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Die Preise für Mietwagen sind in diesem Jahr explodiert. Wie Sie trotzdem an ein günstiges Auto kommen

Die Preise für Mietwagen sind in diesem Jahr explodiert. Wie Sie trotzdem an ein günstiges Auto kommen

 

Mietwagen So umgehen Sie die Wucherpreise

Mietwagen in Europa sind derzeit sehr teuer. Wir sagen Ihnen, wie Sie an ein bezahlbares Auto kommen.

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Flüge und Unterkunft sind bereits gebucht. Jetzt fehlt nur noch der Mietwagen. Der Blick in die Buchungsportale versetzt dann all jene, die in den schönsten Wochen des Jahres gern mobil sind, in Schockstarre. Was sich in den Vorjahren mancherorts schon für weniger als 100 Euro pro Woche realisieren ließ, kostet derzeit ein Vielfaches. »Ich habe für einen Kleinwagen auf Mallorca über Ostern fast 800 Euro bezahlt«, schreibt Leser Bernd R. sichtlich verärgert. »Im letzten Jahr waren es etwas mehr als 130 Euro«. Beim Blick hinter die Kulissen ist der Grund dafür schnell gefunden. Vor der Krise gab es Mietwagen im Überfluss.

Als Corona die Reisewelle ausbremste, wurden die Flotten ausgedünnt. Die Vermieter gaben im Rahmen der »BuyBack-Verträge« die Fahrzeuge nach Ende der Laufzeit an die Hersteller zurück, bestellten aber kaum neue Autos. Auf Mallorca schrumpfte das Mietwagenangebot während der Pandemie um die Hälfte, in Portugal sogar um bis zu 70 Prozent. Nun ist die Nachfrage stark gestiegen und lässt sich nicht so einfach bedienen, das führt automatisch zu höheren Preisen. Zunächst sorgte der Chipmangel für Lieferprobleme, wegen des Ukraine-Krieges fehlt es jetzt zusätzlich an Bauteilen.

»Kleine örtliche Anbieter, die nicht an Verträge mit kurzer Laufzeit gebunden sind, sind jetzt im Vorteil. Großanbieter hingegen müssen ihre Fahrzeuge nach Ende der Laufzeit zurückgeben«, schildert Dr. Andreas Schiffelholz, Geschäftsführer Mietwagen beim Vergleichsportal Check 24, die Lage.

Aufgrund der hohen Rabatte, die Mietwagenunternehmen einfordern, ziehen es die Hersteller in schwierigen Zeiten vor, Neuwagen dort zu verkaufen, wo sie am meisten Geld verdienen. Wann sich die Lage wieder normalisiert, ist ungewiss. 2019 wurden in der Europäischen Union über 1,3 Millionen Mietwagen ausgeliefert, in diesem Jahr sind es nicht einmal halb so viele. »Mietwagen im Überfluss und die daraus resultierenden Dumpingpreise wird es so schnell nicht wieder geben«, sagt Thorsten Lehmann. Der Mitinhaber von Sunny Cars mischt seit 30 Jahren im Mietwagengeschäft mit und kennt den Markt wie kaum ein anderer. »Die Branche wird ihre Flotten nicht wieder so hochfahren, wie es im vergangenen Jahrzehnt der Fall war«. Den Autovermietern scheinen die Preissteigerungen gar nicht einmal ungelegen zu kommen. Sixt-Chef Konstantin Sixt verkündete seinen Aktionären Anfang März für 2021 den höchsten Gewinn vor Steuern der Firmengeschichte und sieht in der Entwicklung auch einen »Nachholeffekt«. Jahrelang habe es s

tagnierende, teils sogar sinkende Preise für Mietwagen gegeben, während Flüge und Hotelzimmer um 30 bis 40 Prozent teurer geworden seien.

Viele Anbieter haben keine eigenen Fahrzeuge

Bei den großen internationalen Mietwagenunternehmen weiß der Kunde, dass der Wagen in gutem Zustand vollgetankt am Flughafen bereitsteht. Auch ist die Wartezeit bei den Etablierten meist nicht so lang wie beim »Billigheimer«, der seine Kunden mit Dumpingpreisen ködert und per Shuttlebus zum kilometerweit entfernten Firmengelände karrt. Doch sind Urlaubsreisende wirklich bereit, für den besseren Service einen so hohen Preis zu zahlen? Wohl kaum. So verwundert es nicht, dass Avis, Hertz & Co. das Urlaubsgeschäft mittlerweile zum Großteil über sogenannte Mietwagenbroker abwickeln, die keine eigenen Fahrzeugflotten unterhalten. Diese kaufen die Fahrzeuge der Flottenbetreiber zu Nettopreisen ein und bringen diese bestmöglich unters Reisevolk; Sunny Cars, TUIcars und Drive FTI reichern die Angebote mit attraktiven Zusatzleistungen an: Die Haftpflichtdeckung wurde auf 7,5 bzw. 10 Millionen Euro aufgestockt, kostenlose Umbuchungs- und Stornomöglichkeiten geschaffen, bei Schäden wird die Selbstbeteiligung erstattet und evtl. Versicherungslücken, die lokale Vertragspartner hinterlassen, über Versicherer wie die Allianz geschlossen. Bei Auto Europe und Holiday Autos müssen derartige Leistungspakete extra gebucht werden. Das Gleiche gilt für hierzulande weitgehend unbekannte Broker wie Cars & Camper(Booking.com), Wisecars (USA), BSP Auto (Frankreich), Argus (Irland) und GotRentalCars (UK).

Metasearcher sparen Zeit und oft auch Geld

Das Geschäftsmodell der Mietwagenbroker ergibt eine Win-Win-Situation für alle: Unternehmen wie Avis und Sixt können sich auf Geschäftsreisende und auf den deutschen Markt konzentrieren. Aufstrebenden Unternehmen und Lokalanbietern öffnen die Broker die Türen zum Ausland. Und der Kunde profitiert von besseren Preisen. Die Broker kontrollieren mittlerweile einen Großteil des Feriengeschäfts. Weiterer Nutznießer des unübersichtlichen Angebots sind die Dritten im Bunde, die sogenannten Metasearcher: Preisvergleichsportale wie Check 24, Billiger Mietwagen, Happycar oder der Holiday-Check-Ableger Mietwagen-Check, die den Kunden die zeitaufwendige Sucharbeit abnehmen. Auf ihren Seiten sind die internationalen Mietwagenkonzerne ebenso zu finden wie das Angebot diverser Broker sowie kleinerer Flottenbetreiber wie Centauro, Sicily by Car und Goldcar. »Wir schicken die Mietwagenanfrage über Schnittstellen in die große Runde und finden in Echtzeit den günstigsten Anbieter«, so Schiffelholz.

Die Metasearcher arbeiten alle nach dem gleichen Muster. Zunächst werden die Reisedaten abgefragt und dann eine Liveanfrage bei den Partnerportalen vorgenommen. Die Ergebnisliste lässt sich durch Filter auf die eigenen Bedürfnisse zuschneiden. Preisunterschiede erklären sich dadurch, dass die Portale z. T. unterschiedliche Anbieter haben und somit auch andere Preise. Generell liegt das Sparpotenzial bei 30 bis 50 Prozent, abhängig von Saison und Buchungszeitpunkt.

Sparfüchse denken schon jetzt an die Osterferien

Um zu sehen, wie die Preisentwicklung ist, haben wir die Preise für Hochsommer, Herbst und Ostern 2023 abgefragt sowie Last-Minute-Testbuchungen vorgenommen, für neun Städte im südlichen Europa plus Antalya in der Türkei. Das Ergebnis ist ernüchternd: In Lissabon, Mailand und Neapel liegen die Preise in den Sommerferien z. T. bei über € 1.000 pro Woche. In Barcelona und Palma ist die Situation kaum besser. »Spürbar sind die Preissteigerungen vor allem an beliebten Zielen und auf den Mittelmeerinseln«, schildert Frieder Bechtel vom Vergleichsportal Billiger-Mietwagen die Lage. Daran wird sich so schnell wohl auch nichts ändern: Für Ostern 2023 fand Check24 mit € 613 die Woche den besten Preis für Mallorca, am teuersten war Avis mit € 807. Andernorts sah es zwar besser aus, doch selbst in der Nebensaison Anfang Oktober versuchen die Flottenbetreiber, in den Mietwagenhochburgen Barcelona, Lissabon, Mailand, Neapel und Palma das Niveau mit Wochenpreisen zwischen 700 und 900 Euro hochzuhalten. Der Blick in die Ergebnislisten der Metasearcher aber zeigt, dass das bisher nicht auf eine Verknappung hindeutet, schließlich liegen die Mietwagenpreise bei ihnen bis zu 70 Prozent darunter.

Branchenkenner raten dazu, Mietwagen möglichst früh zu buchen, um am Ende nicht mit leeren Händen dazustehen. »Die Buchungsgewohnheiten haben sich in der Pandemie verändert«, stellt Thorsten Lehmann von Sunny Cars fest. »Reisen werden kurzfristiger gebucht, das sorgt bei der zu erwartenden Nachfrage für steigende Preise, je näher der Abflug rückt«. Eine Aussage, die auf die Hochsaison zutrifft, auf die Nebensaison aber nur bedingt. Unsere Last-Minute-Testbuchungen Ende Mai sahen Kurzfristbucher außerhalb der Ferienzeiten meist sogar im Vorteil. Dennoch ist es kein Fehler, auch in aufkommensschwächeren Zeiten weit im Voraus zu buchen, schließlich lassen sich Mietwagen meist bis kurz vor Abreise kostenlos stornieren, d. h., wer die Preisentwicklung im Auge behält und kurz vor Abreise ein besseres Angebot findet, kann auch im letzten Moment noch umswitchen.

Preisunterschiede von mehreren hundert Euro

Unerwartet hoch waren die Preisunterschiede der Buchungsportale untereinander. Wer aus Gewohnheit bei einem der großen internationalen Mietwagenkonzerne bucht, verschenkt mit hoher Wahrscheinlichkeit viel Geld. In der Spitze lag die Preisersparnis im Test bei 60 Prozent. In unserer Stichprobe für die Sommerferien schlug ein Kleinwagen in Lissabon bei Europcar mit € 825 für eine Woche zu Buche, bei Sixt kostete ein Fahrzeug derselben Klasse € 1.212, ein Preisunterschied von € 387. Wer zusätzlich die Metasearcher einschaltete, der wurde bei Check 24 und Happycar für € 735 fündig. Gesamtersparnis: € 477. Bezeichnend: Auf der Homepage von Avis kostete ein Mietwagen für Barcelona Ostern 2023 € 745, bei Mietwagen-Check fand sich über TUIcars das gleiche Avis-Fahrzeug für € 320.

Besser einen Mietwagen ohne Selbstbehalt buchen

Die Selbstbeteiligung kann zur Kostenfalle werden. Jede Beule, jeder Kratzer, auch die nicht selbst verschuldeten Schäden, können zu hohen Forderungen des Vermieters führen. Wer den Selbstbehalt auf »null« stellen möchte, wird bei den Großanbietern in einigen Zielgebieten kräftig zur Kasse gebeten. Im »berüchtigten« Neapel, wo die Diebstahlquote höher ist als anderswo, kostet das bis zu € 42 extra pro Tag (!). Bei den Brokern und Metasuchmaschinen gibt es diesbezüglich in den Filtereinstellungen zumeist zwei Optionen: Entweder man tritt im Schadensfall bis zur Höhe der Selbstbeteiligung in Vorleistung und erhält das Geld später zurück oder man will, dass Verleiher und Broker das untereinander regeln. Stressfreier ist die zweite Variante, ansonsten steht der Kunde in der Nachweispflicht. So wird vielfach eine Bescheinigung vom Vermieter über den Schadensumfang verlangt, einige Anbieter verlangen selbst bei Bagatellschäden eine Schadensaufnahme durch die Polizei – wer das nicht beibringen kann, schaut womöglich in die Röhre. Ein vorheriger Blick in die AGBs kann da nicht schaden.

Zwielichte Tankregelungen als Einnahmequelle Bei den großen internationalen Vermietern ist die Sache klar, dort wird der Wagen grundsätzlich vollbetankt entgegengenommen und wieder abgegeben. Beim No-Name-Verleiher hingegen führt die erste Etappe meist zur Tankstelle.

Der Tank muss bei der Rückgabe genauso voll (bzw. leer 😏) sein wie bei der Übernahme. Es gibt aber noch eine Steigerung: Das Fahrzeug wird voll übernommen und muss leer abgegeben werden; der Vermieter holt sich das Geld über eine Benzinpauschale zurück, die von der Kreditkarte abgebucht wird. Und die ist meist deutlich überhöht. Ein Problem, das sich bei einigen Anbietern über den Auswahlfilter lösen lässt. Leider gehen bei Suchmaschinenbetreibern und Mietwagenbrokern die Ansichten darüber auseinander, was unter einer fairen Tankregel zu verstehen ist. Viele stufen als fair neben den »Voll/voll«-Angeboten die »Rückgabe mit gleichem Füllstand« ein. Ein schlechtes Geschäft für den Kunden, schließlich fährt erfahrungsgemäß kaum jemand mit dem letzten Tropfen zum Airport zurück.

Im Zweifelsfall einfach das Reiseziel ändern

Wem die Preise am Ende schlichtweg zu hoch sind, auf den Mietwagen aber nicht verzichten möchte, der kann natürlich auf andere Reiseziele ausweichen: Dann heißt es eben Türkei statt Mallorca oder Kanaren statt Lissabon. Kostensparend ist es, wenn der Wagen für Ausflugstouren tageweise vor Ort ausgeliehen wird. Oder man steigt gleich aufs Taxi um. Auf kleinen Mittelmeerinseln, wo in einer Urlaubswoche oft nur ein paar Hundert Kilometer zurückgelegt werden, ist das am Ende womöglich günstiger.

SO HABEN WIR GETESTET

Aufgabe war es, das günstigste buchbare Auto zu finden. In drei Saisonzeiten: Termin 1 fällt in die absolute Hochsaison Mitte August (11.–18.8.22), wenn auch die meisten Südeuropäer

Urlaub machen. Der zweite Termin fällt in die Spätsommer-Nachsaison (1.–8.10.22), die dritte Stichprobe fällt in die Osterferien 2023 (6.–13.4.23). Ferner haben wir Ende Mai/Anfang Juni eine Last-Minute-Buchung für in sieben Tagen getätigt. Die Auswahlkriterien waren:

1. Kleinwagen ohne Selbstbeteiligung, 2. Haftpflichtdeckung mind. 1 Million Euro
3. Tankregelung voll/voll
4. ausreichend Freikilometer (mind. 1.750 km).

DARAUF SOLLTEN SIE ACHTEN

- Ist die Haftpflichtdeckung zu niedrig, prüfen Sie, ob Ihr KFZSchutzbrief eine Haftpflicht für Mietwagen enthält oder schließen eine Mietwagenversicherung ab (bei Hanse Merkur € 55/Woche).
- Haben Sie sich für ein Fahrzeug mit begrenzten Kilometern entschieden, beachten Sie, dass jeder Mehrkilometer mit € 0,40–0,60 zu Buche schlägt.
- Prüfen Sie das Fahrzeug bei der Übernahme auf Beulen, Kratzer, Glas-, Felgen- und Reifenschäden. Halten Sie Auffälligkeiten mit der Handykamera fest.
- Wenn die gebuchten Leistungen ausreichend sind, lassen Sie sich vor Ort nicht in Diskussionen über weitere Zusatzversicherungen verwickeln

SPARTIPPS FÜR MIETWAGENURLAUBER

- Überlegen Sie, wie oft Sie den Mietwagen nutzen. Für gelegentliche Ausflüge empfiehlt sich eine Ausleihe vor Ort.
- Wenn Sie den Wagen i.d.R. nur für Kurzstrecken benötigen, sind Taxi, Moped oder öffentliche Verkehrsmittel die günstigere Alternative.
- Buchen Sie frühzeitig. Findet sich später ein besseres Angebot, stornieren Sie im Rahmen der Fristen und buchen anschließend neu.
- Schalten Sie die Metasearcher ein: Dort finden Sie die Angebote zahlreicher Broker und lokaler Anbieter.
- Ist Ihnen der Mietwagen für Ihr Reiseziel zu teuer, wählen Sie ggf. ein anderes Reiseziel mit günstigeren Angeboten.

(REISE & PREISE 3-2022)
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