, Boutiquen, Restaurants, Bars und Cafés den Boulevard, an dessen Ende sich auf dem Götaplatsen die Poseidonstatue erhebt. An Göteborgs wichtigste Straße grenzt auch Trädgårdsföreningen. Der 1842 eingeweihte »Vorzeigepark« mit dem Duftgarten mit Kräutern und Gewürzen sowie schönen alten Holzvillen ist eine grüne Oase mitten in der Stadt. Sehenswert sind das Rosarium mit seinen 5000 Rosen und das Palmhuset, das enorme, nach Vorbild des Londoner Crystal Palace erbaute Gewächshaus.

Nur einen Steinwurf von der Avenyn entfernt liegt Liseberg, der größte Vergnügungspark Nordeuropas. Die Mischung aus Disneyland und Oktoberfest nennt die größte Holz-Achterbahn Skandinaviens, ein Spukhotel und einen 60 Meter hohen Turm, auf den man sich in zwei Sekunden hinauf katapultieren lassen kann, sein eigen. Und Göteborg hat noch einen Superlativ zu bieten: Direkt neben dem Hauptbahnhof befindet sich Schwedens größtes Einkaufszentrum Nordstan mit 150 Geschäften.

Architektonisch interessant sind fraglos auch die »Saluhallen«, ein Lebensmittelmarkt auf dem Kungstorget. Die alten Markthallen wurden zwischen 1886 und 1889 errichtet. Heute bieten hier Spezialgeschäfte und Restaurants Leckereien aus aller Herren Länder feil. Obligatorisch ist daneben ein Besuch der Feskekôrka. Dahinter verbirgt sich nicht, wie der Name vermuten lässt, ein Gotteshaus. Nein, das eigentümliche Bauwerk aus dem Jahre 1874 fungiert als Markthalle für Meeresfrüchte.

»Eine der schönsten Ecken Göteborgs ist für mich das Haga-Viertel mit seinen alten Holzhäusern«, schwärmt Francois Lecker. In den engen Straßen und Gassen wechseln sich schnuckelige Läden und gemütliche Cafés ab. »Das eigentliche Herz Göteborgs schlägt aber am Wasser«, versichert Lecker. Und ein Blick auf die Statistik gibt ihm Recht. Jährlich laufen rund 11000 Schiffe den Hafen an. Neben einer Vielzahl an Waren und Gütern bringen sie 2,65 Millionen Passagiere mit. Ungeachtet dessen hat die Schifffahrtsindustrie und mit ihr das Gros der Werften ausgedient. Eine Tatsache, die Göteborg als Chance verstand, um entlang der Kaianlagen einen neuen, modernen Stadtteil mit Restaurants und Cafés entstehen zu lassen. Das sehenswerte Sjöfartsmuseet arbeitet die Geschichte von Seefahrt, Handel, Fischerei und Werftindustrie in Schweden auf. Zu sehen ist auch eine liebevoll zusammengestellte Sammlung von Galionsfiguren aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Und wer weiß, vielleicht auch eines Tages jene Frau vom Fähranleger mit dem wuscheligen Hund.

Weitere Informationen:
Göteborg Touristenbüro, Kungsportplatsen 2, SE-41110 Göteborg, Schweden, Tel. 0046/31/3684200, www.goteborg.com;
Übernachten: Grand Hotel Opera, Nils Ericsonsgatan 23, SE-40426 Göteborg, hier buchen;
Essen und Trinken: Artists Café, Kungsportsavenyn 37, SE-41136 Göteborg, Tel. 0046/31/161751. Der seit mehr als 100 Jahre beliebte Treff von Künstlern und Schöngeistern liegt an Göteborgs Prachtstraße. Spezialität des Hauses sind die Sandwichs mit von Hand gepulten Krabben. Restaurant 28+, Götabergsgatan 28, SE-41134 Göteborg, Tel. 0046/31/202161. Speisen im luxuriösen Ambiente und einen der bestsortierten Weinkeller der Stadt bietet das Restaurant 28+. Sjomagasinet, Klippans Kulturreservat, Adolf Edelsvärdsgata 5, SE-40241 Göteborg, Tel. 0046/31/7755920, www.sjomagasinet.se. Das exzellente Fischrestaurant liegt direkt an der Hafeneinfahrt und besticht zudem durch das herrliche Ambiente des einstigen Sitzes der Schwedischen East India Company aus dem Jahre 1775.

Oktober 2010, Karsten-Thilo Raab (srt)

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